Hornberg - "Das muss ich alles erst einmal sacken lassen": Nach seinem Sieg am Samstagabend in der Fernsehshow "Wetten dass...?" in Friedrichshafen ist für den Hornberger Fahrrad-Trial-Sportler Daniel Rall wieder so etwas wie Alltag eingekehrt. Aber die Freude über seinen Doppelsieg ist ihm deutlich anzuhören.

"Eigentlich hatte ich am Samstagmorgen noch die Befürchtung, dass mein Ersatzkandidat für mich einspringen muss", erzählt Rall im Gespräch mit dem SchwaBo. Denn eine dicke Erkältung quält den Wettkandidaten. Ein Besuch beim Arzt und entsprechende Medikamente lassen ihn dann aber durchhalten.

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Mut macht ihm schließlich sein Wettpate, die österreichische Ski-Legende Hermann Maier, den Daniel Rall als "großen Sportler mit Herz und enormen Kampfgeist" bezeichnet. Natürlich drücken ihm auch seine Freundin Nadine, Sohn Julian und die mitgereiste Familie sowie Freunde fest die Daumen. Daniel Rall lässt den Abend noch mal Revue passieren. Die Spannung für den 26-Jährigen ist groß, denn er kommt erst ziemlich spät mit seiner Wette dran: "Das Schlimmste war die lange Warterei auf der Kandidatencouch", so Rall.

Dann wird es Ernst: Rall trifft sich mit Wettpate Hermann Maier und Markus Lanz auf der Bühne und formuliert seine Wette: in drei Minuten 20 Flaschen Bier mit den Speichen seines Fahrrads öffnen. Eine Wette, die seinem 2012 verstorbenen Vater gewidmet ist und die dieser "geboren" hatte. Wie kam es zu dieser Idee? "Mein Vater hatte im Keller am Fahrrad gearbeitet und irgendwann natürlich Durst bekommen. Dann haben wir überlegt, wie wir eine Flasche Bier aufbekommen ohne speziellen Öffner", erinnert sich Rall.

Die Radspeichen boten sich geradezu an. Er und sein Vater haben die Idee umgesetzt und verfeinert, bis sie so perfektioniert war, dass Rall sie für "Wetten dass...?" anmelden konnte. Bei der Generalprobe in Friedrichshafen dann allerdings die große Ernüchterung für Daniel Rall: "Ich hab in vier Minuten nur 16 Flaschen öffnen können."

Nun sind also die entscheidenden Minuten angebrochen. Rall ist voll konzentriert, nimmt kaum noch die Menschen um sich herum wahr, nur seinen Sohn hört er rufen: "Papa, Du schaffst das." Und in der Tat, nach zwei Minuten und 36 Sekunden bricht der Jubel aus: Daniel Rall hat es mit der Speiche seines Fahrrades geschafft, 20 von 25 Bierflaschen zu öffnen, ohne auch nur eine Flasche dabei zu zerbrechen.

Da ist erst einmal ein großes Aufatmen bei dem erschöpften Kandidaten: "Der ungeheure Druck ist weg. Aber schon baut sich eine neue Spannung auf: Wird er es schaffen, Wettkönig zu werden? Um 22.45 Uhr hat Rall dann Gewissheit: 67 Prozent der Anrufer haben für ihn gestimmt, und kurz darauf sehen 8,57 Millionen Zuschauer einen emotionalen Gewinner, der sich seiner Tränen nicht schämt. "Es ist einfach ein geniales Gefühl, man mag es irgendwie noch nicht so recht glauben", schildert Daniel Rall im Nachhinein seine Gefühle. Er hat es geschafft: Nach dem Titel "Vize-Wettkönig" bei "Wetten, dass...?" mit Thomas Gottschalk 2010 hat er nun endgültig den Titel in der Tasche. So ganz geglaubt hatten er und sein Sohn allerdings nicht daran: "Die Bus-Fußball-Wette war auch toll, und Julian war der Ansicht, das die Wettkönig werden", so Rall über die Konkurrenz.

Wie geht es nun weiter, will Rall weitermachen? "Wenn ich darf, werde ich gerne wieder etwas in dieser Richtung planen, aber, wie gesagt, das muss ich alles erst einmal sacken lassen", sagt der gelernte Zimmermann.

Immerhin hat er schon viel erreicht: Den Deutschen Trial Pokalsieg, ein zweiter Platz im Mannschafts-Europa-Cup. sein Hobby als Trialfahrer hat er zum Beruf gemacht.

Aktuell arbeitet er an einem äußerst riskanten Weltrekordversuch; was genau es allerdings ist, verrät er aber noch nicht. Genau weiß er auch noch nicht, ob er seinen Gewinn, einen Audi, behalten wird: "Da hab ich mich noch nicht entschieden."