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Horb Wenn Jäger zu Zielscheiben werden

Christof Schülke und Florian Ganswind, vom 15.12.2011 06:44 Uhr
Aus Sicht der Förster in Horb ist die Jagd wichtig, um die gewohnte Waldbewirtschaftung zu sichern.  Foto: dpa-Zentralbild
Aus Sicht der Förster in Horb ist die Jagd wichtig, um die gewohnte Waldbewirtschaftung zu sichern. Foto: dpa-Zentralbild
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Horb - 14 Wildschweine, 30 Rehe, 15 Füchse und zwei Hasen. Das Ergebnis der Drückjagd, die am Samstag im Dießener Tal stattfand, ist schnell aufgezählt. Zählen lassen sich zurzeit aber auch die Jagdgegner, die im Internet gegen die Drückjagd bei Horb und die Jagd schlechthin wettern.

»Dass es sich bei Treibjagden um reine Hobbyveranstaltungen handelt, sieht man daran, dass Beteiligte sogar aus Pforzheim anreisen um daran teilzunehmen«, schreibt ein Online-Leser des Schwarzwälder Boten. Weitere Fragen werden aufgeworfen: Mit welcher Begründung wird der Wald für den Rest der Bevölkerung gesperrt? Anderen Online-Lesern graut es vor jeder Art von Jagd auf Tiere. Im wütenden Tonfall schreiben sie von einem grausamem Hobby, das nicht der Hege und Pflege diene, sondern Schäden anrichte. Nämlich durch Bleikugeln im Boden, versehentliche Abschüsse von Haustieren oder die angeblich qualvolle Abrichtung von Jagdhunden. Aber stimmt’s?

Und wie gefährlich sind eigentlich Wildschweine? In der Diskussion gehen die Meinungen auseinander. Ein Jagdbefürworter schreibt: »Wir sorgen für die Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts. Würden wir dieses nicht tun, dann will ich euch sehen, wenn ihr morgens aus dem Haus geht und euch eine Rotte Sauen vor der Haustüre auflungert und euch angreift.«

»Wir verstecken uns nicht vor der Öffentlichkeit«

Ganz anders ein Jagdgegner: »Ich bin draußen x-mal Sauen begegnet die letzten Jahre, oft nur in wenigen Metern Abstand. Nie Probleme, man kann sich eben auch ohne Flinte und Jagdhund arrangieren.«
Die Zahl der Briefschreiber und Abstimmer deutet auf ein beidseitiges Frustpotenzial. Ein Sonderfall im Kreis Freudenstadt oder im Raum Horb? Warum wird so heftig gestritten?

Für das Horber Ärzteehepaar-Rebholz (der Jäger Rudolf Rebholz hat das Revier Dießen 1/Schlattwald und ist einer der Organisatoren der Drückjagd) sind die Proteste nichts Neues. Margarete Rebholz: »Die Problematik gibt es seit Jahren. Sie verläuft in Wellen, mal mehr, mal weniger.« Für sie ist klar: »Wir verstecken uns nicht vor der Öffentlichkeit. Die Regulierung des Wildbestandes in einer Kulturlandschaft ist wichtig.«

Dass öffentliche Infoveranstaltungen zum Thema Jagd vielleicht helfen würden, Vorurteile abzubauen, räumt Rebholz ein. Sie werde diese Idee weitergeben. »Wir leisten in der Forstpflege viele Arbeiten, die in der Öffentlichkeit weniger gesehen werden.«

Im Freudenstädter Landratsamt sind bislang keine Proteste bekannt. »Ich bin schon seit zehn Jahren im Amt, und seither ist so etwas noch nie aufgetaucht«, sagt Peter Kuptz, Leiter des Amtes für Verkehr und Ordnung, der auch fürs Jagdamt zuständig ist.

Beschränken sich die Jagdproteste auf den Ostkreis? Margarete Rebholz glaubt nicht, dass der Protest gegen die Jagd für Horb und Umland typisch ist. Und doch gibt es für sie eine Faustregel: »Je verwurzelter die Dorfbevölkerung, desto weniger Proteste.« Anders in Stadtnähe. Dort komme es vor, dass Hochsitze angesägt werden. »Es gibt militante Jagdgegner, die vor nichts zurückschrecken«, so Rebholz.

Aus Sicht der Förster in Horb ist die Jagd wichtig, um die gewohnte Waldbewirtschaftung zu sichern. »Mit Schutzzäunen lässt sich das nicht verwirklichen. Und wir wollen das Wild ja nicht ausschließen«, sagt Walter Bäder von der Horber Außenstelle des Kreisforstamtes. Die Förster argumentieren: Zu viele Wildtiere verursachen Fressschäden an jungen Bäumen – was dazu führt, dass der Wald nicht aus eigener Kraft nachwachsen kann. Kommunen, Forstämter und das Kreisjagdamt legen deshalb gemeinsam Abschlusspläne fest, und Bäder lässt keinen Zweifel daran: »Ziel ist«, dass diese Pläne erfüllt werden.«

Und wie steht der Naturschutzbund zur Jagd? Wer denkt, hier trifft man auf massive Gegenwehr, irrt sich. »Ich bin kein Gegner der Jagd«, sagt Eberhard Kläger, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Eutingen. Im Verein seien auch einige Jäger Mitglieder. »Das eine schließt das andere nicht aus. Es gibt den ökologischen Jagdverband (ÖJV), dem wir eher nahe stehen.« Sein Horber Kollege Eckhard Kiefer hat eine ähnliche Meinung zur Jagd. »Zum Schutz der Artenvielfalt und für das Gleichgewicht in der Natur ist die Jagd notwendig.« Deswegen sei eine gebündelte Drückjagd wie im Dießener Tal akzeptabel. Mit Rudolf Rebholz habe man einen kompetenten Organisator.

Also nur heile Jagd-Welt? Nicht ganz. »Wir sprechen uns ganz klar gegen Anfütterung der Tiere, die so genannte Kirrung aus«, erklärt NABU-Mann Eberhard Kläger. Auch die Verwendung von Bleischrot sei zu kritisieren, weil unter anderem Vergiftungen von Greifvögeln drohen würden.

Kommentare (38)
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DEZ
23
22:32 Uhr, geschrieben von Fred
@gs: die Kehrseite der Medaille
Der "schnelle Tod" durch die Kugel ist doch ein Jägermärchen. Hochentwickelte Säugetiere haben eine dem Menschen vergleichbare Schmerzempfindung. Selbst Herztreffer lassen beim Tier erst nach ca.15 Sekunden das Bewußtsein schwinden, oft flüchten sie noch 100-200m. "Kammerschüsse", die großenteils die Lunge betreffen führen zum minutenlangen Erstickungstod oder bei schneller kollabierender Lunge zu Panikattacken und großer Todesangst beim getroffenen Tier. Von den "Weidwund"-Treffern ins Gedärm einmal ganz zu schweigen. Diese kommen ebenfalls recht häufig vor. Eine üble Quälerei für das Wild, welches dann oft stundenlang nachgesucht werden muß. Laufschüsse sind ebenfalls nicht selten und erfordern wiederum lange Nachsuchen. Ließ mal den B.Krewer(Hirsche, Hunde und Nachsuchen), dann weißt du Bescheid, falls Dir die eigene Erfahrung dazu fehlt: ich kenn genug Jäger, auch aus der eigenen Verwandschaft sowie beruflich. Auf Drückjagden wird munter auf hochflüchtige Sauen geballert, von Jägern, die auf dem Schießstand den mit 10km/H brav dahertrabenden "Laufenden Keiler" nicht mal sicher treffen können. Siehe meinen Beitrag zur lachhaften Schießprüfung des LJV-BW. Und im übrigen finde ich es dürftig, sich am Tod eines Tieres zu freuen, nur um die eigene Passion befriedigt zu haben.
DEZ
23
01:00 Uhr, geschrieben von gs
Unsägliche Disskusion
Ursprünglich hatte ich ich vor weit auszuholen über die Motivation zur Jagd. Nach dem Lesen dieser Beiträge möchte ich mich kürzer fassen, das Niveau ist ja erschreckend. Nur soviel: ich bin Jäger und habe Freude daran. Ich gehe nicht auf die Jagd aus Einsicht in biologische Notwendigkeiten oder aus Bürgersinn, - weil es ja einer machen muss- sondern weil es schön ist und mir Freude macht. Das heisst nicht das es nicht sinnvoll ist auf die Jagd zu gehen. Manchmal kommt Eigennutz und gesellschaftlicher Nutzen zusammen so wie bei der Jagd. Wie oben gesagt spare ich mir eine Erläuterung der vielschichtigen Ursachen der Jagdpassion da diese von den meisten Schreibern der bisherigen Kommentare kaum verstanden würde. Was ich aber einfordern möchte ist Toleranz. Nur weil man etwas nicht versteht und nicht nachvollziehen kann solche Hasstiraden lozulassen oder gar zur Gewalt aufzurufen geht gar nicht. Worin liegt nun der Nutzen der Jagd? In Deutschland gibt es reichlich Lebensraum für Wildtiere. Diese vermehren sich und können nachhaltig genutzt werden. Das heisst, das ohne Bestandsgefährdung der nachwachsende Teil des Wildes erlegt und verzehrt werden kann. Dies stellt schon eine sinnvolle Nutzung dar. Sterben muss ja jedes Tier ohnehin. Ob dann im 3 Jahr einen schnellen Tod durch eine Kugel oder im 8. Jahr entkräftet und mit Parasiten befallen im Winter ist schon ein Unterschied. Im ersten Fall kann dieses Fleisch genutzt werden und mit einer "Bewirtschaftung" des vorhandenen Wildes bleiben Schäden in Wald und Feld in Grenzen. Viele positive Nebenaspekte wie Regulierung der Beutegreifer, Biotoppflege, freiwilliges Entsorgen von Unfallwild u.a. führe ich nicht weiter aus. Das dies verstanden wird nehme ich nicht an da es die meisten Kommentareschreiber wohl innerlich zerreist wenn sie sich vorstellen das ein Tier getötet wird. Einfach so. Mit Blut usw.. Hatten sie doch wohl als Kind einen Hamster und der war so lieb. Diese naturentfremdete Haltung gestehe ich jedem zu. Glaubwürdig ist eine solche Haltung aber nur bei einem konsequenten Veganer. Wer nur ein bisschen etwas über die industrielle Fleichproduktion weiss (und jeder kann es wissen, es ist kein Geheimnis) den muss es ein vielfaches innerlich zerreissen über das millionenfache Leid der Nutztiere welche eingepfercht unter künstlichen Licht, mit künstlicher Nahrung hochgepäppelt ein artungerechtes kurzes Leben führen bis sie oft lange Strecken zur Schlachtbank geführt werden. Wenn ein Nichtveganer über die "perverse Neigung" Jagd lamentiert, dann hat er wohl nicht richtig nachgedacht, unterstützt er doch ein vielfaches Tierleid indirekt. Ich jedenfalls lobe mir da den Rehbraten im Ofen, in Freiheit artgerecht aufgewachsen, hier und da ein Kräutlein zupfend und in der Blüte seiner Jahre schnell gestorben und gewürdigt.
DEZ
22
11:35 Uhr, geschrieben von indi1234
"Wolf tötet Joggerin"
......heute habe ich eine Meldung auf der Jäger-Website gelesen, wonach in Alaska eine Frau durch Wölfe getötet worden sein soll. Lt. dieser Meldung soll dies durch DNA-Untersuchungen nachgewiesen worden sein. Leider kann ich nicht sagen woher diese Meldung kommt, jedoch ist sie absolut falsch und zudem unprofessionell rechachiert. Lt. Medienbericht der "Anchorage Daily News" sieht die Sache wiederum ganz anders aus. Dem zufolge kann niemand sagen von wem oder was diese Frau getötet wurde. Wahrscheinlicher ist es, das Wölfe die tote Frau gefunden haben. So zumindest zeigt es die Spurenlage. Hier kann man wieder mal sehen, dass sich die Jägermafia ihre eigene Wahrheit zurecht zimmern, nur um den Wolf ins schlechte Licht zu rücken.
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