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Horb Als Taubblinder auf dem Jakobsweg

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Sven Fiedler (vorne) und Siegfried Kipke (Geschäftsführer der Firma Handy Tech) am Jakobus-Stein in Ihlingen. Foto: Hopp

Horb-Nordstetten - Ein großes Ziel hat sich der Taubblinde Sven Fiedler gesetzt. Er will im kommenden Jahr den Jakobsweg pilgern, und das unter anderem mit Hilfe der Nordstetter Firma Handy Tech.

Zu sich selbst und zur Natur finden – für viele ein Grund eine Pilgerreise zu unternehmen. Allerdings muss das auch gut überlegt sein, denn bei Wind und Wetter muss man sich täglich den Etappen stellen. Sven Fiedler hat genau das vor. Dabei muss er nicht nur täglich mit den Kilometern und der Ermüdung kämpfen, sondern Fiedler kann auch nichts sehen und verliert zunehmend seinen Hörsinn.

Trotzdem sagte er sich vor einigen Jahren: "Ich gebe mein Leben nicht auf." Der aus Rottweil stammende 49-Jährige, der schwerhörig geboren und infolge des Usher-Syndroms 2010 völlig erblindet ist, lernte in Hannover in einer sozialen Reha mit seiner Behinderung im Alltag umzugehen.

Schon als Kind hatte sich der 49-jährige Fiedler für die Natur begeistern können und auch der Jakobsweg war für ihn ein Wunschziel. Ein Rehalehrer mit dem Namen Jakob brachte den Taubblinden dann erneut auf die Idee, sich dieser Herausforderung zu stellen. Außerdem sei seine Unternehmung eine "stille Demonstration für Taubblindheit. Für meine taubblinden und hörsehbehinderten Freunde in Deutschland und darüber hinaus."

Insgesamt 35 000 Euro Spenden sind zusammengekommen

So machte Fiedler sich an die aufwendige Planung für seine Pilgerreise. Denn wichtig ist dem 49-Jährigen, der zwar von Taublindenassistenzen (TBA) begleitet wird, dass es sich dabei um sein Projekt handelt. Zudem musste der Rottweiler Sponsoren finden und Spenden sammeln für seine Pilgerreise – so kamen 35 000 Euro zusammen.

Unter anderem konnte er die Firma Handy Tech aus Nordstetten für sich gewinnen, die elektronische Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte herstellt. Mit einem Kleinbus und Benzingeld unterstützt das Unternehmen so den Taubblinden, erzählt Geschäftsführer Siegfried Kipke. Unterstützt werde die Pilgerreise vor allem deshalb, weil Fiedler damit einen wichtigen Beitrag zur Inklusion schaffe. "Jahrelang wurde Sven Fiedler erzählt, dass er so etwas aufgrund seiner Behinderung nicht schaffen könnte, aber er wird zeigen, dass er es kann", sagt Kipke. Viele Menschen könnten sich gar nicht vorstellen, dass ein Sehbehinderter beispielsweise als Informatiker arbeiten könne. "Fiedlers Unternehmung leistet einen Beitrag dazu, dass mehr über die Behinderung von Taubblinden bekannt wird."

Fiedler wählte für seine Pilgerreise eine Strecke von 800 Kilometern in 32 Etappen. Erster Wandertag wird der 21. April 2017 sein. Von Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich geht es über die Pyrenäen nach Spanien. Ziel ist natürlich Santiago de Compostela. Dort wird der 49-Jährige voraussichtlich am 31. Mai ankommen. Zurück in Rottweil will er dann am 3. Juni sein.

Auch ein Kinofilm soll zu der Wanderung gedreht werden

Da der begeisterte Holzschnitzer sich immer erst an eine neue Umgebung gewöhnen muss, um sich zurechtzufinden, kommt der Bus von Handy Tech zum Einsatz. Nach den Tagesetappen – etwa 20 bis 30 Kilometer sollen es täglich sein – wird er abends in ein Hotel zurückgefahren, um so möglichst selten die Unterkunft wechseln zu müssen. Begleitet wird er ständig von drei Assistenten. Insgesamt wechseln sich acht Hilfskräfte dazu ab. Auch seine Assistentin Almuth Kolb, die Fiedler seit drei Jahren begleitet, wird ihn unterstützen.

"Auch für meine Helfer wird es eine Herausforderung", sagt Fiedler. Denn sie kennen die Wege genau so wenig wie der 49-Jährige. Trotzdem muss er dauerhaft geführt werden, denn die Unbeständigkeit der Wege erlaubt es nicht, dass sich Fiedler nur auf seinen Blindenstock verlässt. Die Assistenten übernehmen dabei nur die Aufgabe, die der Rottweiler durch den Verlust seines Augenlichts und des Hörsinns nicht mehr übernehmen kann. Deshalb informieren sie Fiedler ständig darüber, wie die Umgebung aussieht, damit er sich zurechtfindet. Zudem begleitet ein Filmteam den 49-Jährigen und dreht einen Kinofilm von seiner Wanderung.

Derzeit konzentriert sich der gelernte technische Zeichner vor allem auf sein Training für die Pilgerreise. Unter anderem hat Fiedler dieses Jahr bereits den Bodensee umrundet, und auch Bergwanderungen im Schwarzwald standen auf dem Programm. Über den Winter bis die Reise losgeht will der 49-Jährige sich nun durchs Fitnessstudio und regelmäßiges Schwimmen vorbereiten. Auf seiner Pilgerreise kann man Sven Fiedler auch über seine Internetseite begleiten.

Weitere Informationen: http://www.tbl-jakobsweg.de

 
 

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Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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