Horb a. N. Zwei Frauen im liberalen Takt

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Nicola Beer, Claudia Gläser und Timm Kern (von links) sprachen über liberale Ideen für die Wirtschaft und Frauenförderung in Unternehmen. Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Jürgen Lück

Die FDP gibt Gas im Wahlkampf-Endspurt: Mit Nicola Beer kam gestern die Generalsekretärin der Bundespartei zu Claudia Gläser, Chefin der gleichnamigen Firma, nach Bildechingen.

Horb-Bildechingen. Zwei Frauen, Mitglieder derselben Partei und Landtagskandidat Timm Kern im Besprechungsraum. Es ging um Frauenthemen. Ungerührt nimmt Timm Kern das Statement von Gläser hin: "Die Einstellung in der Politik muss sich ändern. Wir haben eine Beamtenpolitik." Fügt aber später noch dazu: "Der Timm ist genug mit Unternehmern zusammen – ich glaub nicht, dass er zu diesen Politikern gehört."

Das bewies der gleich, als Beer die Unternehmerin fragte, was sie sich von der Politik wünsche. Gläser, auch Vizepräsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen: "Wir sind international tätig. Dabei behindert uns immer wieder die Bürokratie. Bestes Beispiel: die mit dem Mindestlohn eingeführte Dokumentations-Pflicht der Arbeitszeit. Da muss ich Kettenbriefe aufsetzen, die von meinen Zulieferern und für meine Kunden, die bestätigen, dass diese Pflicht eingehalten wird."

Kern: "Das hat vorher gut funktioniert. Die Politik hat sich dann eingemischt – wegen ein paar schwarzen Schafen. Die Dokumentationspflicht gehört anders geregelt. Die FDP Baden-Württemberg will den Mindestlohn aber nicht abschaffen!"

Gläser und ihre Firma. Die 46-Jährige hat das Geschäft von ihrem Vater übernommen. Hat sich jetzt auf drei Kerngebiete spezialisiert: Hydraulik-Blöcke, Laborbau und Anlagentechnik Inzwischen 55 Mitarbeiter.

Doch was steckt dahinter? Gläser: "Wir arbeiten in einem Nieschenbereich. In der Automobilindustrie wird mittlerweile vorgegeben, wie viel Schmutz-Partikel beispielsweise in Motorteilen sein dürfen. Wir prüfen das in unseren Laboren. Inzwischen ist auch die Medizintechnik als großer Bereich dazugekommen. Da hat man zwar sterilen Dreck – aber was nützt das, wenn dieser Dreck die Messtechnik stört?"

Gläser setzt – gerade im Laborbereich –­ auf Frauen. Gläser: "Ich brauche sensible Mitarbeiter. Herauszufinden, woher die Partikel stammen könnten, ist Detektivarbeit."

Apropos Frauen. Dann kommen Beer und Gläser richtig ins Gespräch. Frauenquote? Beer: "Ich möchte mal behaupten, dass die jetzt eingeführte Quote in den Aufsichtsräten die Lebenswirklichkeit von Millionen von Frauen nicht berührt." Sie selbst weiß durch ihre zwei eigenen Kinder und sechs von ihrem Lebensgefährten, wo den Frauen mehr der Schuh drückt: "Bei mir hat das nur mit dem System Oma funktioniert. Denn angesichts der reglementierten Öffnungszeiten der Kitas ging das gar nicht anders. Fakt ist: Das Geld, was wir als arbeitende Mütter dem Staat an Sozialabgaben und Steuern einbringen, sollte bei den Kommunen, die die Kitas betreiben, besser ankommen. Da müssen Reformen her."

Timm Kern: "Ein Lösungsansatz wäre auch, dass die Tageseltern auch in der Förderung den staatlichen Kitas gleichgestellt werden."

Und warum gibt es in der FDP so wenig Frauen?

Beer: "In unserer Partei ist der Anteil der Selbstständigen ziemlich hoch. Frauen sind ziemlich skeptisch –­ wenn sie was anfangen, dann soll es hundert Prozent sein. Wir haben deshalb ein Mentor-Programm, um die Frauen zu begleiten."

Gläser: "Das ist im Unternehmen genau so. Männer sagen sich: Ich kann 70 Prozent der Führungsaufgabe. Hurra, ich melde mich. Frauen, die 80 Prozent haben, trauen sich nicht. Dazu kommt, dass die Führung in großen Unternehmen immer was mit Politik zu tun hat. Frauen, die ja oft die Dreifach-Belastung Familie, Arbeit, Partner haben, sagen: Da arbeite ich lieber weiter wie bisher – das tue ich mir auch nicht an."

Beer gesteht noch: "Gelegentlich macht es mir Spaß, auch Männern gegenüber chauvinistisch zu sein." Dann erzählt sie noch, wie sie als Kultusministerin in Hessen zwei Jahre brauchte, um das Thema "Unternehmensgründung" in den Oberstufen-Lehrplan zu bringen: "Ohne Unternehmer hätten wir keine Impfstoffe, keine Autos. Dazu braucht es Vorbilder. Wir müssen weg vom Vollversicherungs- hin zum kalkulierten Risiko."

Dann muss sie weiter. Der nächste Termin ist in Ludwigsburg.

Und Gläser nimmt noch Stellung zu den derzeitigen Wirtschaftsturbulenzen: "Wir leben von der technischen Sauberkeit. China und die USA erhöhen in diesem Bereich jetzt die Qualität. Davon können wir profitieren. Es zeigte sich auch in der Vergangenheit, dass der Qualitätsbereich eher antizyklisch läuft."

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