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Horb a. N. Viel Zuzug aus dem Speckgürtel?

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Das ist Kunst – aber kann die weg? Die Bemalungen auf dem Exerzierplatz stellen ein Kunstwerk aus den 90er-Jahren dar. Foto: Hopp

Horb - Wie geht es mit dem Exerzierplatz weiter? Was wächst auf dem Sportplatz? Das waren die spannenden Fragen, um die es bei Aufstellung des Bebauungsplans "Hohenberg Kaserne Mitte" im Städtebau- und Sanierungsausschuss ging.

Kein Wunder, dass Anlieger wie Alexander König vom Gesundheitszentrum sowie Edmund und Johannes Kiefer vom Quartier 77 auf den Zuschauerbänken saßen. Denn: Nach den ersten Events auf und am Exerzierplatz wie der Tattoo-Konvention oder dem "Umsonst und Draußen"-Festival wird der Bebauungsplan natürlich auch sagen, wie es mit dem jetzt noch freien Exerzierplatz weitergeht.

Die Architekten-Pläne

Knut Maier von Baldauf Architekten und Stadtplaner erklärte zunächst, was das renommierte Büro aus Stuttgart aus den Bürgerworkshops und den bisherigen Vorstellungen und Diskussionen für ein Konzept für die noch freie Fläche zwischen Quartier 77 und Unteroffiziersheim sowie dem Sportplatz vorsieht.

Über den jetzigen Sportplatz werden zwei Flächen als bebaubare "Teppiche" gelegt. Vorne an der Hangkante kann bis zu dreistöckig gebaut werden, dahinter – ungefähr in Höhe der jetzigen Tartanbahn – sogar vierstöckig. Wo jetzt die Sporthalle steht, wollen die Stadtplaner sogar ein siebenstöckiges Hochhaus erlauben!

Maier: "Wir empfehlen Flachdach. Das wird einmal von den Bauträgern bevorzugt." Durch die unterschiedlichen Höhen – vorne flacher, hinten höher – sollen die vorderen Häuser nicht den hinteren die Sicht zum sonnigen Süden hin nehmen. Zur Hochbrücke hin – also dort, wo sich jetzt die Kurve der Tartanbahn Richtung Rauschbart hinzieht, soll ein "modellierter Spielplatz" entstehen. Stadtplaner Peter Klein: "Durch diesen ohnehin geländemodellierten Spielplatz könnte man dort auch gleich einen Lärmwall gestalten, falls der Lärmschutz das notwendig macht."

Ähnliches soll auch auf dem Exerzierplatz entstehen. Vier lang gezogene bebaubare Teppiche, an denen dreistöckige Gebäude entstehen können. Der letzte Gebäuderiegel – gegenüber dem Quartier 77 – soll bis zu vier Stockwerke bekommen. Maier betont, dass dieser Neubau – mit Flachdach – so hoch ist wie die Traufhöhe des Quartier 77 ist. Insgesamt, so Maier, kann so neuer Wohnraum für 400 Menschen entstehen. Laut dem Bebauungsplan könnte man sogar noch die Hälfte des verbleibenden Exerzierplatzes vor Physio König bebauen. Dazu zeigte Maier noch Bilder von Flachdachbauten und vom französischen Viertel in Tübingen.

Kritik an Gebäudehöhe

Elisabeth Schneiderhan (OGL) vom Städtebau- und Sanierungsausschuss brachte es wie folgt auf den Punkt: "Das war jede Menge Stoff. Was mich erschreckt, ist die Planung am Exerzierplatz. Dort anschließend gleich mit vierstöckigen Gebäuden zu beginnen, finde ich nicht gut. Wenn man dann auf dem Exerzierplatz steht, wirkt der noch kleiner. Das ist mir eigentlich zu hoch." Auch die sachkundige Einwohnerin Kathrin Kinsler schloss sich dieser Kritik an.

Maier antwortete: "Wir haben uns grundsätzlich Gedanken gemacht über die Rolle des Exerzierplatzes im Stadtgefüge. In der Tendenz – und das wurde auch in den Bürgerworkshops so gesehen – soll dieser Platz Menschen im Quartier halten und nicht den Marktplatz, Festplatz oder Flößerwasen ersetzen. Der Raum soll so eine Art Zimmer werden. Das lebt ein Stück weit von der Raumbildung. Dazu gehört unseres Erachtens nach auch die Viergeschossigkeit. Dieser Riegel ist auch nicht höher als das Kompaniegebäude, weil es mit der Traufhöhe endet."

Events und Wohnen

Viviana Weschenmoser (SPD): "Es befinden sich schon Player auf dem Feld, die Ansprüche auf den Platz haben. Parkplätze würden bei diesen Planungen wegfallen. Dazu kommt: Wir wollen den Quartierplatz auch mit Events zur Belebung des Quartiers nutzen. Ihn aber auch eng und hoch bebauen. Wie wollen wir das erklären, wenn wieder krisenhafte Situationen kommen wie am Alten Freibad. Wenn wir den Quartierplatz beleben, gefällt das nicht allen Nachbarn." Am Alten Freibad klagen die Nachbarn vom Kulturzentrum Gaistor gegen den sonntäglichen Musikcocktail – wegen Lärmbelästigung.

Stadtplaner Klein: "Das Gebiet ist als Mischgebiet ausgezeichnet. Das heißt: Der Anwohner muss damit rechnen, dass dieser Platz auch bespielt wird. Regelmäßig durch Gastronomie und ab und zu durch Events."

Genügend Parkplätze?

Doch was ist mit den vielen Kunden, die bisher auf dem Exerzierplatz parken? Stadtsprecher Christian Volk: „Grundsätzlich ist zu den Stellplatzfragen anzumerken, dass im städtebaulichen Entwurf die notwendige Parkierung untersucht und nachgewiesen wurden, so dass ausreichend Stellplätze vorhanden sind." Im SBS wurde seitens der Stadtverwaltung gesagt, dass das kein Problem sei. Da hinter jetzt genutzten Gebäuden Flächen für Parkplätze sind. Der Stadtsprecher listet die Zahl der Stellplätze auf: Hinter der Dualen Hochschule gut 82 Stellplätze (ohne die Stellplätze die dort anderen Gebäude zugeordnet sind). Hinter dem AHG-Gebäude ist Platz für gut 116 Stellplätze. Hinter König werden bis zu 50 Parkplätze erstellt. Das Gebäude drei (hier ist ein Appartement-Hotel geplant) hat 120 Stellplätze. Und hinter Gebäude fünf – wo ursprünglich die neue Hochschule rein sollte, sind 70 bis 80 Stellplätze im Bereich des jetzigen Kleinspielfeldes möglich.

Reicht das? Stadtsprecher Volk: "Im Bereich der angedachten Bebauung auf dem Exerzierplatz sind Stellplätze entlang der äußeren Erschließungsstraßen vorgesehen. Zirka 50 bis 60 Stellplätze. Innerhalb des Gebietes sind keine offenen Stellplätze, sondern Tiefgaragen vorgesehen. Die Anzahl der dort möglichen Stellplätze hängt stark von der Gebäudeplanung ab.“

Und das Quartier 77? Stadtsprecher Volk: "Es verbleibt auch bei einer Bebauung dort genügend Fläche, die eine Anordnung von mindestens 30 Stellplätzen, die direkt der Gastronomienutzung zugeordnet wären, ermöglicht, was im Vergleich zu manch alteingesessenen Gastronomiebetrieben ein sehr komfortabler Zustand ist. Zudem ist festzustellen, dass im gesamten Areal künftig tagsüber gearbeitet und am Abend gewohnt werden wird. Daher können auch andere Parkplätze mitgenutzt werden. Dies gilt natürlich auch beispielsweise bei besonderen Veranstaltung in der Kaserne.“

Genügend Nachfrage?

Gerhard Mündung (CDU) stört noch etwas anderes: Der mögliche siebenstöckige Bau! Munding: "Ich habe erhebliche Zweifel, ob sieben Vollgeschosse Sinn machen. Auf dem Hohenberg haben wir das reduziert. Dort ist es uns zu massig. Ich bezweifele auch, dass man für solch einen Koloss überhaupt einen Bauträger findet."

Dagegen konterte OB Peter Rosenberger: "Ich erinnere mal daran, dass gerade ein Turm gebaut wurde, der sehr viel Aufsehen erregt."

Ausschussmitglied Joachim Beuter: "Ich schließe mich der Kritik von Herrn Munding an. Ich finde es schön, was wir gesehen haben. Unter anderem Bilder auch von Gebäuden aus Tübingen. Die stehen dort ganz schön dicht – aber das ist eine Großstadt. Gibt es dafür überhaupt eine Nachfrage?"

Stadtplaner Peter Klein betonte zunächst, dass gerade Gebäude mit drei bis vier Geschossen bei Bauträgern die optimale Rendite versprechen. Weil der Brandschutz hier nicht wie bei höheren Gebäuden aufwendiger wird.

Stadtoberhaupt Rosenberger argumentiert, dass Horb inzwischen immer mehr durch seine günstigen Bau- und Wohnungspreise interessanter wird: "Aus dem großen Speckgürtel von Stuttgart schwappt immer mehr zu uns. Der jetzt vorgelegte Aufstellungsbeschluss ist bewusst sehr flexibel ausgelegt, um mit Bauträgern überhaupt ins Gespräch zu kommen. Wenn wir mit Investoren auf Messen wie der Expo-Real sprechen, ist die erste Frage immer: Wie sind die rechtlichen Rahmenbedingungen? Deshalb plädiere ich für diesen Aufstellungsbeschluss, damit wir endlich in Verhandlungen kommen können." Rosenberger betonte, dass die Gremien immer über jedes einzelne Geschäft abstimmen können.

Was ist mit der Kunst?

Doch darf der Exerzierplatz überhaupt bebaut werden? Josef Nadj: "Auf dem Boden befindet sich ein Kunstwerk. Wenn wir das zerstören, könnten wir die Urheberrechte des Künstlers verletzen." Stadtplaner Klein sagte zu, das zu klären. Doch wer ist der Künstler? Im Nachgang dazu erklärt Stadtsprecher Volk: "Leider gibt es bei der Stadtverwaltung keine Unterlagen über das Kunstwerk. Dieses wurde aber wohl in den 90er-Jahren erstellt. Derzeit läuft unsererseits eine Anfrage beim Hochbauamt in Karlsruhe, die für die ehemalige Kaserne zu dieser Zeit zuständig waren." Auf Nachfrage von Jürgen Poppitz zu exklusivem Wohnen und von Thomas Mattes zu bezahlbarem Wohnraum erklärte Horbs Stadtoberhaupt Rosenberger: "Die Diskussion, was wir dort inhaltlich bauen lassen wollen, die müssen wir noch führen. Dieser Bebauungs-Plan lässt all diese Möglichkeiten zu." Dann wurde abgestimmt. Gegen den vorgelegten Entwurf des Bebauungsplans stimmten Thomas Bauer als sachkundiger Einwohner und Gerhard Munding. Dazu gab es zwei Enthaltungen.

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