Horb a. N. Telefon-Betrüger droht unverblümt
Christof Schülke, 31.07.2012 06:04 Uhr
Die Masche des Geldeintreibens über Handy ist in der Region neu.Foto: dpa
Horb - Dass Betrüger falsche Mahnungen und dubiose Gewinn-Meldungen per Post verschicken, ist nichts Neues. Jetzt greift eine neue Masche um sich – anscheinend auch in Horb und Umgebung: Dubiose Firmen rufen privat auf Handy an und drohen gleich mit Rechtsanwalt.
"Im ersten Moment ist man geschockt, dann bekommt man Angst", erzählt eine Angestellte aus Waldachtal, die in Horb arbeitet. Kürzlich hatte sie ein Unbekannter auf dem Handy angerufen und eine vermeintlich offene Rechnung geltend gemacht. Es ging um eine frei erfundene Dauerteilnahme an einer Verlosungsaktion, die monatlich 50 Euro kosten sollte. Der Vertrag habe sich jetzt automatisch um ein weiteres Jahr verlängert.
Der Betroffenen war schnell klar, dass sie es mit einem Betrüger zu tun hat. "Das muss ein Irrtum sein. Ich habe noch nie an einer solchen Aktion teilgenommen", sagte sie. Doch der Unbekannte am anderen Ende der Leitung hatte gleich den nächsten Trick auf Lager: "Wir haben ihre Vertragsvereinbarung am Telefon aufgenommen. Wollen Sie sie hören?" Die Angestellte, die sich jetzt hundertprozentig sicher war, nie solch einen Text gesprochen zu haben, sagte: "Ja bitte, ich möchte den Text gerne hören." Kurz darauf wurde die Leitung unterbrochen.
War es derselbe Betrüger, der am anderen Tag die gleiche Handynummer anrief und es mit einer anderen Masche versuchte? Die Angestellte wusste es nicht, ärgerte sich aber prompt ein zweites Mal über den Betrugs-Anruf. Diesmal erinnerte der Anrufer an eine vermeintlich offene Rechnung in Höhe von über 400 Euro. Nach einem Gespräch mit der Polizei war die Angestellte jetzt vorbereitet. Sie drohte dem Anrufer mit Anzeige und Weiterleitung seiner Telefonnummer an den Verbraucherschutz. Das Gespräch war dann schnell beendet...
Bei Telefonnummern, die mehrfach in solche Betrügereien verwickelt sind, besteht laut Auskunft der Polizei die Möglichkeit, Bußgelder zu verhängen.
Wie Uwe Schmid, Pressesprecher der Polizeidirektion Freudenstadt, informiert, gibt es immer wieder "Wellen" verschiedener Betrugsaktionen. "Doch gefälschte Mahnungen und Gewinnbenachrichtigungen werden meistens per Post verschickt." Insofern ist die Masche mit dem Betrug-Anruf etwas Neues.
Schmid geht davon aus, dass es bei dieser Betrugsart eine große Dunkelziffer von Betroffenen gibt. "Manche schämen sich und melden es nicht der Polizei. In anderen Fällen geht es um relativ kleine Geldbeträge, und die Betroffenen zahlen, damit sie in Ruhe gelassen werden."
Ist die Betrugs-Rechnung erst einmal bezahlt, ist es in den meisten Fällen zu spät. "Die Polizei kann das Geld nicht mehr zurückholen", so Schmid. "Wir können zwar wegen des Verdachts auf Betrug ermitteln, aber alles, was sich auf den Konten abspielt, geht in den zivilrechtlichen Bereich." Und dort sieht es für die Geschädigten düster aus. "Man stößt dann meistens auf nicht mehr existierende Bankkonten und Adressen. Ein hoffnungsloses Unterfangen", so Schmid.
Wie können sich Handy-Nutzer gegen Betrugsanrufe wehren? Relativ einfach. Schmid: "Nicht einschüchtern lassen und sofort auflegen." Das Gleiche gilt für gefälschte schriftliche Mahnungen. "Sofort zerreißen."



