Horb a. N. Struck: Ohne die Fasnet? Niemals!

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30 Jahre war er Narrenrat, nun gibt Gerhard Struck diese Position ab – nicht aber sein geheimnisvolles Köfferchen. Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Lena Müssigmann

Gerhard Struck setzt am Fasnetsmontag zum letzten Mal den Umzug am Fasnetsmontag in Gang. Mit ein paar Schuss in die Luft. Dann verlässt er den Narrenrat nach 30 Jahren. So lang wie er sei noch niemand zuvor in dieser Position gewesen.

Horb. Er ist evangelisch und kein gebürtiger Horber. Gute Voraussetzungen, um ein Fasnetsnarr in der Stadt am Neckar zu werden, sehen anders aus. Struck ist in Zavelstein (Kreis Calw) geboren. "Ich bin zur Fasnet gekommen wie die Jungfrau zum Kind", sagt Gerhard Struck.

Seinen Erzählungen nach hat der Horber Narrenrat in den 1980er-Jahren dringend ein neues Grafenpaar gesucht. Die Mutter seiner damaligen Frau Susanne wurde von den Narren angesprochen – sie habe doch eine Tochter, ob die mit ihrem Mann nicht Gräfin und Graf werden wolle? Susanne und Gerhard Struck stimmten zu. In einem Heft zur Geschichte der Horber Fasnet winken sie aus einem Schwarzweiß-Foto heraus: als Graf und Gräfin in der Saison 1984.

In diesem Jahr hat er 170 Zünfte eingeladen

So hat Gerhard Strucks Karriere in der Horber Narrenzunft mit Schwung begonnen: Er wurde zum Schriftführer gewählt und schon 1985 zum Narrenrat und Umzugsorganisator. In den vergangenen 30 Jahren war er viele Feierabende lang damit beschäftigt, Einladungen an Zünfte zu verschicken und Kontakte zu pflegen.

In diesem Jahr hat er 170 Zünfte eingeladen, um etwa 30 von ihnen auf der Laufliste zu haben. Darüber hinaus schreibe er jedes Jahr Hunderte Mails zur Feinabsprache. Zwei Ringtreffen mit großen Umzügen in Horb hat er organisiert, eins in den 1990er-Jahren und das zweite 2010 – mit noch mal höherem Arbeitsaufwand. "Bei 1000 E-Mails hört man auf zu zählen", sagt Struck.

Er ist 60 Jahre alt. "Jetzt möchte ich mal Verantwortung abgeben." Deshalb steigt er nach dieser Fasnet aus dem Narrenrat aus. Hat er genug von der Fasnet? "Niemals! Ohne Fasnet geht’s gar nicht!"

Er will dabei bleiben und ab nächstem Jahr als Kropfer mitlaufen. Das Häs hat er schon zu seinem 40. Geburtstag vom Narrenrat geschenkt bekommen. Seither hängt es ungenutzt im Schrank.

Die Umzugsorganisation habe ihm Spaß gemacht. "Da bewegt man was", sagt er. Um genau zu sein: Tausende Maskenträger, die loslaufen, wenn Struck den Startschuss für den Umzug abgibt. Mehr als 10 000 Besucher, die zum Umzug nach Horb kommen.

"Gerhard Struck war über Jahre extrem aktiv", sagt Zunftmeister Eckard Bukenberger. Über drei Jahre habe er seinen Nachfolger bei der Umzugsorganisation, Daniel Wagner, aufgebaut, so dass seine Aufgabe weitergeführt wird. Struck sei ein angenehmer, ruhiger Zeitgenosse, dem er den Ruhestand gönne, sagt Bukenberger. "Wir wissen, der ist nicht verloren."

Doch Struck wird wehmütig sein, wenn seine letzte Fasnet als Narrenrat am Dienstag zu Ende geht. "Bei der Verbrennung werde ich weinen", sagt er. Falls der Abschied länger dauert, hat er sich vorsorglich für Mittwoch noch mal Urlaub genommen.

Seinem Nachfolger wird Struck noch einen Merksatz fürs Organisieren mitgeben: "Nach der Fasnet ist vor der Fasnet." Spätestens um Ostern herum muss der nächste Rosenmontag vorbereitet werden. Der Satz birgt auch Hoffnung für Struck selbst. Nach der letzten Fasnet als Umzugsorganisator ist vor der ersten Fasnet als Kropfer.

Strucks Markenzeichen als Narrenrat ist ein Köfferchen, das er immer mit sich herumgetragen hat. "Mein Vorgänger Helmut Reihing hat mir persönlich seinen Arztkoffer übergeben", sagt Struck über das Accessoire.

Was drin ist? Seine Unterlagen für die Umzugsorganisation, heißt es. Mancher Narr munkelt, ab und zu sei auch ein Schnäpschen draus hervorgezaubert worden. Was noch alles drin war, wird wohl das Geheimnis des Narrenrats Struck bleiben.

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