Horb a. N. Stolpersteine erinnern an Juden

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Barbara Stauchacher (links) und Heinz Högerle (rechts) vom Förderverein ehemalige Synagoge bei der Stolperstein-Legung durch Gunter Demnig. Foto: Tischbein

Horb - Zum 70. Jahrestag der Deportation von 53 Rexinger Juden 1941 nach Riga wurden am Samstag an verschiedenen Orten im Horber Stadtgebiet die ersten Stolpersteine für in der NS-Zeit ermordeten Bürgerinnen und Bürger gelegt.

Erste Station ist das ehemalige Haus der Familie Esslinger in der Gutermannstraße 7. Dort verlegt der Kölner Bildhauer Gunter Demnig die speziell zugeschnittenen Messingplatten, deren Inschriften an Viktor, Alice und Helmut Esslinger erinnern, direkt in den Bürgersteig vor ihrem letzten frei gewählten Wohnort.

Heinz Högerle, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Ehemalige Synagoge nennt die Aktion Stolpersteine eine bedeutende europäische Bewegung. Mitgewirkt haben in Horb dabei Schüler des Martin-Gerbert-Gymnasiums.

Ihre Recherchen über die Biografien der Opfer, bei denen sie auch Gespräche mit Angehörigen der Ermordeten führten, bilden die Grundlage für die Verlegung der Stolpersteine im Horber Stadtgebiet. 32.000 Stolpersteine hat Demnig seit 1993 in insgesamt 750 Städten in ganz Europa gesetzt. In Deutschland sind es mehr als 650 Städte und Gemeinden.

Der Künstler: "Zur Routine sind die Stolpersteine nicht für mich geworden. Ich freue mich über jeden Stein, der dazu kommt."

Drei Morddrohungen in elf Jahren

Das Interesse in ganz Europa sei riesengroß, besonders bei Jugendlichen. Dass die Steine nicht jedem gefallen würden, sei ihm klar gewesen, sagte er. Aber mit drei Morddrohungen in elf Jahren könne er leben. "Man fällt nicht hin, wie der Name Stolpersteine zunächst vermuten lässt", erklärte Demnig. "Man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen."

Oberbürgermeister Peter Rosenberger freute sich, dass so viele Bürger der Zeremonie beiwohnten. "Die Steine sollen zeigen, hier ist etwas passiert. Hoffentlich stolpern viele Menschen über die Steine und das, was hier passiert ist." Zum Schluss spielte Franziska Bayreuther die Cello Sonate Nr. 1 von Johann Sebastian Bach.

Unter den Zuschauern war auch Ida Klier. Ist es doch für die Horberin "ihr Haus". Ihr Schwiegervater Josef Singer kaufte es von der Familie Esslinger. Heute gehört das Haus Gutermannstraße 7 ihrer Tochter Ulrike Nagel zusammen mit Erika Willmann. In der Marktsteige 4 wurde danach ein Stolperstein zum Gedenken an Eugen Rohrer verlegt.

Weitere Steine erinnern seit Samstag vor dem Gebäude Hauptstraße 50 in Nordstetten an Mina und Sigmund Auerbacher, in Mühringen in der Graf-Gerold-Straße 63 an Klara und Max Haarburger sowie an Emma Feigenheimer, die in der Burgstraße 91 wohnte.

Zum Schluss ging es nach Rexingen, wo Stolpersteine in der Freudenstädter Straße 28 für Auguste, Martha und Simon Fröhlich und vor der Nummer 29 für Thekla, Elias und Trude Schwarz gelegt wurden. Die letzten drei Stolpersteine vor dem Haus Bergstraße 43 erinnern an Dorchen Lemberger sowie Erna und Richard Heß. In der ehemaligen Synagoge in Rexingen wurde die Ausstellung "Die Nachbarn werden weggebracht" eröffnet, die sich mit dem Leben der Juden aus Rexingen befasst, die nach Riga verschleppt wurden. Veranstalter ist der Förderverein "Ehemalige Synagoge".

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