
Von Peter Morlok
Horb. Es sind nicht immer nur die großen Events auf der Showbühne beim Festplatz, die die Besucher des Neckarblühens faszinieren, nein, oft findet man auch im hintersten Winkel der Gartenschau eine musikalische Perle.
Der Engländer Stephen Dodds, der seit Langem in Nordstetten lebt, lieferte am Samstagnachmittag auf der kleinen Freiluftbühne beim alten Freibad solch einen Auftritt ab. Der Brite, der Insidern der Szene auch als kongenialer Partner des Gitarrenzauberers Bernie Gail in der Stuttgarter Formation "Fireball" bekannt ist, stellte sich bei diesem Gig seinen Fans nur mit Akustikgitarre und Stimme vor. Das Repertoire für seine 90-Minuten-Show suchte er sich nicht aus der Kategorie "Gassenhauer" heraus. Er ließ seltene musikalische Edelsteine in einem geradezu intimen Zuhörerkonzert aufblitzen.
Er hätte es sich recht einfach manchen können, traute sich aber an Stücke, die mehr, viel mehr brauchen, als ein paar einstudierte Gitarrengriffe und über die Anlage ausgesteuerte Gesangseinlagen. Dodds ging den schweren Weg. Er suchte nach den versteckten Meisterwerken der Popgeschichte und fand sie mit dem sicheren Gespür eines Mannes, der seinen Job liebt und ihn schon lange macht.
So kramte er beispielsweise für die paar bekennenden Althippies im Publikum aus der Simon-and-Garfunkel CD "Bridge Over Troubled Water" den Song "The Only Living Boy In New York" heraus – ein Stück, das nur die wahren Fans kennen.
Als ein weiteres Beispiel für die Klasse dieses Konzertes steht der Song "One Of Us", in dem sich die Sängerin Joan Osbourne Gedanken darüber macht, ob Gott überhaupt "einer von uns" ist und wenn ja, wie er wohl aussehen würde? Wie der Nachbar im Bus? Wer weiß.
Bei den Eagles-Hits griff der englische Nordstetter nicht zur Dauerschleife des "Hotel California", sondern sang dem wunderschönen Titel "Peaceful Easy Living", und natürlich durften – wie kann es bei einem englischen Musiker anders sein – die Beatles nicht fehlen. "We Can Work It Out" war einer der Titel, die der Brite auch für die paar Landsleute im Publikum sang.
Mit seiner Stimme, die sich von bluesig rau bis in recht hohe Tonlagen über mehrere Oktaven bewegte, und dem virtuosen Gitarrenspiel holte er seine Zuhörer zu einer Zeitreise in die Hinterzimmer der Pop-Geschichte ab, die diese vielfach mit geschlossenen Augen genossen.
Das Konzert von Stephen Dodds wurde so zu einem dieser seltenen Momente, die man nicht kaufen kann, sondern die man einfach geschenkt bekommt.