Horb a. N. Stadt schafft Platz für Flüchtlinge

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Die Jugendgemeinderätin Jilian Freitag legte einen selbstbewussten Auftritt beim Horber Jahresempfang hin und hatte die Lacher auf ihrer Seite. Foto: Hopp

Horb - Der Jahresempfang der Stadt Horb drehte sich diesmal offiziell um das Thema "Jugend 2.0". Relevanter allerdings: Die Stadt kämpft mit einem Millionenpaket um den Master-Studiengang. Und der Landkreis könnte in zwei Wochen die erste Turnhalle mit Flüchtlingen belegen.

Die Hohenberghalle ist voll. Oberbürgermeister Peter Rosenbergers Sohn Paul dreht spielend seine Runden vor dem Rednerpult. Und als die Lollipops auftreten, kommen drei Kinder nach vorne und bestaunen mit gebannten Blicken, was ihre Geschwister auf der Bühne so treiben. Familiäre Stimmung. Und da, wo beim letzten Mal überlange Reden nervten, wurde der Info-Marathon diesmal immer wieder von lustigen oder ergreifenden Darbietungen durchbrochen.

Höhepunkt zum Schluss: Beim Chor der Nationen reiht sich Peter Rosenberger mit ein und hebt mit den Sängern zum Schluss die Hände und sagt: "Wenn wir uns gemeinsam an die Hand nehmen, sind wir eine Gemeinschaft, die so einiges aushalten kann." Landrat Klaus Michael Rückert klatscht begeistert mit.

Millionenkampf im Landkreis um Master-Studiengang

Der Jahresempfang. Stimmungsvoll, aber auch ernst. OB Peter Rosenberger verkündete neues beim Kampf für die Duale Hochschule. Hintergrund: Die Wirtschaft will den Hochschulcampus Nordschwarzwald unterstützen. Sie will jährlich Geld stiften, damit es einen Master-Studiengang Maschinenbau im Landkreis Freudenstadt gibt. Auch der Kreistag hat 100.000 Euro dafür genehmigt. Kreistag und Wirtschaft stellen so einen Etat von 400.000 Euro jährlich zur Verfügung.

Dem Vernehmen nach will sich auch Freudenstadt als Standort bewerben. Deshalb kämpft Horb dafür, dass auch dieser Aufbaustudiengang in die Große Kreisstadt kommt. Bisher gibt es an der Dualen Hochschule Horb nur den Bachelor-Studiengang (Abschluss, der etwa dem früheren Grundstudium entspricht.) Rosenberger: "Wir haben den Entscheidern inzwischen einen Vorschlag unterbreitet, der mehrere Millionen Euro schwer ist."

Landrat Rückert sagt dazu: "Es gibt einen Wettbewerb im Landkreis, wo der neue Hochschulcampus hinkommt. Da hält sich der Landkreis heraus."

Dafür machen ihm die Flüchtlinge zunehmend Sorgen. Rückert verkündet: "Wir stehen kurz vor der ersten Hallenbelegung im Landkreis." Die letzte Woche mit der überraschenden Gerichtsentscheidung gegen die Belegung des Sattelacker Hofes habe schon dazu geführt, dass er die Belegung der Freudenstädter Stadionhalle vorbereitet hatte. Das Rote Kreuz und Helfer seien schon alarmiert gewesen. Kurzfristig habe man noch andere Lösungen gefunden.

Doch das könnte beim nächsten Flüchtlingsbus, der vom Land in den Landkreis geschickt wird, vorbei sein. Rückert sagt im Gespräch mit unserer Zeitung am Rande des Jahresempfangs: "Die Kapazität an freien Unterkünften im Landkreis geht gegen Null. Diese Woche kommt wahrscheinlich kein neuer Bus. Aber nächste Woche. Zwar haben wir noch ein paar Optionen bei Wohnungen, die wir noch herrichten müssen. Aber je nachdem, wann die neuen Flüchtlinge kommen, kann es knapp werden."

Deshalb sei Horb jetzt mit der "Zwei plus Eins"-Lösung (zwei Gebäude auf dem Hohenberg, eins an der Altheimer Straße) dran. Zu den Bedenken der Anwohner auf dem Hohenberg sagt der Landrat mit deutlichen Worten: "An meinem Wohnort Loßburg backt die Nachbarin, die am meisten Angst vor der neuen Unterkunft hatte, jetzt Kuchen für die Flüchtlinge. So wird es auch auf dem Hohenberg sein. Wir sind ein weltoffener Landkreis!"

Rosenberger fordert Transparenz bei Debatte um Klinik-Neubau

Ernste Themen. Wie auch der Krankenhaus-Neubau, der 100 Millionen Euro kosten soll. Oberbürgermeister Rosenberger sagt in aller Deutlichkeit in Richtung Landrat: "Es wird seitens des Kreises viel Transparenz und Überzeugungskraft nötig sein, um uns von einer Investition von annähernd 100 Millionen Euro am Standort Freudenstadt zu überzeugen. Wir als Stadt können es uns nicht leisten, und andere Städte und Kommunen im Landkreis stehen finanziell noch erheblich schlechter da."

Landrat Rückerts Antwort an Rosenberger: "Das Thema Krankenhaus zu behandeln, wäre jetzt abendfüllend. Selbstverständlich wird es zwei breite Info-Veranstaltungen für die Bevölkerung vor dem endgültigen Kreistags-Beschluss geben."

Auch zur Hochbrücke und der Straßenverbindung zwischen Horb und Freudenstadt gibt es Neues. Landrat Rückert sagt hierzu: "Ich höre positive Signale von Norbert Barthle, dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Der Bahnübergang Seewald und die geplanten Umstufungen der Bundesstraßen scheinen auf einem guten Weg zu sein. Auch für den Nachbarlandkreis eine gute Nachricht: Egal, ob vorne ein B oder ein L steht - Hauptsache, der Stau hört auf."

Positive Signale aus Berlin für Straßenprojekte

Barthle hatte sich im Sommer selbst ein Bild vom Bahnübergang Seewald gemacht. Hier soll eine Brückenlösung die Engstelle beseitigen. Der Bund will dafür eine Bundesstraße im Landkreis Calw zur Landesstraße abstufen. Die dortigen Politiker hatten sich dagegen gewehrt (wir berichteten).

Gut, dass Jillian Freitag, Vorsitzende des Jugendgemeinderates, den Jahresempfang nach diesen Neuigkeiten mit selbstbewussten Ansagen auffrischt. Freitag: "Wir haben uns nicht eingebracht. Wir haben uns eingemischt. Und das teilweise lauter, selbstbewusster und bedeutender, als von den meisten zu Beginn unserer Amtszeit erwartet."

Frech dann folgende Aussage: "Bei uns muss nicht jeder noch zehn Mal das sagen, was der Redner vor ihm bereits erwähnt hat. Und wenn ich es Ihnen mal so sagen darf: da sind wir dem erwachsenen Gremium um Jahre voraus.“ Gelächter in der Hohenberghalle.

Die Jugendgemeinderätin hat umfangreiche Erfahrungen gesammelt, denn sie hat in den vergangenen Monaten einigen Sitzungen des Horber Gemeinderats beigewohnt. Auch der letzte Satz von ihr ist noch mal selbstbewusst: "Wir haben es euch zu oft so was von gezeigt!"

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