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Horb a. N. Souvenirs gerne, nur nichts Müffelndes

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Von Lena Müssigmann Horb. Was heute in der Hohenberghalle versteigert wird, gleicht der sprichwörtlichen Katze im Sack: Koffer und Taschen, die auf dem Gepäckband der Lufthansa liegen geblieben sind, kommen ab 12 Uhr unter den Hammer. Was drin ist? Weiß nicht einmal der Auktionator. Die Veranstaltung in der Hohenberghalle hat den Wert einer großen Unterhaltungsshow: Karl Dall hatte in den 1990er-Jahren eine Sendung auf Tele5, in der die Kandidaten vergessene Koffer ersteigern und den Inhalt einem neugierigen Publikum vorführen mussten. Als größtes anzunehmendes Unglück galt: benutzte Unterwäsche.

Auszuschließen ist das auch bei der heutigen Versteigerung in Horb nicht. Alles ist möglich, fast alles. "Verderbliche Waren, Waren mit persönlichem Bezug und Zollware werden aussortiert", teilt die Lufthansa auf Nachfrage mit. Nach drei Monaten Wartezeit kommen herrenlose Koffer in die Versteigerung.

Auktionator Martin Clesle hat beim Inhalt schon alles gesehen: Anzüge eines Geschäftsreisenden oder der knappe Bikini einer Urlauberin, geschnitzte Holzmasken aus Afrika oder eben die schmutzige Wäsche. Vorausgesetzt, die Leute öffnen den Koffer noch vor Ort.

Früher gab es solche Versteigerungen nur in großen Städten, bevorzugt am Flughafenstandort Frankfurt. Der Herbolzheimer Clesle hat sich vor zweieinhalb Jahren einen ersten Versteigerungsauftrag von der Lufthansa geholt und tourt seither mit diesem Kuriosum durch Süddeutschland.

Für Horb hat er 350 bis 400 Versteigerungs-Positionen angekündigt. Die Ware kann von 10 bis 12 Uhr besichtigt werden, dann startet die Auktion. Übrigens wie eine gute Fernsehsendung mit einer Eröffnungsmelodie: dem Koffer-Hoffer-Song. "Ich hätt’ gern einen Koffer / denn ich bin Koffer-Hoffer / vielleicht auch noch ‘ne Kamera / davon sind auch noch hübsche da / oder doch ein Telefon / mit ‘nem super Klingelton", heißt es in dem schwungvollen Hit, der einen fast schon zu früh voller Vorfreude die Bieternummer zücken lässt.

Die Versteigerung sei ein Glücksspiel, das man nicht zu verbissen angehen dürfe. "Man sollte nicht mit der Erwartung hingehen, dass man sich danach den Kleiderschrank neu füllen kann." Das Publikum sei bunt gemischt, viele setzten sich ein Limit, als ob sie ins Kasino gingen. "Der Reiz liegt darin, dass manche Koffer Schätze enthalten, Souvenirs zum Beispiel. Die Lufthansa ist ja auch kein Billigunternehmen", sagt er, deshalb sei mit eher wertigen Gegenständen im Gepäck der Kunden zu rechnen. Der Kaufrausch ist nicht allzu schwer vorstellbar.

Für Martin Clesle bedeutet die Auktion höchste Konzentration, seine Schlagzahl ist hoch: 100 Stücke pro Stunde versteigere er. Das sind weniger als 36 Sekunden pro Teil. Wer mitbieten will, muss auf Zack sein.

Wie der Koffer-Hoffer-Song schon verheißt, werden auch Elektronikartikel versteigert, die im Flugzeug vergessen wurden: "iPads, iPods, Kameras", zählt Clesle auf. Das Startgebot für ein älteres iPad liege bei ungefähr 80 Euro, für neuere Versionen bei 180 Euro. Auch Kinderbaggys gehören zur Auktionsware.

Das Startgebot für Gepäckstücke macht Clesle am äußeren Zustand fest. "Das sind normal so zehn bis 30 Euro, je nach dem, ob der Koffer kaputt oder ganz ist. Bei einem Markenkoffer können es auch mal 50 Euro sein", sagt er. Dann gibt es noch von der Lufthansa gepackte Überraschungsboxen. Drin sei mal was zu lesen, mal Elektronik und Textilien. Je nach Größe der Box geht es bei 40 bis 70 Euro los.

Die Lufthansa verdient mit der Versteigerung nach eigenen Angaben kein Geld. Das Unternehmen teilt auf Anfrage mit: "Durch verlorenes Gepäck entstehenden zusätzliche Kosten, die im Regelfall die bei den Auktionen erlösten Mittel übersteigen." Ein Zuschussgeschäft also.

So unterschiedlich der Inhalt der Koffer auch ist, sagt Clesle, sei ein Gegenstand heute in so gut wie jedem enthalten: ein Handy-Ladegerät. Ob es passt, ist wie die ganze Sache, ein Glücksspiel.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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