Horb a. N. Sind Ritterspiele noch zu retten?

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Das perfekte Bild des Turnierritters – für die Helfer hinter den Kulissen bedeutet es viel Arbeit. Foto: Hopp

Horb - Die Auflösung des Rittervereins –­ sie wurde mit 24 Ja-Stimmen, vier Enthaltungen und acht Gegenstimmen am vergangenen Donnerstag beschlossen. Und damit haben Stadtoberhaupt Peter Rosenberger und der Gemeinderat ein großes Problem: Wie kann das Aus der Ritterspiele verhindert werden?

Beim Presseg espräch gab sich OB Rosenberger optimistisch: "Die Ritterspiele 2017 werden stattfinden. Wir wissen aber noch nicht, wie wir als Stadt jetzt konkret reagieren werden und sollen."

Das Aus für den Ritterspielverein nach 20 Jahren. Der Schwarzwälder Bote hatte exklusiv berichtet. Auch für MPS als Veranstalter der Ritterspiele ist das ein herber Schlag.

Geschäftsführer Jürgen Wünsche: "Wir müssen jetzt einen Weg suchen, dass es weitergeht. Der Beschluss zur Auflösung des Rittervereins hat uns sehr getroffen. Der Verein hat viel geleistet und Herzblut in die Ritterspiele gebracht."

Doch warum hat sich der Ritterspielverein überhaupt aufgelöst – ­20 Jahre nach der Gründung?

Benjamin Breisinger, zuletzt Vorsitzender: "Anfang Dezember hat es eine Mitgliederversammlung gegeben, bei der es Signale gab, dass die meisten der 41 Aktiven von Anfang an dabei waren. Alle sind 20 Jahre älter geworden und müde von der Arbeit." Aufgrund dieser Müdigkeit schaffe man es nicht mehr, die Vertragsbestandteile, die MPS zugesagt wurden, zu erfüllen.

Breisinger zählt auf, dass allein die zehn Organisationsräte des Ritterspielvereins 500 bis 600 Stunden jährlich damit beschäftigt sind, die Spiele vorzubereiten: "Während der Veranstaltung hast Du dazu noch 60 bis 70 Stunden gearbeitet."

Dazu gehört der Auf- und Abbau von Kulissen und Requisiten, der Aufbau des Turnierplatzes, des Lagers, das Kinderprogramm, die Auswahl der Händler. Dazu noch die Aufführung des Horber Vertrags, der Umzug und die Rittermahle – die könnten jetzt, so Breisinger, auf der Strecke bleiben.

Wünsche bekräftigt: "Die Aufführung des Horber Vertrags und die Rittermahle gehören mit dazu. Es ist jetzt unsere Aufgabe, das Herzblut wieder hinzukriegen." Auch er war bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Auflösung dabei. Wünsche: "Das Ehrenamt wird immer schwieriger. Wir haben die Müdigkeit des Rittervereins bei den letzten beiden Malen schon gemerkt – ­die Liebe zum Detail ist ein bisschen auf der Strecke geblieben. Wenn man das so lange gemacht hat, ist man irgendwann platt."

Immerhin, so der ehemalige Vereinsvorsitzende Breisinger, sei die Laienspieltruppe bis auf den König (Steffen Wilde) und noch einen Protagonisten bereit, auch 2017 wieder aufzutreten. Er geht davon aus, dass mindestens acht der Aktiven aus dem Ritterverein zu "neuen Konditionen" auch bereit sind, bei den zukünftigen Ritterspielen weiter zu machen. Auch Wünsche von MPS sieht ein Potenzial von "acht bis zehn Ehrenamtlichen. Ich hoffe darauf."

Ist der Ritterverein damit endgültig am Ende?

Breisinger: "Es wurde über eine neue Struktur diskutiert – eine Art Brauchtumsverein. Da stecken wir aber noch in den Kinderschuhen."

Doch wie geht es jetzt weiter mit den Ritterspielen?

OB Rosenberger: "Wir sind zuversichtlich, dass die Ritterspiele in Horb eine Zukunft haben." Wünsche: "Wir kriegen es auf jeden Fall hin, die Ritterspiele in diesem Jahr so wie die letztes Jahr zu machen. Da sehe ich keine Gefahr drin. Für uns ist jetzt wichtig, nachdem der Ritterverein weggefallen ist, mit der Stadt als Ansprechpartner über die Konzeption zu reden. Die Ritterspiele komplett auf dem Festplatz und dem Flößerwasen zu machen – dieser Gedanke hat bei uns nie eine Rolle gespielt. Wir wollen den Marktplatz mit dabei haben –­ wir wollen dorthin zurück. Das ist ein Element, was zu den Ritterspielen dazugehört."

Und damit wird es doppelt kompliziert: Schon im vergangenen Jahr hatten MPS und der Ritterverein dem Rathaus eine Konzeption für die Wiederbespielung des Marktplatzes vorgelegt. Wünsche: "In dieser Konzeption wurden auch wirtschaftliche Auswirkungen hinterlegt. Hinter jeder neuen Maßnahme hänge eine Kostenstruktur. Um den Marktplatz erfolgreich zu machen, müssen wir dort Attraktivität bieten. Die müssen wir ohne den Ritterverein jetzt einkaufen."

Doch um welche Summen geht es dabei? Wie viel muss die Stadt mehr hinlegen, um die neuen Ritterspiele mit Marktplatz ohne Ritterverein zu machen?

Bisher hatte die Stadt "Rittermahle" im Wert von 5800 Euro vom Verein gekauft. Rosenberger: "Das haben wir genutzt, um unsere Gesprächspartner einzuladen und auf die Ritterspiele aufmerksam zu machen. Mit großem Erfolg." Dazu hat es noch 10 000 Euro Extra-Zuschuss gegeben.

Und jetzt? Wie teuer kann das werden? Rosenberger: "Das Engagement des Rittervereins können wir nicht eins zu eins ersetzen. Deshalb sind die Zahlen, die MPS im Herbst vorgelegt hatte, hinfällig."

Wird das Stadtmarketing jetzt abgestellt, bei den Ritterspielen mitzumachen?

Rosenberger: "Das kann das Stadtmarketing nicht nebenbei machen. Entweder gibt es mehr Personal oder man muss an anderer Stelle abspecken. Auch bei einem vermehrten Bauhof-Einsatz spielt diese Überlegung eine Rolle: Wird woanders gekürzt oder muss personell aufgestockt werden? Angesichts des Vorwurfs, dass der Bauhof in den Ortschaften zu wenig präsent ist, nicht einfach." Immerhin sei die jetzige Haushaltslage so gut, dass man durchaus noch Kapazitäten hätte. Noch vor der Jahreswende hatte er über das Thema "Auflösung des Rittervereins" mit allen Fraktionschefs im Gemeinderat gesprochen.

Rosenberger: "Ende Januar werden wir das Thema ernsthaft im Gemeinderat diskutieren. Wir werden dabei auch abprüfen, ob alle, die immer die Ritterspiele wieder auf dem Marktplatz haben wollten, auch bereit sind, dafür Konsequenzen zu ziehen."

Das Stadtoberhaupt erwartet eine Grundsatzdebatte. Rosenberger: "Es geht auch um die Frage, ob das Rathaus immer einspringen kann, wenn die ehrenamtlichen Strukturen wegfallen. Also die Frage, ob die Stadt jetzt auch noch bei den Ritterspielen einspringen muss." Durch den Einsatz des Rittervereins sei es möglich gewesen, durch "sehr wenig städtisches Geld" eine Veranstaltung zu haben, die über die Region hinaus hin strahle.

Ob die Ritterspiele 2017 – selbst wenn die Stadt mehr Geld gibt –­ wieder auf dem Marktplatz sein werden?

Rosenberger: "Die Zeit ist knapp. Wenn wir das 2017 nicht mehr hinkriegen, dann sollten wir im nächsten Jahr soweit sein." Dazu wiesen er als Stadt Horb als auch Jürgen Wünsche die Kritik von Manfred Bok zurück, dass die Politik das Ehrenamt immer mehr erschwere.

Wünsche: "Von Seiten der Stadt Horb gibt es keine Auflagen, die uns einschränken. Die inzwischen erforderlichen Sicherheitskonzeptionen sind eine Folge von Duisburg –­ für diese Auflagen kann die Stadt nichts." OB Rosenberger: "Ich will auch nicht wissen, was der schreckliche Lkw-Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt für Auswirkungen auf Bundes- oder Landesregeln haben wird, die wir befolgen müssen."

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