Horb a. N. Seine Philosophie: Auf die Straße gehen

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Das neue Gesicht an der Spitze der Caritas in Jotn: Rüdiger Holderried Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Der neue Caritas-Chef Rüdiger Holderried ist ganz schön fit: Täglich pendelt der Vater von drei Kindern mit dem Fahrrad zwischen Bildechingen und Horb. Fahrrad, wie gesagt, nicht E-Bike!

Horb. Gestern wurde der Nachfolger von Erwin Reck offiziell im Para-Dios in der Neckarstraße vorgestellt. Johannes Sipple, Fachleiter Soziale Hilfen vom Caritas Schwarzwald Gäu aus Böblingen: "Wir sind gottfroh, dass wir den Holderried jetzt im Haus haben. Es war für uns knapp anderthalb Jahre ein großes Thema, als es darum ging, die Nachfolge von Erwin Reck zu regeln."

Rüdiger Holderried. Geborener Bildechinger. Studium der Soziologie in Tübingen auf Lehramt. Doch die Sozialarbeit lockte ihn mehr. Nach drei Jahren im Schloss Börstingen wechselte der Katholik dann zur Diakonie nach Freudenstadt. Machte dort Suchtberatung und Jugendhilfe.

Doch als die katholische Caritas in Horb anklopfte, lockte dass Holderried mehr. Sipple: "Wir sind der Diakonie sehr dankbar, dass der Wechsel so reibungslos gelaufen ist." Deshalb steht auch der neue Caritas-Leiter gleich in Persona für eine neue Zusammenarbeit zwischen den evangelischen und den katholischen Einrichtungen.

Sipple: "Weil der Holderried Familienvater ist, benötigte er eine 100 Prozent Stelle. Reck hatte nur 60 Prozent. Deshalb haben wir ihn gleich in der mobilen Jugendarbeit mit eingesetzt." Hier starten Caritas und die Erlacher Höhe (protestantisch) eine neue, mobile Jugendarbeit in Horb. Holderried: "Für mich ist das auch ganz wichtig, gleich Verbindung zur Basis zu bekommen. Heute Abend gehe ich gleich mit dem Kollegen zum Mitternachtssport."

Seit dem 15. September arbeitet sich der neue Caritas-Leiter ein. Und was sind die ersten Hauptaufgaben? Holderried: "Die Büroräume hier sind einfach zu eng. Man kann hier zwar beraten, aber leider sind die Räumlichkeiten nicht so abgeschlossen, dass man hier auch mal Tränen vergießen kann. Deshalb ist die Raumsuche die erste Hauptaufgabe. Und wenn dann noch genug Platz ist für eine Vergrößerung des Tafelladens – das wäre auch gut."

Könnte auch das Para-Dios aus der Neckarstraße oder der Kernstadt verschwinden? "Es wäre natürlich auch eine Option, das Par-Dios mitzunehmen. Allerdings: Wir werden dieses Zentrum auf jeden Fall in der Kernstadt halten – mitten unter den Menschen." Sein Chef Sipple: "Wir werden nicht auf den Berg hochgehen!"

Der neue Caritas-Leiter betont: "Meine Philosophie ist: Auf die Straße zu gehen, damit man mich wahrnimmt. Dazu möchte ich erst einmal die Nase in Horb in den Wind halten. Beobachten und wahrnehmen, damit ich einen Überblick bekomme."

Deshalb sieht er es als zweite große Aufgabe, die Liefersituation im Tafelladen zu verbessern. "In der Woche der sozialen Gerechtigkeit werden wir im Real-Markt auftauchen." Dort können die Kunden Tüten für die Ärmsten im Tafelladen packen und dort lagern. Die werden dann abgeholt."

Denn das Armutsthema, welches seinen Vorgänger Erwin Reck so bewegte, hat für Holderried ebenfalls eine wichtige Dimension: "Armut kann man langfristig nur über Bildung bekämpfen. Auf der Straße habe ich oft gehört, dass die Leute nichts zu essen haben. Auch die Wohnungssituation ist ein Thema." Gerade Hartz IV-Empfänger bekämen Geld abgezogen, wenn die Miete höher als der Regelsatz sei.

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