Horb - Am Dienstag, 13. November, fiel dem Schwarzwälder Boten gegen 14 Uhr auf, dass der Behindertenparkplatz im "Kaiser" stellenweise nur 1,60 Meter hoch ist. Laut ADAC "absolut nicht behindertengerecht". 16 Tage später, um 14.58 Uhr, wird dort das Rollstuhl-Zeichen auf dem Boden übermalt.

Der Parkhaus-Test des Schwarzwälder Boten, der erhebliche Mängel im Parkhaus Kaiser aufdeckte, hat dazu geführt, dass das Rathaus blitzschnell handelt.

Das Parkhaus Kaiser am Donnerstag. Bürgermeister Jan Zeitler schaut sich an, wie sich die Rollstuhlfahrerinnen Caren Totzauer und Siska Teichert-Van der Ploeg im alten Behindertenparkplatz mit dem VW Touran abquälen. Totzauer hat links zwar genug Platz, um den Rollstuhl auszuladen, doch Teichert Van-der Ploeg kommt rechts kaum aus der Tür.

Dann fahren beide in den Parkplatz daneben mit der Nummer 15 und 16. Zeitler hält der Rollstuhlfahrerin die Tür auf, auch ihre Begleiterin kommt locker aus dem Auto. Beide heben den Daumen: "Der Parkplatz hier ist perfekt. Der ist sogar für Autos geeignet, die ein Verladesystem für Rollstühle haben, die vom Rücksitz oder Kofferraum ausgefahren werden können!" Auch Behindertenbeauftrager Hermann Knechtle lächelt. Die Maler von 2K fangen sofort an, am alten Parkplatz die Rollstuhl-Zeichen zu übermalen.

Umsetzung eventuell schon bis Ende des Jahres

Bürgermeister Zeitler, Markus Stehle von den Stadtwerken und Parkhaus-Hausmeister Hans Schulz stehen derweil an der Ausfahrt. Caren Totzauer zeigt, wie mühsam der Bordstein zum Parkscheinautomaten überwunden werden muss. Hausmeister Schulz sagt: "Hier muss man die Pflasterung rausnehmen und auf 50 Zentimeter eine Schräge reinbringen. Vorne an der Rundung auch."

Bürgermeister Jan Zeitler: "Der Auftrag ist schon an den Bauhof raus. Vor dem Weihnachtsmarkt werden die das nicht mehr schaffen. Aber möglicherweise kann das noch bis Ende des Jahres umgesetzt werden."

Damit dürfte das "Kaiser" zumindest im Erdgeschoss bald barrierefrei sein. Der Parkhaus-Test des Schwarzwälder Boten hatte auch aufgedeckt, dass es in Horb keine Familienparkplätze gibt. Auch hier will man im "Kaiser" handeln. Hausmeister Schulz: "Bei den Frauenparkplätzen im Erdgeschoss kann man aus zwei Stellplätzen einen Familienparkplatz machen. Also einen Parkplatz, der breit genug ist, damit Kinderwagen bequem ausgeladen werden können." Bürgermeister Zeitler: "Spätestens, wenn das Parkhaus Wintergasse im nächsten Jahr eröffnet wird, haben wir genug Kapazität, um die Familienparkplätze im Kaiser einzurichten."

Auch der Eingang soll neu geweißt werden, und an der Decke sind LED-Lichter geplant. Zeitler: "Die Eingangssituation soll freundlicher gestaltet werden."

Der Ortsermin mit dem Rollstuhl-Test war nur der Auftakt für eine neue Offensive von Zeitler, Horb barrierefrei zu machen. Er sagt: "Bei jeder zukünftigen Baumaßnahme werden wir solche Termine wiederholen, damit sichergestellt wird, dass Horb in Zukunft barrierefrei wird." Das wird nicht nur vom Behindertenbeauftragten Hermann Knechtle begrüßt, sondern auch von Rollstuhlfahrerin Caren Totzauer: "Vor der Sanierung des Hallenbades ist das nicht passiert. Das führt dazu, dass ich durchs ganze Bad fahren muss, meine Sachen irgendwo im Bad ablegen muss und hinterher nach dem Duschen noch das Umkleide-Problem habe. Theurer hat damals getobt, als ich ihm das demonstrierte."

So etwas soll in Zukunft, so verspricht Zeitler, nicht mehr passieren. Der Bürgermeister: "Angesichts der Tatsache, dass die Bevölkerung immer älter wird und immer mehr auf Rollatoren oder den Rollstuhl angewiesen sein könnten, wird die barrierefreie Stadt ein Dauerthema bleiben, um das wir uns intensiv kümmern werden." Und auch der alte Behindertenparkplatz kann zum "Zukunftszeichen" werden. Wie der Schwarzwälder Bote erfuhr, wird gerade überlegt, eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach des Parkhauses zu montieren. Hausmeister Schulz: "Dann könnte bei diesem Parkplatz eine Steckdose hin als Ladestation für Elektro-Fahrzeuge."