Horb a. N. Neuer Ruhewald soll idyllisch werden

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Foto: Zucchi Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Jürgen Lück

Erinnern Sie sich noch an die Aufregung um die Urnenstelen auf dem Friedhof in Horb, die nicht gerade nach jedermanns Geschmack waren (wir berichteten)? Beim neuen Ruhewald in Nordstetten soll dieser Fehler vermieden werden.

Horb. Anja Schneider stellte die endgültigen Planungen am Dienstag im Gemeinderat vor. Der Ruhewald, wie ihn zuerst der damalige Gemeinderat Michael Laschinger (CDU) gefordert hatte, soll ein echtes Schmuckstück werden: mit Sonnenscheinlichtung, Ruhewiese, einer Skulptur von dem Dettinger Bildhauer Josef Nadj und einem drei Meter hohen Holzkreuz am Eingang.

Bestattungs-Plätze sind religiös inspiriert

Das hatte Rep-Gemeinderat Martin Raible gefordert. Denn: Auf der Skulptur von Nadj, die am Aussegnungsplatz inmitten von Bäumen und Bänken stehen wird, ist keine religiöse Symbolik aufgebracht. Auf dem Entwurf von Nadj – zwei Quader durch einen zierliches Rechteck verbunden – ist auf dem oberen Stein noch ein schwarzes Rechteck gezeichnet. Das erinnert beispielsweise Gemeinderat Joachim Milles (FD/FW) an ein Kreuz. Doch Nadj will die Skulptur anders ausarbeiten: "Der große Block mit der konkaven Einwölbung symbolisiert mit seiner Massivität das abgeschlossene Leben. Die Rückseite wird fast unbehauen bleiben, um zu zeigen, dass das Leben nicht geradlinig läuft, sondern Umwege und Hindernisse hat. Dazwischen ein Keil aus schwedischem Granit. Er trennt die Seele vom Körper. Der keilförmige Bereich oben verjüngt sich. Auf religiöse Symbole habe ich bewusst verzichtet. Weil der Glaube an die Auferstehung in vielen Religionen da ist." Allerdings kann man ein Kreuz auf die Skulptur an die Urne stellen.

Auch die Bestattungs-Plätze rund um die Bäume sind religiös inspiriert: Zwölf Urnen passen rund um die Eichen, Rotbuchen, Hainbuchen, Linden oder Waldkirsche sind nach den Himmelsrichtungen angeordnet: Zwölf ist ganz im Norden, sechs im Süden, drei im Osten und neun im Westen. Die Zahl zwölf steht einmal für die biblischen Stämme Israels, die Jünger Jesu.

Die Schilder für die Verstorbenen sind 8,5 mal 12 Zentimeter groß – damit auch zwei Zeilen Text draufpassen sowie Kreuz, betende Hände oder andere Symbole. Für Fehl- oder Totgeburten und Kinder bis 18 Jahre ist am nördlichen Eingang zunächst die 1500 Quadratmeter große Sonnenscheinlichtung. Eine Art Schneckenhaus trennt hier die trauernden Eltern von neugierigen Blicken ab, eine Murmelbahn sorgt hier dafür, dass sich die anderen Kinder still beschäftigen können.

Für Frauenärztin Margarethe Rebholz (FD/FW), die sicherlich das Leid von solchen Müttern intensiv kennt, ist die Sonnenscheinlichtung "hervorragend. Ein geschützter Platz für Eltern von Totgeburten ist eine hervorragende Idee. Ich freue mich, dass so etwas hier möglich ist."

Doch kommt der neue Ruhewald überhaupt ins Laufen? FD/FW-Fraktionschef Alfred Seifriz: "Ich hoffe, dass wir anders als bei den vielen Friedhöfen, die in der Vergangenheit immer erweitert wurden, nicht noch einen weiteren Zuschussbetrieb errichten."

Stadt-Mitarbeiterin Schneider, jetzt zuständig für das Friedhofswesen: "Ich bin da relativ optimistisch. Wir haben inzwischen schon vier Anmeldungen für Urnen." Bereits jetzt gehen 20 Bestattungen aus Horb nach auswärts, weil es keinen Ruhewald gibt. Die Nachfrage nach "pflegeleichten Gräbern" wie Rasen ist in den vergangenen Jahren um zwei Prozent gestiegen, die Bestattung in den Urnenstelen hat sich im selben Zeitraum vervierfacht. Die Zahl der Feuerbestattungen ist in den vergangenen fünf Jahren um zehn Prozent angestiegen, so Schneider. Und noch ein Argument sieht sie für den neuen Ruhewald: Bisher ist eine gemeinsame Bestattung beispielsweise von Ehepartnern nur möglich, wenn der Hinterbliebene mindestens 65 Jahre alt ist. Beim Ruhewald gibt’s diese Regel nicht.

Lohnt sich Investition von 120 000 Euro?

Doch lohnt das die Investition von 120 000 Euro und den Unterhalt von jährlich gut 60 000 Euro? Schneider: "Bei 15 Fällen aus Horb und 60 von auswärts jährlich hat sich das in sieben Jahren amortisiert."

Allerdings: Auch das Finanzamt hält beim Ruhewald die Hand auf. Bürgermeister Jan Zeitler: "Inzwischen werden die Ruhewälder von der Oberfinanzdirektion massiv angegangen. Sie macht es daran fest, dass das kein Friedhof ist, sondern eine forstwirtschaftliche Fläche. Alles, was dort angeboten wird, unterliegt der Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent!" Geraune unter den Gemeinderäten.

Trotzdem wurde dem Ruhewald mehrheitlich zugestimmt. Lediglich Rodolfo Panetta (Rep) enthielt sich der Stimme.

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