Horb a. N. Messerstecher war bereits vor Tat auffällig

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Im Kaufland in Horb wurde ein Mann niedergestochen. Foto: Geideck

Horb - Hätte die Messerattacke im Horber Kaufland verhindert werden können? Der Tatverdächtige Markus H. (Name von unserer Redaktion geändert) ist psychisch krank und schon öfter in der Stadt aufgefallen. Behörden waren über den Mann informiert.

Anwohner der Bruderhaus-Diakonie in Horb haben schon öfter Probleme mit Markus H. gehabt. Er soll beleidigt und rumgepöbelt haben. Auch Autos habe er beschädigt, wird erzählt. Nicht nur Anwohner und Passanten sollen von ihm verbal attackiert worden sein, sondern auch andere Patienten der Bruderhaus-Diakonie. Doch es gibt auch die andere Seite von Markus H. Er habe sogar bei der Horber Vesperkirche mitgeholfen und soll eine soziale Ader haben.

War der Mann, der die ambulanten Dienste der Bruderhaus-Diakonie in Anspruch nahm, trotzdem eine tickende Zeitbombe? So berichten es zumindest einige Anwohner im Bereich Mühlgässle. Deshalb versuchen sie seit Jahren beim Landkreis eine geschlossene Unterbringung durchzusetzen. Das sei bisher immer abgelehnt worden, erzählt uns ein Anwohner.

Bruderhaus-Diakonie sieht sich nicht in der Verantwortung

Laut Informationen unserer Zeitung ist auch die Polizei verzweifelt: Sie sollen ihn nach seinen gewalttätigen Ausbrüchen immer wieder festgenommen haben, hätten ihn aber wegen "mangelnder Schuldfähigkeit" nach einer Nacht wieder auf freien Fuß setzen müssen.

Die Bruderhaus-Diakonie weist im Gespräch mit unserer Zeitung jegliche Verantwortung von sich. "Wir sind kein gesetzlicher Betreuer, sondern wir sind als ambulanter Dienst für diesen Mann tätig", sagt Sabine Steininger, die die Leitung Stiftungsmanagement Kommunikation in der Bruderhaus-Diakonie inne hat. Sie hätten gar keine Möglichkeit, in Bezug auf eine Zwangseinweisung tätig zu werden. Beschwerden und Vorkommnisse habe man stets an die Polizei und auch an das Kreissozialamt weitergegeben, so Steininger. Der 36-Jährige sei voll geschäftsfähig, habe keinen Betreuer und habe bisher für sich selbst entschieden. Zwar habe der Mann einen Klinikaufenthalt gehabt, aber selbst entschieden, diesen nicht fortzusetzen.

Hätte denn überhaupt die Möglichkeit bestanden, Markus H. zwangseinzuweisen? Polizei, Amt oder ein Betreuer könnten dann sofort einweisen, wenn eine Eilbedürftigkeit festgesellt werden würde. Dann hätte nachträglich eine richterliche Genehmigung eingeholt werden müssen.

Bis zur Messerattacke wurde wohl bewertet, dass das, womit der Tatverdächtige bisher auffällig wurde, noch nicht für eine Zwangseinweisung reicht. Das Landratsamt wurde gestern Mittag von unserer Zeitung angefragt, gab aber bis Redaktionsschluss noch keine Antwort.

Nach der Messerattacke ist dieser Schritt nun geschehen. Markus H. wurde in eine Fachklinik eingewiesen. Die Polizei zieht auch eine direkte Verbindung zur psychischen Erkrankung des Mannes. Er habe offensichtlich "in diesem Zustand auf seinen Bekannten eingestochen". Das Opfer des Messerangriffs befindet sich laut Polizei zum Glück nicht mehr in Lebensgefahr und auf dem Weg der Besserung.

Wasser auf die Mühlen bekommen nun auch diejenigen, die sich bereits Sorgen um die Ansiedlung einer neuen Einrichtung der Bruderhaus-Diakonie auf dem Hohenberg in Horb gemacht haben. Im Horber Gemeinderat hatte FD/FW-Stadtrat Daniel Wochner Sorge geäußert.

Debatte im Horber Gemeinderat gewinnt wieder Aktualität

Sein Haus befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Gemeinde-Psychiatrischen Zentrum der Bruderhaus-Diakonie im Mühlgässle. Wochner berichtete damals: "Ich habe nebenan eine Person wohnen, die schon massive Sachschäden an meinem Eigentum angerichtet hat. Das bekommt man nicht in den Griff. Bei solchen Problemen gibt es keine Reaktion von der Bruderhaus-Diakonie. Da müssen wir dann leider die Polizei einschalten." Wochner fragte nach, wie das dann auf dem Hohenberg ablaufen würde. Dort soll "Wohnen und Tagesstruktur für Menschen mit Behinderung in Horb" am Nordring entstehen. Ein 4,15 Millionen Euro-Invest mit Wohngruppe für 24 geistig Behinderte mit teilweise geschlossener Unterbringung.

Die drei Vertreter der Bruderhaus-Diakonie zeigten sich damals sichtlich betroffen von Wochners Worten. Wolfgang Welte, Geschäftsführer der Bruderhaus-Diakonie, sagte: "Auf dem Hohenberg planen wir eine stationäre Einrichtung. Dort sind 24 Stunden am Tag Fachkräfte präsent. Das macht die Begleitung einfacher. In ambulanten Situationen wie im Gemeinde-Psychiatrischen Zentrum ist so etwas schwieriger. Dort fallen die Klienten im Gemeinwesen in anderer Form auf." Gerade der letzte Satz hat seit Dienstagnachmittag einen neuen, erschreckenden Klang bekommen.

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