
Kreis Freudenstadt - "Meine Welt – Deine Welt – Eine Welt" – unter diesem Motto stand der Eine-Welt-Aktionstag, der am Samstag auf der Horber Gartenschau stattfand.Das Angebot der teilnehmenden Initiativen hielt sich im übersichtlichen Rahmen, da lediglich die Garküche "Mundo do Amor" von Kobna Anan, die Shamwari Trading aus Alpirsbach sowie die Haiti-Hilfe Schramberg und die Eine-Welt-Hilfe aus Rottweil sich mit Einzelständen beteiligten. Diese wurden dann auch nicht auf die Neckarwiese ausgelagert, sondern ins Zentrum des Neckarblühens, den Festplatz, gestellt. Die interessierten Besucher erfuhren bei der Podiumsdiskussion, an der Landrat a. D. Peter Dombrowsky, der nigerianische Pfarrer Charles Okereke, Rainer Schach, Mediziner und Burundi-Engagierter, Wolfgang Kronenbitter vom Rotary-Club Horb und Karl-Hans Schmid, Geschäftsführer der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ), unter der Moderation von Hubert Romer, teilnahmen, aufschlussreiche Aspekte und Details zur Entwicklungsarbeit in unterschiedlichen Projekten.
Im Kern ihrer Aussagen unterstrichen die Diskussionsteilnehmer die Dringlichkeit aller Hilfsprojekte, die den Menschen in den armen Ländern wenigstens eine kleine Chance auf ein selbstbestimmtes, menschenwürdiges Leben geben. Charles Okereke, der zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde Eutingen eine Schule in Nigeria finanzierte und baute, sagte, dass es sehr viel Mut erfordere, Entwicklungsarbeit zu leisten und es gut sei, dass man am Anfang meist nicht wisse, was auf einen zukommt. Der Dank aber, den man für seine Arbeit bekomme, sei unbezahlbar – es sei das Lächeln der Kinder. Seiner Erfahrung nach geht Entwicklungsarbeit nicht alleine. Man brauche Freunde, Mithelfer und Institutionen.
Allein 1300 baden-württembergischen Institutionen bietet die SEZ eine Möglichkeit, sich auf ihrer Internet-Plattform vorzustellen, wie Karl-Hans Schmid betonte. Für ihn steht fest, dass sich Europa auf die Dauer keinen Armutskontinent als Nachbar leisten kann. "Und wenn es nur aus purem Egoismus ist, wir müssen Afrika helfen", lautete seine sehr pragmatische These.
Nächstenliebe und die christliche moralische Gesinnung sind dagegen die Triebfedern und Motivation des Altheimer Arztes Rainer Schach, der mit seinem Burundi-Projekt weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt wurde. Er fand viel Rückhalt aus der Bevölkerung sowie bei zahlreichen Sponsoren, die ihn in seinem Vorhaben, ein Krankenhaus auf europäisches Niveau zu bringen, unterstützen. Maßgeblich beteiligen sich hierbei auch der Rotary Club Horb/Oberer Neckar. Wolfgang Kronenbitter sprach ein weiteres Projekt an, dass von den internationalen Rotariern mit 1,2 Milliarden US-Dollar finanziert wurde. In ihrem bisher größten Projekt, genannt "Polio Plus", kämpft Rotary gegen die Kinderlähmung und konnte bereits zwei Milliarden afrikanische Kinder impfen.
Für Peter Dombrowsky hingegen ist wichtig, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, den Blick zu schärfen um so auch die eigenen Probleme besser einordnen zu können. Als eine grundlegende Forderung der Diskussionsteilnehmer kristallisierte sich heraus, dass es wichtig ist, zu wissen, wohin das Spendengeld geht. Die "Fördermittel" von Pop-Star Madonna, die etwa acht Millionen Dollar spendete, sind beispielsweise nie dort angekommen, wofür sie bestimmt waren. "Das Geld muss Eins zu Eins zu den Bedürftigen", lautete das Credo aus dieser Überlegung.
Mit einer Betrachtung zu den Bürgerkriegen, der Korruption und denn Missständen im Handeln vieler Regierungen ging die Diskussion zu Ende.