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Horb a. N. Lächeln der Kinder ist unbezahlbar

Peter Morlok, vom 21.08.2011 19:01 Uhr
Diskutierten über Aspekte der Entwicklungsarbeit: Wolfgang Kronenbitter, Charles Okereke, Rainer Schach, Karl-Hans Schmid, Peter Dombrowsky und Moderator Hubert Romer (von links).  Foto: Morlok
Diskutierten über Aspekte der Entwicklungsarbeit: Wolfgang Kronenbitter, Charles Okereke, Rainer Schach, Karl-Hans Schmid, Peter Dombrowsky und Moderator Hubert Romer (von links). Foto: Morlok

Kreis Freudenstadt - "Meine Welt – Deine Welt – Eine Welt" – unter diesem Motto stand der Eine-Welt-Aktionstag, der am Samstag auf der Horber Gartenschau stattfand.Das Angebot der teilnehmenden Initiativen hielt sich im übersichtlichen Rahmen, da lediglich die Garküche "Mundo do Amor" von Kobna Anan, die  Shamwari Trading aus Alpirsbach sowie die  Haiti-Hilfe Schramberg und die Eine-Welt-Hilfe aus Rottweil sich mit Einzelständen beteiligten. Diese wurden dann auch nicht auf die Neckarwiese ausgelagert, sondern ins Zentrum des Neckarblühens, den Festplatz, gestellt. Die interessierten Besucher erfuhren bei der Podiumsdiskussion, an der Landrat a. D. Peter Dombrowsky, der nigerianische Pfarrer Charles Okereke, Rainer Schach, Mediziner und Burundi-Engagierter, Wolfgang Kronenbitter vom Rotary-Club Horb und Karl-Hans Schmid, Geschäftsführer der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ), unter der Moderation von Hubert Romer, teilnahmen,  aufschlussreiche Aspekte und Details zur Entwicklungsarbeit in unterschiedlichen Projekten.

Im Kern ihrer Aussagen unterstrichen die Diskussionsteilnehmer die Dringlichkeit aller Hilfsprojekte, die den Menschen in den armen Ländern wenigstens eine kleine Chance auf ein selbstbestimmtes, menschenwürdiges Leben geben. Charles Okereke, der zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde Eutingen eine Schule in Nigeria finanzierte und baute, sagte, dass es sehr viel Mut erfordere, Entwicklungsarbeit zu leisten und es gut sei, dass man am Anfang meist nicht wisse, was auf einen zukommt. Der Dank aber, den man für seine Arbeit bekomme, sei unbezahlbar – es sei das Lächeln der Kinder. Seiner Erfahrung nach geht Entwicklungsarbeit nicht alleine. Man brauche Freunde, Mithelfer und Institutionen.

Allein 1300 baden-württembergischen Institutionen bietet die SEZ eine Möglichkeit, sich auf ihrer Internet-Plattform vorzustellen, wie Karl-Hans Schmid betonte. Für ihn steht fest, dass sich Europa auf die Dauer keinen Armutskontinent als Nachbar leisten kann. "Und wenn es nur aus purem Egoismus ist, wir müssen Afrika helfen", lautete seine sehr pragmatische These.

Nächstenliebe und die christliche moralische Gesinnung sind dagegen die Triebfedern und Motivation des Altheimer Arztes Rainer Schach, der mit seinem Burundi-Projekt weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt wurde. Er fand viel Rückhalt aus der Bevölkerung sowie bei zahlreichen Sponsoren, die ihn in seinem Vorhaben, ein Krankenhaus auf europäisches Niveau zu bringen, unterstützen. Maßgeblich beteiligen sich hierbei auch der Rotary Club Horb/Oberer Neckar. Wolfgang Kronenbitter sprach ein weiteres Projekt an, dass von den internationalen Rotariern mit 1,2 Milliarden US-Dollar finanziert wurde. In ihrem bisher größten Projekt, genannt "Polio Plus", kämpft Rotary gegen die Kinderlähmung und konnte bereits zwei Milliarden afrikanische Kinder impfen.

Für Peter Dombrowsky hingegen ist wichtig, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, den Blick zu schärfen um so auch die eigenen Probleme besser einordnen zu können. Als eine grundlegende Forderung der Diskussionsteilnehmer kristallisierte sich heraus, dass es wichtig ist, zu wissen, wohin das Spendengeld geht. Die "Fördermittel" von Pop-Star Madonna, die etwa acht Millionen Dollar spendete, sind beispielsweise nie dort angekommen, wofür sie bestimmt waren. "Das Geld muss Eins zu Eins zu den Bedürftigen", lautete das Credo aus dieser Überlegung.

Mit einer Betrachtung zu den Bürgerkriegen, der Korruption und denn Missständen im Handeln vieler Regierungen ging die Diskussion zu Ende. 

Kommentare (1)
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AUG
21
20:57 Uhr, geschrieben von Pfr. Ludwig Kamm
Bleibt realistisch
Wer in der entwicklungsbezogenen Diskussion fordert: "Das Geld muss Eins zu Eins zu den Bedürftigen", diskutiert absolut unlauter. Das sage ich, der ich wohl schon an die eine Million Euro für Burundi gesammelt und auch transferiert habe. Wer bezahlt die Konto-Gebühren auf dem Spendenkonto? Wer bezahlt die Transfer-Kosten an die Empfänger? Wer bezahlt die Erstellung sowie die Portokosten für Dankesbriefe und Spendenquittungen? Wer bezahlt die Überwachung der korrekten Verwendung der Spendengelder? Die Forderung der 1:1 Umsetzung von Spenden und Förderung mag publikumswirksam sein - ist aber völig unrealistisch. Ich bekomme einen Anruf: "Ich habe eine Spende über 50 Euro gemacht. Ich habe nicht gehört, dass sie angekommen ist. Auch habe ich keine Spendenquittung erhalten." Nach vielen Recherchen ergab sich, dass auf dem Überweisungsträger keine Adresse angegeben war ............... Die meisten Kirchengemeinden sind bereit, diese "Verwaltungskosten" zu übernehmen - doch wird es immer schwieriger. Eine allgemeine Forderung nach einer 1:1 Umsetzung ist absolut unrealistisch - und spielt den Menschen eine falsche Möglichkeit vor.
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