Horb a. N. Klinik: Zweifel an bisherigen Rechnungen

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Ein Mitarbeiter des Horber Krankenhauses widmet sich dem Aktenstudium: Auch die CMK-Gutachter haben sich in das DKI-Gutachten vertieft – und stellen nun in einem Zwischenbericht einige kritische Fragen. Foto: Hopp

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Horb - Die Zweifel an den bisherigen Rechnungen für das Horber Krankenhaus verstärken sich. Jetzt äußern die Gutachter von CMK, die von der Stadt Horb herangezogen wurden, Zweifel auch an der Höhe der Personalkosten und haben auch sonst einige Fragen.

Gestern wurde der sechsseitige Zwischenbericht der Freiburger Gutachter unserer Redaktion vorgelegt. Er enthält viele Fragen, die die Zweifel an der von Landrat Klaus Michael Rückert vorgeschlagenen Schließung an der Akut-Klinik Horb verstärken.

Das Gutachten des Deutschen Krankenhaus-Instituts (DKI), welches Rückert als Entscheidungsgrundlage macht, geht in Horb von 3,7 Millionen Euro an Personalkosten aus. Die CMK schreibt dazu: "Der tatsächliche Ist-Personalaufwand wird (im Anhang) mit 2,8 Millionen ausgewiesen. Die Differenz von rund 900 000 Euro ist anhand dieser Datenbasis nicht nachvollziehbar."

Rechenfehler drin

Vor allem, weil in diesem Anhang auch noch ein Rechenfehler drin ist, weil eine Zwischensumme auf-addiert wird. Das könnte heißen: Statt 3,7 Millionen Euro Personalkosten hätte eine Akut-Klinik Horb lediglich 2,4 Millionen Euro. Das würde das prognostizierte Defizit in der Gewinn- und Verlustrechnung um 1,3 Millionen Euro reduzieren.

Ferner wollen die Gutachter der CMK wissen, ob man die Personalbesetzung angesichts der "derzeit schon reduzierten Patientenzahl an den Bedarf angepasst hat oder hat man die Ist-Situation als Modell-Situation gesetzt?" Konkret wird nach Personal-Pools gefragt.

Die hohen Materialkosten werden ebenfalls von CMK hinterfragt: "Ebenso nicht plausibel nachvollziehbar sind die hohen Materialaufwendungen in Höhe von 1,6 Millionen Euro. (...) Die meisten Materialien, die diesen Betrag hochtreiben können, kommen üblicherweise aus dem Bereich der Implantate, die in Horb nicht benötigt werden." Peter Mast, Geschäftsführer der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) hatte wohl in nichtöffentlicher Sitzung gesagt, dass die hohen Materialkosten von 1,6 Millionen Euro aus dem Jahr 2011 stammen, wie Teilnehmer bestätigen. Sie seien so hoch, weil sie wegen des abgelaufenen Verfalldtums entsorgt werden mussten. Die DKI hatte diesen Einmaleffekt aus dem Jahr 2011 in ihre Prognosen für 2013 übernommen. Insider schätzen, dass der reale Materialaufwand in Horb gut eine Million Euro geringer wäre.

Damit würde sich das von der DKI vorausgesagte Defizit von 3,5 Millionen Euro um 2,3 Millionen Euro reduzieren. Rechnerisch läge Horb so bei einem Defizit von 1,2 Millionen. Das ist gut ein Drittel von den 3,6 Millionen Euro, die das Krankenhaus in Freudenstadt an Minus laut den DKI-Prognosen einfahren soll.

Die CMK fordert jedenfalls, auch das MVZ am Standort Horb in die Wirtschaftlichkeitsberechnung mit einzubeziehen. Sie schreiben: "Es gibt unserer Erfahrung nach Beispiele, in denen ein MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) erhebliche Erlöse mit Patienten erwirtschaften kann, die über den stationären Weg akquiriert werden."

Die CMK sieht – im Gegensatz zu KLF-Geschäftsführer Mast – auch die strategische Portalfunktion von Horb. Sie schreiben: "Aus der Umfeldanalyse kann man entnehmen, dass bei entsprechendem Image und medizinischer Infrastruktur das Krankenhaus Horb laut statistischer Hochrechnung ein Patientenpotenzial von über 4000 Patienten erreichen könnte." Dies müsse selbstverständlich nicht heißen, dass dieses Potenzial bei einem reduzierten medizinischen Angebot komplett abgeschöpft sei. "Trotzdem sollte es angestrebt werden, dass diese Patienten möglichst im Landkreis verbleiben.

Weiter heißt es, dass die KLF als minimalstes Ziel anstreben sollte, diese Patienten für das nicht voll ausgelastete Krankenhaus in Freudenstadt (70 bis 75 Prozent Auslastung) zu gewinnen. Die CMK: "Insbesondere der südöstliche Teil, d.h. der Einzugsbereich des Krankenhauses Horb, wird im Landkreis überhaupt nicht gehalten."

Fragen, Fragen und nochmals Fragen – auch zu weiteren Alternativen, die CMK vermisst (siehe Bericht unten): Der Zwischenbericht macht das Ziel von Landrat Klaus Michael Rückert, bereits am kommenden Montag die öffentliche Entscheidung nach einer nicht-öffentlichen Sitzung durchzuziehen – noch rätselhafter.

Und eine weitere Baustelle könnte es nach dem Donnerstag geben. Denn dann wird es ab 19.30 Uhr den Vortrag des privaten Anbieters Ameos in der Hohenberghalle geben – und die Frage noch verstärkt aufkommen: Ist die Privatisierung eine ernstzunehmende Alternative?

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

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