
Horb - Der tote Gamsbock hat für einen Jäger aus Mühlen wohl tatsächlich ein Nachspiel. Jetzt wird es ernst für den Rentner, denn der Landkreis Freudenstadt hat jetzt das Bußgeldverfahren eingeleitet.
Landkreis-Sprecherin Sabine Eisele: "Wir haben den Jäger zur Anhörung gebeten. Das Bußgeldverfahren wurde jetzt eingeleitet." Laut Bundesjagdgesetz §39, Absatz 3 erwartet den Jäger damit eine Geldstrafe, die laut Gesetzestext bis zu 5.000 Euro hoch sein kann.
Der Grund: Der Jäger Josef Just hatte vergessen, vor dem Abschuss sich die Genehmigung zu holen. Aber die Strafe dürfte wohl nicht so hoch ausfallen. Eisele: "Mit einem Anruf wäre das erledigt gewesen. Dann hätte er die Genehmigung bekommen." Auch sieht das zuständige Landratsamt, so Eisele, inzwischen "keine Rechtsgrundlage für den Entzug des Jagdscheins."
Klartext: Jäger Just muss möglicherweise ein Bußgeld bezahlen, darf aber weiter schießen. Auch hier selten vorkommende Gamsböcke, die laut dem Wildbiologen Martin Strein "populationsbiologisch wertvoll sind, da sie auf der Suche nach neuen Herden die Inzucht vermeiden."
Genau deshalb wird der umstrittene Gamsbock-Abschuss jetzt auch Thema im Kreistag. Grünen-Abgeordneter Wolf Hoffmann aus Horb will dazu eine Anfrage stellen.
Der Hintergrund: Zwar regelt das Landesjagdgesetz die Art der Tiere, die geschossen werden dürfen und deren Schonzeit. Laut der Kreisjägerschaft Freudenstadt kann das Kreisjagdamt als untere Aufsichtsbehörde in zukünftigen Abschussplänen den Abschuss beispielsweise des Gamsbocks ganz verbieten.
Oberster Chef ist Landrat Klaus-Michael Rückert. Der Grünen-Politiker Hoffmann: "Ich möchte schon wissen, wie der Landrat dazu steht, dass die Gamsen in Horb mit Genehmigung abgeschossen werden dürfen."Landrat-Sprecherin Eisele: "Die Gams hat hier keinen Lebensraum. Man tut den Tieren keinen Gefallen, wenn man sie schont." Wildtierbiologe Strein von der forstlichen Versuchsanstalt Freiburg sieht das differenziert: "Es gibt auch die Waldgams, die in Baden-Württemberg weit verbreitet ist. Sie benötigt lediglich Hangwälder mit felsigen Flächen, an denen sie sich die Hufen abschaben können."
Feste Gamsherden gibt es zum Beispiel in Oberndorf, im oberen Kinzigtal oder Schramberg. Auf der Internet-Seite des Schwarzwälder Boten wird der Jagdskandal intensiv diskutiert. Nature: "Mir stellt sich die Frage, warum schießt der Jäger ausgerechnet auf ein seltenes Tier, das es in unseren Breiten eigentlich gar nicht gibt. Schon deshalb hätte er seinen Kopf vor der Jagd einschalten müssen." Michaele W: " Vielleicht würde ein Nationalpark doch helfen, dass solche seltenen Tiere, die sich hier her verirren, am Leben bleiben dürfen! "