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Horb a. N. In Horb sollen Fremde zu Freunden werden

Schwarzwälder-Bote, vom 09.01.2012 20:01 Uhr
Gisela Höpfer 
Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote
Gisela Höpfer Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Christof Schülke

Horb. Drei Frauen traten Ende 2010 an, um unter dem Arbeitstitel Kulturbrücke Bürger mit Migrationshintergrund anzusprechen. Seither ist viel geschehen, und der Erfolg ermutigt: Die Kulturbrücke wird stark und tragfähig. Zu sehen ist das zum Beispiel am Neujahrsempfang.

"Wir laden Sie ein, auf die Horber Kulturbrücke zu kommen. Statt dem Nebeneinander wollen wir mehr Miteinander der Kulturen, weil es uns allen zu Gute kommt." Die zwei Sätze standen auf der Einladung zur Kulturkonferenz im April vergangenen Jahres und beschreiben wohl am treffendsten, um was es bei dem Projekt geht.

Linda Pahl (geboren in Kasachstan), Tenzile Ezberci (türkische Eltern) und Gisela Höpfer vom städtischen Büro für bürgerschaftliches Engagement hatten Ende 2010 mit der Projektentwicklung begonnen. Gefördert vom Freiwilligendienst aller Generationen (Bundesfamilienministerium) wurden Migranten über deren Integration in Horb befragt.

Das Ergebnis überraschte. Wer der Meinung war, dass die Migrationshintergründe in Horb hauptsächlich türkisch, italienisch, russisch oder ex-jugoslawisch gefärbt sind, hat sich geirrt. 185 Fragebögen kamen an das Team zurück – von Menschen aus 16 Nationen.

Weitere Menschen wurden angesprochen; in Workshops tauchten Ideen für Projekte auf. Entstanden sind ein "runder Tisch der Nationen" unter Federführung von OB Peter Rosenberger. Dieser runde Tisch initiiert und betreut Integrationsprojekte. Rosenberger ist zudem bei der "Kommunalen Arbeitsgruppe" mit dabei. Die zehn bis 15 kommunalpolitisch Interessierten haben sich schon oft getroffen, um über Themen zu sprechen, die im Gemeinderat beraten werden. Rosenberger schildert: "Wir setzen uns mit allen Themen aktiv auseinander." Bürger mit Migrationshintergrund, so seine Erfahrung, sind oft schlechter informiert. Der OB geht mit ihnen die Drucksachen durch, erklärt Hintergründe und regt dann zum Gespräch an. "Nach der Gemeinderatssitzung gibt es ein Feedback, sodass die Arbeitsgruppe erfährt, wie abgestimmt wurde." Menschen aus Tunesien, Kroatien, Polen und Russland sind unter den Teilnehmern. Auch Gemeinderäte nehmen Teil, zum Beispiel Peter Zimmermann oder Anton Scherrmann. Rosenbergers Erfahrung: "In dieser Runde geht man oft unbefangener, wertfreier und sachlicher an die Themen heran." Er hofft, dass auch in den Parteien mehr Migranten mitmachen, denn: "Viele Nationen spiegeln sich in unserem öffentlichen Leben nicht wider." Rosenberger sieht den Arbeitskreis momentan als Chance, das zu ändern, und Gisela Höpfer bestätigt: "Die Leute finden es toll, dass sie dabei sein dürfen. Es wird sehr wertgeschätzt." Man spüre, dass einige bereit seien, sich einzubringen.

Eine weitere "Frucht" des Projektes Kulturbrücke ist der Internationale Stammtisch der Arbeiterwohlfahrt, der sich monatlich trifft.

Auch der Neujahrsempfang, der am Samstag, 21. Juni, ab 16 Uhr in der Hohenberghalle stattfindet (Auszüge aus dem Programm siehe Infokasten) ist ein Ergebnis der Kulturbrücke. An diesem Tag können sich alle Interessierten bei freiem Eintritt über die Vielfalt in Horb informieren.

Nächstes großes Projekt ist ein Kulturenfest anlässlich 60 Jahre Baden-Württemberg, das im Sommer beim alten Freibad stattfinden soll.

Laut Gisela Höpfer ist es insgesamt gelungen, Leute zur Mitarbeit zu motivieren, die sich bislang noch nicht engagiert hatten. "Dieses Gefühl, noch nicht einheimisch zu sein, ist in der Runde zu spüren. Aber auch das gemeinsame Gefühl, dass man gefragt ist."

Weitere Informationen: Wer sich bei der Kulturbrücke engagieren will, bekommt weitere Informationen von Gisela Höpfer, Telefon 07451/90 11 42.

"Begegnung der Kulturen" lautet der Titel des Neujahrsempfangs der Stadt Horb am Samstag, 21. Januar, ab 16 Uhr in der Hohenberghalle. Die Festrede hält die Landesministerin für Integration, Bilkay Öney. Das rund zweistündige Programm wird von folgenden Gruppen gestaltet: Musikverein Dießen, Sonnenkinderchor, Ahenk Dance Akademie (orientalischer Tanz), Chor InTakt, Kroatische Tänze der Folkloregruppe Stuttgart, Beata Schul und Magdalena Gajewa-Kowalski (Vortrag über Veit Stoss), Trachtentanzgruppe Betra, Freunde türkischer Volksmusik, Showtanzgruppe Nonames und die Horber Nachtwächter.

Zum Essen gibt es Köfte mit Reis, Putenschnitzel und Käsewecken. Es wird türkischer Samowar-Kaffee serviert.

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