Horb a. N. "Ich werfe die Flinte nicht ins Korn"
Schwarzwälder-Bote, 01.06.2012 20:53 Uhr
Regina Schwenke serviert eine Portion Pommes: Trotz Kündigung zeigt sie sich voller Tatendrang: "Ich mache weiter." Fotos: HoppFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Florian Ganswind
Horb. Regina Schwenke rückt die Stühle zurecht. Bald beginnt wieder der Betrieb im Kiosk am alten Freibad. Die Pächterin wirkt fröhlich und tatendurstig. Dabei hat sie am Donnerstagnachmittag Post vom Amtsboten bekommen: die Kündigung, fristgerecht zum 31. August. "Das hat mich total überrascht", erzählt sie. Danach habe sie erstmal tief durchatmen müssen.
Seit gerade mal vier Wochen betreibt Regina Schwenke mit ihrem Mann den Kiosk am alten Freibad – eine typische Imbissbude an einem idyllischen Fleckchen. Auf der Speisekarte stehen Thüringer Bratwurst, Currywurst mit hausgemachter Soße und Schnitzel, "frisch hergestellt, das gibt es nicht überall", wie die Gastronomin betont. "Am vergangenen Wochenende war richtig was los", berichtet sie. Und vor allem freue sie sich, dass viele Gäste nach ihrem ersten Besuch wiederkommen. "Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind."
Der Stadt scheint das aber nicht zu reichen. Stadtmarketing-Chef Peter Scherer zeigte sich am Rande eines anderen Pressetermins unzufrieden und machte die Kündigung publik.
Kritik seitens der Stadt: fehlende Bandbreite bei der Speisekarte und mangelndes Engagement, dazu der plötzliche Brauereiwechsel von Hochdorfer zu Alpirsbacher. Letzterer habe allein geschäftliche Gründe gehabt, erzählt die Pächterin. Die Kritik an der Speisekarte kann sie nicht verstehen. "Die Gäste sind wirklich zufrieden und schwärmen beispielsweise von unserer Currywurst." Nach und nach wolle sie an der Speisekarte arbeiten, einen großen Kaffeevollautomat habe sie angeschafft – allerdings: "Die Kapazitäten im Kiosk sind beschränkt." Der Wirtschaftskontrolldienst komme ihr sogar entgegen, sodass sie beispielsweise ihren Erdbeerkuchen anbieten kann. "Die Auflagen sind sehr hoch." Beispiel: Nur drei Kühlschränke stehen zur Verfügung, darin werden aber auch die Getränke gekühlt. "Ich streite mich sogar manchmal mit meinem Mann um den Kühlschrank."
Weiterer Streitpunkt: die Events. Scherer sei auf sie zugekommen und habe sie gebeten, eine Band für das Pfingstwochenende zu engagieren. "Aber ich betreibe doch keine Eventgastronomie", sagt Regina Schwenke. Es sei nur die Rede davon gewesen, dass solche Events auch einmal vor dem alten Freibad stattfinden. Es sei nur nach ihrem Einverständnis gefragt worden.
Und dann noch das Problem mit den Toiletten: Diese gehören zum Pachtobjekt, deswegen sieht Regina Schwenke nicht ein, dass auch Menschen, die nicht bei ihr einkehren, kostenlos die Örtlichkeiten benutzen können. Denn die Wasserkosten zahlt sie. Sie verlangt seit Kurzem einen kleinen Obulus. "Damit ist die Stadt aber nicht einverstanden. Sie möchte, dass jeder die Toiletten benutzen darf.
"Ich werfe die Flinte nicht ins Korn", sagt die Betreiberin. "Ich mache bis Ende August auf jeden Fall weiter. Es läuft ja auch." Stimmen auf unserer Homepage und in Facebook geben ihr recht (siehe Info). Einen Streit mit der Stadt möchte sie nicht. "Ich bin immer gesprächsbereit und möchte, dass wir einen Konsens finden."


