Horb a. N. Gawlikowski wills noch immer wissen

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Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Jürgen Lück

Die quirlige Frau Gawlikowski kennen wohl die meisten in Horb: 29 Jahre Lehrerin am MGG. Jetzt steigt sie wieder ein.

Horb/Nagold. Sie kann es einfach nicht lassen: Anderthalb Jahre nach ihrer Pension steigt Magda Gawlikowski wieder ein. Am Dienstag wird ihre erste Stunde an der kaufmännischen Berufsschule in Nagold sein.

Die sympathische Lehrerin hatte dem Schwarzwälder Boten bei der Jubiläumsgala der Ginger-Ballettschule von ihrer Bewerbung erzählt. Es sollte aber erst berichtet werden, wenn alles klar ist. Jetzt ist es so weit. Gawlikowski, die jetzt wieder ihren Mädchennamen Gazdag trägt ("wegen meiner Töchter") sagt: "Lampenfieber habe ich nicht. Ich freue mich schon auf den Wiedereinstieg in den Schuldienst, weil ich gebraucht werde. Und zwar in einem Gebiet, wo ich Freude daran habe."

Einst kam sie selbst als Flüchtling nach Deutschland

15 Minuten vor der ersten Stunde wird der Anstellungsvertrag für die Pensionärin unterschrieben –­ dann wird sie vor der Vorbereitungsklasse von 18 Schülern im Alter von 15 bis 18 stehen.

Eine von den pensionierten Lehrern, die jetzt zur Bewältigung der Integration vom Kultusministerium eingestellt werden. Der Chef des Baden-Württembergischen Beamtenbundes, Volker Stich, hatte bei der Einführung des Programms gesagt: "Die Zahl, die sich auf entsprechende Aufrufe melden werden, wird sicher nicht in die Tausende gehen."

Für Frau Gawlikowski war das überhaupt keine Frage: "Als die Registrierung möglich war, habe ich das online so schnell, wie es geht, gemacht." Doch warum?

Die Horber Lehrerin: "Wie man am Namen Gazdag erkennt, bin ich selbst Flüchtling. 1956 hat sich mein Vater in der ungarischen Revolution engagiert. Wochenlang habe ich als fünfjähriges Kind die Diskussionen mitbekommen: "Greifen die Sowjets ein oder nicht? Gehen wir oder bleiben wir?"

Durch Türkei-Erfahrung hat sie Erfahrung mit orientalischer Mentalität

Als ein – ebenfalls im Freiheitskampf engagierter – Kollege ihres Vaters in der Fabrik verhaftet wurde, ging es los. Frau Gazdag: "Wir packten zwei bis drei Plastiktüten. Meinen kleinen Bruder haben wir bei den Großeltern zurückgelassen – aus Furcht, dass die Flucht mit Baby zu gefährlich ist. Die Grenzsoldaten trugen uns Kinder auf den Schultern Richtung Österreich."

Weil ihr Vater Ingenieur war, bekam er sofort einen Job. Eine Kindheitserfahrung. Mehr als 50 Jahre später startete Gawlikowski mit ihrer MGG-Kollegin Claudia Beuter-Zimmermann den Deutsch-Türkischen Arbeitskreis. 2010 gab’s dann den ersten Schüleraustausch mit Tekirdag. Gazdag: "In meinem Ruhestand habe ich noch den Austausch im letzten Jahr mitgemacht. Nachdem ich dann meine Traumreisen verwirklicht hatte und den Aufruf des Kultusministeriums las, habe ich mir gedacht: Ich mag nicht so sehr Hobbys, ich mag Aufgaben."

Und die hat sie jetzt auch: Sechs von insgesamt 15 bis 18 Wochenstunden Deutsch-Unterricht. Fortbildungen. Absprache mit den Kollegen, wie weit die in der Stunde vorher gekommen sind. Durch die Türkei-Erfahrung auch schon Erfahrung mit einem Stück orientalischer Mentalität. Gazdag sagt: "Durch die Flüchtlinge passiert so viel in Deutschland. Es inspiriert mich, dass ich dabei ein kleines Scherflein dazu beitragen kann."

  
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