Horb a. N. Christian Lindner brilliert im Wahlkampf

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Christian Lindner begeistert Horber bei Wahlkampfveranstaltung. Foto: Lück

Horb - Die Besucher der voll besetzten Turnhalle der Gutermann-Grundschule waren sich am Ausgang einig: "Was ein toller Redner." Denn: Mit Christian Lindner besuchte einer der wenigen verbliebenen FDP-Superstars die liberale Hochburg.

Unterstützung für den Landtagskandidaten Timm Kern. Und für Horbs Ex-OB, FDP-Landeschef und Europa-Parlamentarier Michael Theurer genau die richtige Location: "Die Turnhalle wurde damals durch die Bürger mitfinanziert und gebaut."

Kern eröffnete den Abend vor einer Video-Wall, auf der er überlebensgroß in vier verschiedenen Posen abgebildet war. Wahlversprechen machte er keine – nur eins: "Dass die weiterführenden Schulen in Zukunft ein Recht auf Einblick in Schulempfehlung der Grundschule bekommen." Denn: Weil die Grün-Rote Landesregierung das abgeschafft habe, habe man jetzt die "Katastrophe", so Bildungspolitiker Kern: "Die Zahl der Sitzenbleiber ist laut Zahlen des Kultusministeriums in der 5. Klasse Realschule um 500 Prozent gestiegen, im Gymnasium um 300 Prozent."

Dann zeigte er seinen dreiminütigen Wahl-Videoclip. Lustig: Beim Thema Breitband- und Mobilfunkversorgung hielt er mit enttäuschtem Blick sein Smartphone aus dem Fenster, beim Thema Gesundheitsversorgung gastiert er in der Frauenarztpraxis der liberalen Gemeinderatskollegin Margarethe Rebholz. Zum Schluss marschiert er auf die Winkelhakenkirche in Freudenstadt zu.

Bevor Theurer zum nächsten Termin weitermusste, machte er ihm noch Mut: "Wenn wir Liberalen Timm Kern unterstützen, kommt nicht nur der Landesschef, sondern auch der Bundeschef."

Theurer erinnerte daran, dass im Landkreis immer noch 90 Flüchtlinge aus dem Balkan sind (über 30 allein in Talheim). Und sagte: "Das zeigen mit dem Finger auf andere muss hier ein Ende haben. Dort muss endlich gehandelt werden, damit wir Platz für die Flüchtlinge bekommen, die wirklich den Schutz brauchen." Grenzte seine Partei noch einmal klar ab: "Wir grenzen uns von Pegida ab. Mit Schreihälsen kann man keine Probleme lösen."

Und das war die Vorlage für Christian Lindner, der kurz zuvor in die Halle gekommen war. Der "FDP-Superstar" griff sich das Mikro und stellte sich genau in die Mitte vor die Zuhörer. Klare Gestik, klare Worte, und sogar die Zuhörer vom Musikverein Horb/Bildechingen wurden angeschaut.

Lindner griff die Bundesregierung frontal an: "Es ist beschämend, wenn Sigmar Gabriel die Asylpolitik als chaotisch bezeichnet. Ist er nicht selbst Vizekanzler? Das zeigt doch, dass die große Koalition zu einem Sanatorium geworden ist."

Lindner kritisierte das "Ordnungsversagen" des Staates: "Jeder, der nur ein paar Tage die Steuer zu spät zahlt, erlebt sofort die Leistungsfähigkeit der deutschen Verwaltung. Nachdem sich im Jahr 2015 die Regierung auf die Bürger verlassen hat, muss 2016 das Jahr werden, in dem sich die Bürger wieder auf die Regierung verlassen können muss."

Dazu gehöre auch eine Unterscheidung zwischen Asylbewerbern, Kriegsflüchtlingen (die nach dem Ende des Krieges wieder zurückkehren) und einer Einwanderungspolitik.

Lindner: "Wir brauchen diese Einwanderungspolitik. Allein aus demografischen Gründen." Schaut zu den jungen Frauen des Musikvereins: "Um den Bevölkerungsrückgang zu stoppen, müsste jede Frau im gebärfähigen Alter sieben Kinder bekommen. Das schafft nur Ursula von der Leyen."

Das jetzige Aufenthaltsrecht in Deutschland sei eine "Verrücktheit. Jeder, der irgendwie über die Grenze kommt, hat faktisch ein Aufenthaltsrecht."

In der Wirtschaft sei Deutschland im Moment "unter Drogen. Dazu gehört der niedrige Ölpreis". Lindner kritisierte die Große Koalition, "die trotz der Herausforderungen der weltwirtschaftlichen Krise ein ›Erntedankfest‹ feiert. Die neue Rentenpolitik führt dazu, dass bis zum Jahr 2030 230 Milliarden Euro Mehrausgaben kassiert werden. Das ist mehr als die deutsche Haftungssumme für die Schulden in der EU. Man kann also sagen, dass Arbeitsministerin Andrea Nahles für Deutschland gefährlicher als die griechischen Staatsfinanzen ist."

Auch bei der Breitbandversorgung befindet sich Deutschland derzeit auf dem Niveau von Rumänien. Lindner: "Und die setzen jetzt auf Glasfaser. Unsere Bundesregierung plant stattdessen, die Telekom wieder zum Monopolisten zu machen. Die will den Breitbandausbau dann mit Kupferkabel realisieren."

Zum Schluss der Rede machte er Timm Kern, auch parlamentarischer Geschäftsführer der Landtags-FDP, Mut: "Als ich meinen Wahlkampf in NRW damals startete, lagen wir in den Umfragen bei zwei Prozent. Am Schluss erhielten wir 8,5 Prozent der Stimmen. Timm Kern fängt jetzt mit sechs Prozent an. Da sehen sie, welches Potenzial die FDP hat!"

Um 19.15 Uhr war Lindner fertig. Als ihm Kern eine Flasche Horb Sekt überreichte, scherzte er noch: "Ich muss eigentlich um halb acht in Villingen-Schwenningen sein. Das wird etwas knapp. Vielleicht braucht Baden-Württemberg eine Magnetschwebebahn."

Eine voll besetzte Turnhalle der Gutermann-Grundschule. Ein brillanter Redner. Ein Abend, der FDP-Anhängern und Sympathisanten sicherlich gefallen hat.

  
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