Horb a. N. Irreführend: Bauern kritisieren "Eigenmarken"

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Verwirrung am Kühlregal – werden Verbraucher über Verpackungsinhalte bewusst in die Irre geführt? Foto: ©  Sergey Ryzhov / Fotolia.com

Horb-Dettingen - Der niedrige Milchpreis und die damit verbundenen Herausforderungen trieben die Landwirte am Montagabend im Gasthof Adler in Dettingen um. Lösungsansätze oder Tipps dazu erhielten sie kaum.

Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (VBZ) ging bei der Informationsveranstaltung "Trends und Verbraucherprobleme auf dem Lebensmittelmarkt" auf "irreführende Bewerbung von Milchprodukten" ein – ein Problem, das ihren Angaben nach die Verbraucherzentrale nicht lösen könne. Auch Gerhard Faßnacht, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Freudenstadt, hakte immer wieder nach. Das Ergebnis blieb unverändert.

Die Anwesenden waren empört. "Das kann doch nicht sein. Da wird doch der Verbraucher irregeführt", ging ein Landwirt auf die Ergebnisse der Verbraucherzentrale ein. Diese hatte in drei unterschiedlichen Milchverpackungen, die als Billig-, Heimat- und Bio-Milch gekennzeichnet waren, genau die gleiche Milch festgestellt. Der Preis schwanke von der Billigmilch bis zur Heimatmilch um 0,64 Euro pro Packung – und das, obwohl dieselbe Milch in allen Packungen vorhanden sei.

"Wenn es die Eigenmarken nicht geben würde, wären wir Landwirte besser dran", stellte Gerhard Faßnacht fest und meinte: "Der Einzelhandel hebelt uns aus." Durch die Eigenmarken könne der Verbraucher nicht nachvollziehen, ob die Milch beispielsweise aus Deutschland oder Polen komme. Auf der Verpackung stehe nur die Adresse des Abfüllorts. Woher die Milch in der Verpackung stamme, sollte ebenfalls aufgeführt werden, forderte Faßnacht.

Der Kreisbauernchef fragte, ob es möglich sei, gegen diese "irreführenden Eigenmarken" vorzugehen. Christiane Manthey, Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung, erklärte, dass die Verbraucherzentrale keine Produkttests vornehme. Sie beschäftige sich mit irreführenden Kennzeichnungen auf Produkten und der damit verbundenen Werbung. "Wenn beispielsweise auf einem Produkt ›heiße Zitrone‹ drauf steht, muss der Anteil des Zitronenkonzentrats auf der Verpackung aufgeführt sein", erklärte sie. Das Problem Eigenmarke bei der Milch falle nicht in diese Reihe.

"Die Handelskette will eine Identifikation mit ihrer Marke und nicht mit dem Hersteller", erkannte ein Besucher das Problem, das die Landwirte umtreibt. "Sie müssen bei Ihren Molkereien selbstbewusst auftreten", empfahl Christiane Manthey. Da die deutsche Milch am Weltmarkt gehandelt werde, laste ein großer Druck auf den Molkereien, warf ein Besucher ein.

Mehrfach betonten die Landwirte, dass in anderen EU-Ländern die landwirtschaftlich erzeugten Lebensmittel weitaus teurer seien als in Deutschland. "Ich war auch schon in Frankreich im Urlaub, weil man das von Frankreich sagt. Ich kann das nicht bestätigen", sagte Christiane Manthey.

Umfrage: 68 Prozent ist Tierschutz wichtig

Sie ging auch auf das Thema Tierschutz ein, zu dem zahlreiche Fragen in der Verbraucherzentrale eingingen. 68 Prozent der Verbraucher sagen laut einer VBZ-Umfrage vom Januar, dass ihnen Tierschutz wichtig ist. "Sie würden auch mehr bezahlen, wenn man eindeutig erkennen würde, dass die Tiere besser gehalten werden", erklärte Christiane Manthey. "Besser gehalten werden als? Als der Gesetzgeber vorschreibt?", fragte ein Landwirt kritisch nach. Er betonte, dass ein Verbraucher eine andere Vorstellung von der Unterbringung der Tiere habe, als es in der Realität der Fall sei. Die Abteilungsleiterin lese aus der Umfrage heraus, dass die Verbraucher die Anonymität des Fleisches bemängeln würden. Ein Tierwohl-Label würde dieses Problem nicht lösen, waren sich die Landwirte einig. Sie hatten zuvor schon beim Label-Dschungel auf Milchverpackungen auf die "irreführende Kennzeichnung" hingewiesen. Als regional gekennzeichnete Produkte stammten nicht immer aus der Region des Verbrauchers, und auch "Bio" sei nicht immer das Bioprodukt, das sich der Verbraucher vorstelle.

Bei der Veranstaltung des Kreisbauernverbands Freudenstadt blieb so manche Frage offen. Auch die Besucherzahl hielt sich mit 30 in Grenzen, weshalb Gerhard Faßnacht Werbung für den Kreisbauerntag am 11. Februar in Oberiflingen machte: "Ich bitte um vollzähliges Erscheinen. Nur so können wir weiterhin Kreisbauerntage hier im Landkreis Freudenstadt durchführen", sagte der Vorsitzende, der damit eine Lösung der angesprochenen Probleme unterschwellig preisgab: Wenn alle Landwirte geschlossen ihr Problem bekundeten, würde die Tragweite dieses sichtbarer als zuvor.

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