Horb - Der Verdacht, dass die Gutachter der DKI ein falsches Bild vom Krankenhaus Horb gezeichnet haben, verstärkt sich. Das Defizit bei Erhalt einer Akut-Klinik ist offenbar zu hoch gegriffen.

Der Schwarzwälder Bote hatte im Vergleich der Prognosen zwischen dem Krankenhaus Freudenstadt und der Akut-Klinik Horb aufgedeckt, dass in der Kreisstadt der Materialaufwand bei gut 25 Prozent der Erlöse aus Krankenhausleistungen liegt, in Horb aber bei gut 60 Prozent. Fraglich, denn die Kosten pro OP oder Patient für Material wie Verband, Medikamente, Spritzen, sollte ja eigentlich gleich hoch sein. Bei privaten Klinik-Betreibern liegt der Orientierungswert bei dem Verhältnis von Materialkosten zu Erlösen bei Werten zwischen 15 und 20 Prozent.

Jetzt soll KLF-Geschäftsführer Peter Mast in der nichtöffentlichen Sitzung bekannt gegeben haben, dass ein großer Teil der extrem hohen Materialkosten in Horb auf dem "Ablauf des Verfallsdatums" basiert. Offenbar mussten viele Spritzen, Infusionen und anderes weggeworfen werden.

Offiziell danach gefragt, antwortet KLF-Sprecherin Susanne Brand: "Basis für die angesetzten Werte des DKI-Gutachtens ist der von KPMG (Wirtschaftsprüfer, d. Red.) testierte Jahresabschluss der KLF."

Auf die Frage, wie hoch der reale Materialverbrauch sein müsste (ohne weggeworfene Materialien), antwortet die KLF: "Die Frage resultiert aus Gesprächsinhalten einer nicht-öffentlichen Kreistagssitzung. Somit nehmen wir hierzu keine Stellung. Wir bedauern jedoch sehr, dass regelmäßig unvollständige Informationen aus nicht-öffentlichen Sitzungen herausgegeben werden, ohne sich vorher mit den Verantwortlichen sowie deren Ansprechpartnern abzustimmen, um auf einer sachlichen Ebene zu berichten."

Wie auch immer, die Zweifel an Teilen des DKI-Gutachten scheinen nicht ausgeräumt. Fakt ist offenbar, dass die Einkaufspolitik der KLF im Jahr 2011 dazu führte, dass in Horb viel zu viel Material vorgehalten wurde. Dass das Ergebnis dieser offenbar mangelhaften Einkaufspolitik im Jahr 2011 allerdings dazu genommen wird, das zu erwartende Defizit für eine Akut-Klinik in Horb 2013 auf 3 bis 3,5 Millionen Euro zu schätzen, wird von einigen Kreisräten als "zweifelhaft" bezeichnet. Bei einem Materialkostenanteil von 25 Prozent wäre das Defizit um eine Millionen Euro geringer...

"Absichtlich unwirtschaftliches Verhalten"

Nicht nur dieser Fakt sorgt für Unmut bei den politischen Entscheidern. Die Tatsache, dass offenbar Krankenhaus-Material in Horb weggeschmissen wurde, anstatt es in Freudenstadt aufzubrauchen, wird als "absichtlich unwirtschaftliches Verhalten" und als "unverschämt" kritisiert. Bei der KLF werde so das Geld auf Kosten des Kreises zum Fenster rausgeworfen. Parallel müsse bei Schulen und Kindertagesstätten gespart werden.

Die Bürgerinitiative für den Erhalt des Krankenhauses Horb bleibt trotzdem auf Kurs – auch, nachdem Landrat Rückert den BI-Antrag abgelehnt hat, ein moderiertes Gesundheitsforum einzuberufen. Vorsitzender Reiner Klinger: "Es müssen weiterhin andere Möglichkeiten zum Erhalt des Akut-Klinikums Horb geprüft werden. Man muss auch nachdenken, ob eine mögliche Privatisierung eine Option ist. Ich glaube nicht, dass jetzt schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, die Akut-Klinik in Horb zu halten."

Denkwürdig auch: Im Nachbarkreis Calw waren die Kliniken und die Kreisumlage Thema im Verwaltungsausschuss des Kreistages. Calw und Nagold machen dieses Jahr einen Gesamtverlust von 5,7 Millionen Euro. Um das Defizit auszugleichen, sollte die Kreisumlage von 32,5 um 1 bis 1,5 Prozentpunkte erhöht werden. Das wurde mehrheitlich abgelehnt. Jetzt gibt es nur 0,5 Prozent mehr Kreisumlage. Landrat Helmut Riegger: "Wir müssen den Druck auf die Krankenhäuser aufrechterhalten."

Über die Zukunft wolle man, wie zugesagt, in aller Ruhe im Jahr 2013 mit allen Beteiligten sprechen und eine Entscheidung treffen.