
Von Marion Tischbein
Horb-Mühringen/Rottweil. Eine Spende aus Rottweil hatte es jetzt möglich gemacht, den Grabstein von Moshe Kaz auf dem jüdischen Friedhof in Mühringen zu restaurieren. Kaz hatte sich große Verdienste bei der Rettung der Stadt Rottweil vor den Truppen Napoleons erworben. Begraben wurde Kaz in Mühringen, wo er zum Schluss lebte. Am Sonntag, dem Europäischen Tag der jüdischen Kultur, kam eine 30-köpfige Delegation aus Rottweil in Begleitung von Winfried Hecht, dem ehemaligen Archivar von Rottweil, Walter Stegmann als Vertreter der Stadt und dem Sprecher des Arbeitskreises "Ehemalige Synagoge Rottweil", Werner Kessl, um das restaurierte Grab des jüdischen Handelsmannes zu besuchen.
Anschließend hatten die Besucher Gelegenheit, im Feuerwehrmagazin Gespräche mit Ortsvorsteherin Monika Fuhl und anderen Bürgern zu führen. "Uns ist es wichtig, dass die Geschichte lebendig erhalten wird und dass wir unsere Wurzeln kennen", betonte Fuhl. Bürgermeister Jan Zeitler erinnerte daran, dass gerade in Horb viele ehrenamtliche Helfer mitwirken, das Gedenken an die jüdische Vergangenheit aufrecht zu erhalten.
Restauriert hat den Grabstein, der in einem sehr desolaten Zustand war, der Dettinger Bildhauer Josef Nadj. Das sei für einen Künstler eine außergewöhnliche Aufgabe, sagte er. Er habe sich bemüht, die Restsubstanz zu erhalten, ohne große Veränderungen vorzunehmen. Der Grabstein aus Sandstein, der vorher schräg und zur Hälfte im Boden versunken war, hat nun eine neue Basis bekommen und ragt jetzt wieder aufrecht aus der Erde heraus.
Hecht, der ehemalige Archivar, erläuterte die Bedeutung von Moshe Kaz für die Stadt Rottweil. Er sei für die Stadt ein ganz wichtiger Mann gewesen. Der jüdische Friedhof ist ein Denkmal, das man erhalten sollte, betonte Hans-Josef Ruggaber. "Er ist mit seinen etwa 800 Gräbern einer der ältesten jüdischen Friedhöfe Württembergs", erklärte er.
Bei Kaffee und Kuchen im Feuerwehrhaus überreichte Stegmann Ortsvorsteherin Fuhl als Gastgeschenk ein Buch über die Geschichte Rottweils und einen Scheck über 450 Euro für den jüdischen Friedhof und versprach weitere Spenden. Die Mühringer wurden dann noch zu einem Rundgang mit Führung nach Rottweil eingeladen. Letzte Station der Delegation war Nordstetten. Hier wurde sie im Schloss von Ortsvorsteherin Edith Barth empfangen. Zwei Dinge standen in Nordstetten auf dem Programm, einmal die Ehrung des ehemaligen Staatspräsidenten Lorenz Bock, der in Nordstetten geboren wurde und unerwartet 1948 in Rottweil verstarb und zum zweiten ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof in Nordstetten am Grab des jüdischen Nordstetter Dichters Berthold Auerbach.