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Horb a. N. "Ein großer Berg Forschungsarbeit"

Schwarzwälder-Bote, vom 24.01.2011 20:52 Uhr
Barbara Staudacher (Zweite von rechts) und Heinz Högerle (Zweiter von links) wurden in Berlin für ihre Verdienste um die jüdische Kultur in Deutschland mit dem Deutsch-Jüdischen Geschichtspreis geehrt. Links der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, und der Präsident der Obermayer Foundation, Arthur Obermayer. 
Foto: Abgeordnetenhaus von Berlin Foto: Schwarzwälder-Bote
Barbara Staudacher (Zweite von rechts) und Heinz Högerle (Zweiter von links) wurden in Berlin für ihre Verdienste um die jüdische Kultur in Deutschland mit dem Deutsch-Jüdischen Geschichtspreis geehrt. Links der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, und der Präsident der Obermayer Foundation, Arthur Obermayer. Foto: Abgeordnetenhaus von Berlin Foto: Schwarzwälder-Bote

Horb. Barbara Staudacher und Heinz Högerle erhielten gestern im Berliner Abgeordnetenhaus den Deutsch-Jüdischen Geschichtspreis (Obermayer German Jewish History Award). Die beiden Rexinger werden für die Bewahrung der jüdischen Geschichte und Kultur in ihrem Dorf geehrt.

Mancher Weg beginnt unerwartet. Bei Barbara Staudacher und Heinz Högerle stand am Anfang ihrer Reise in die deutsch-jüdische Geschichte der Umzug von Stuttgart nach Rexingen im Jahr 1999. Auf einem Hügel in der Nähe ihres Hauses entdeckten sie eines Tages den jüdischen Friedhof. Mit seinen etwa 1000 Grabsteinen "gehört der Friedhof zu den größten in Baden-Württemberg", erklärt die 67-jährige Staudacher. "Unser Interesse war geweckt."

Mehr als ein Lebenswerk für die Geehrten

In der Folge tauchte das Paar – eine ehemalige Buchhändlerin und ein Verleger – mit vereinten Kräften tief in die jüdische Geschichte ihres Ortes ein und veröffentlichte Bücher und andere Schriften über das einstige jüdische Leben in Rexingen.

Sie knüpften außerdem Kontakte zu jüdischen Familien, vor allem aus den USA und Israel, deren Wurzeln in Rexingen liegen. Für Staudacher und Högerle ist es mehr als ein Lebenswerk.

In der Jugend "erfuhr ich nichts über das Judentum", erklärt der 61-jährige Högerle. "Ich kannte keine Juden. Und dann kamen wir nach Rexingen und stellten plötzlich fest, dass es diese lebendige jüdische Gemeinde gegeben hatte." Im Jahr 2000 traten sie dem "Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen" bei, den Michael Theurer, damals Oberbürgermeister der Stadt Horb, 1997 gegründet hatte. Dank des Vereins war die Synagoge damals schon wieder als solche hergestellt, nachdem sie jahrelang als Kirche genutzt worden war.

Über die Juden selbst gab es jedoch nur sehr wenige Informationen, und so machte sich das Paar an die Recherche in den Archiven. Högerle arbeitete zum Beispiel an einer umfassenden, 424 Seiten starken Dokumentation zu den Gräbern auf dem Friedhof: "In Stein gehauen. Lebensspuren auf dem Rexinger Judenfriedhof".

Högerle und Staudacher fanden heraus, dass 1933 noch 262 Juden in Rexingen lebten. 1938, als die Verfolgung durch die Nazis schärfer wurde, wanderte eine Gruppe von 40 Juden gemeinsam nach Palästina aus und beteiligte sich dort am Aufbau der Gemeinde Shavei Zion. Im Jahr 2001 kam eine Gruppe ehemaliger Rexinger Bürger aus Israel zu Besuch, gefolgt von einem Gegenbesuch des Paares Staudacher/Högerle im darauffolgenden Jahr. Ihre Recherchen und Interviews mündeten in eine Ausstellung und später in ein Buch, das die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Rexingen über Hunderte von Jahren dokumentiert, bis hin zur Gründung von Shavei Zion. Die Ausstellung wurde an vielen Orten in Deutschland sowie in Jerusalem und Shavei Zion gezeigt.

Staudacher und Högerle haben zahlreiche weitere Publikationen herausgebracht, zum Beispiel ein 300 Seiten umfassendes, großzügig bebildertes Buch zum Leben in Shavei Zion und zur 70-jährigen Geschichte der Gemeinde (zweisprachig Deutsch und Hebräisch), eine Dokumentation zum Friedhof im nahe gelegenen Mühringen sowie Broschüren zu den jüdischen Flüchtlingen aus Rexingen und über die örtlichen jüdischen Viehhändler.

Doch damit sind Staudacher und Högerle noch längst nicht am Ziel: "Es ist immer noch ein großer Berg an Forschungsarbeit zu bewältigen", meint Högerle.

In dem ehemaligen jüdischen Betsaal in Horb soll ein neues Museum eingerichtet werden, und derzeit entsteht ein lokales Netzwerk von Lehrern, die sich dafür einsetzen, jüdische Lokalgeschichte in den Lehrplan aufzunehmen.

Michael Theurer erklärt: "Sie haben hier wirklich etwas verändert. Sie haben die Herzen der Familien in Rexingen ebenso geöffnet wie die Herzen der Familien von Shavei Zion und deren Nachkommen, und sie haben die Menschen zusammengeführt."

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