
Horb - Frostige Wochen im Februar sind eigentlich nichts Besonderes: Was soll's, es ist halt Winter, und Eiseskälte mit Sonnenschein kann man ja auch schön finden. Wenn aber eine Kältewelle anhält, mischen sich mulmige Gefühle in die Winterfreude. Auch in Horb.
Auf minus 19 Grad stand das Thermometer gestern Morgen in Freudenstadt – "aber in Horb ist es meistens einen Kittel wärmer", heißt eine Redensart. Den sprichwörtlichen Kittel weniger, den man in Horb anziehen muss, holt man jetzt gern aus dem Schrank – und den Wollpullover noch dazu. Vermummte Gestalten auf den Straßen halten sich mit flottem Laufschritt warm oder tapsen vorsichtig über die Eisplatten, die vom letzten Schnee übrig geblieben sind.
Zufrierende Gewässer und eisbepackte Rechen an den Kraftwerken sind sichtbare Zeichen der Kälte. Doch auch im Raum Horb zeigt der Frost immer mehr Wirkungen, die man nicht auf den ersten Blick sieht – und es gibt auch ein paar Risiken, die sich die Bürger einstellen sollten.
Brandgefahr: "Zur Zeit steigt das Risiko, dass es bei Feuerstellen zu Bränden kommt", berichtet Polizei-Pressesprecher Walter Kocheise. Ein falsch montiertes, zu heiß gewordenes Ofenrohr hat bereits einen Brand ausgelöst, und in Weitigen war es am Sonntag heiße Asche, die eine Biotonne in Brand setzte. Die Polizei mahnt zu Vorsicht bei Feuerstellen.
Eisflächen nicht betreten: Auch wenn's verlockend aussieht und man bereits Fußspuren entdeckt: Die Polizei warnt dringend davor, Eisflächen von Gewässern zu betreten. Selbst Gewässer, die man im Normalzustand als seicht einschätzt, können gefährlich sein. "Man weiß oft nicht, wie tief sie wirklich sind", sagt Kocheise.
Vorsorgen bei Autofahrten: Wahrscheinlich waren auch einige Autofahrer aus Horb und Umgebung unter den Autofahrern, die in der Nacht zum Sonntag im Stau standen, der sich nach einem Unfall auf der Autobahn bei der Ausfahrt Herrenberg gebildet hatte. Stundenlang mussten sie in der Eiseskälte warten – das DRK versorgte sie mit Heißgetränken. Die Polizei rät dazu, bei Autofahrten eine wärmende Decke (Schwäbisch "Teppich") mitzunehmen. Eine Notration Verpflegung sei ebenfalls nicht verkehrt.
Wasserkraft gedrosselt: Bald werden sich möglicherweise wieder Horber Stadträte über die geringere Produktion des neuen Wasserkraftwerkes beschweren – nötig ist's wohl nicht. Denn diesmal ist der Rückgang naturbedingt, versichert Eckhardt Huber, Geschäftsführer der Energie Horb am Neckar. "Die Wassermenge geht zurück." Zudem frieren die kleinen Kraftwerke ein. Die obere Anlage lief gestern noch, doch die untere (Schillerstraße 4) schaltete wegen Vereisung automatisch ab.
Frostige Ruhe im Wald: Dem Horber Wald tut die Kälte rein biologisch gesehen gut, so lange der Boden nicht zu tief gefriert. Das berichtet Dieter Zuleger von der Horber Außenstelle des Kreisforstamtes. Einziger Nachteil: Die Waldarbeiter haben Pause. "Zur Zeit sind die Bäume praktisch gefroren", schildert Zuleger. Wenn nur der Waldboden gefroren wäre, hätten die Forstleute allerdings den Vorteil, dass sich bei Fällarbeiten und dem Abtransport der Stämme die Bodenschäden in Grenzen halten würden. Zuleger geht außerdem davon aus, dass der Frost auch ein paar Waldschädlinge dezimieren wird.
Autobatterien werden knapp: Zündschlüssel drehen – und es tut sich nichts. So geht es derzeit vielen Autofahrern. Die gängigen Autobatterien sind vielerorts ausverkauft. "Neue Lieferungen sind im Laufe der Woche geplant", sagt Tatjana Brunner vom Fachmarkt Autoteile des Hela-Baumarks. Ein paar Tage könne es noch dauern. Startkabel seien bei dieser Kälte viel gefragt und Diesel-Fit. "Bei Minus zehn oder 15 Grad kann es passieren, dass der Diesel einfriert", erklärt Brunner.
Daunenjacken gefragt: Vor Weihnachten hat sie noch viele dünnere Wolljacken verkauft. "Jetzt kommen mache Frauen frierend in den Laden. Daunenjacken sind nun gefragt", sagt Elisabeth Vater von Pelz Gramer. Sie freut es, schließlich hat sie durch den bisher warmen Winter davon noch einige auf Lager. Außerdem sind dicke Wintermützen- und Hüte ein Renner, besonders bei den Herren. "Dafür kommen die Kunden sogar aus Freudenstadt oder Baiersbronn hierher." Bei ihrer Tochter Monika Schönfeld, die das Modehaus Schönfeld betreibt, sind neben dicken Jacken auch Cordhosen beliebt. "Außerdem kommt fast jeden Tag jemand, der nach Handschuhen fragt, aber die sind ausverkauft." Auch bei Schals und Mützen sei die Auswahl nur noch klein.
Erkältungen, aber keine Grippewelle: "Alles nur normale Erkältungen", gibt Sylvia Lippmann von der Stadtapotheke Entwarnung. Die Ansteckungsgefahr sei durch die Fasnet erhöht, da viele Leute viel Zeit auf engem Raum miteinander verbringen. Eine Grippewelle sei derzeit aber nicht in Sicht. "Frische Luft ist gut zur Abhärtung. Man sollte ruhig jeden Tag ein paar Minuten rausgehen, auch bei dieser Kälte", rät sie.
Rohre zugefrohren, Heizöl benötigt: Viel beschäftigt sind derzeit die Heizöl-Lieferanten. "Wir haben leider keine Zeit für ein Interview, wir sind am Routieren", hieß es dort auf Anfrage. Auch bei Wärmetechnik Faßnacht stand das Telefon kaum still. Der Grund: Viele Rohre sind zugefroren. Die Handwerker sind pausenlos im Einsatz.