Horb a. N. Der "Cheftrainer" ist jetzt Dettinger

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Von Trier nach Dettingen: Der Sprachtrainer Andreas Schnell hat einige Umzüge hinter sich und will in Dettingen sein großes Hobby, das Schauspielern, weiter ausleben. Geplant ist ein Projekt mit Doro Jakubowski. Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

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Alle Wege führen zurück an den Neckar. So geht es zumindest Andreas Schnell – vielen Horbern als Schauspieler in den Hauptrollen von Doro Jakubowskis Theater bekannt. Er ist jetzt Dettinger geworden.

Horb-Dettingen. Schnell lacht: "In meinem Leben bin ich ungefähr 27 Mal umgezogen. Jetzt bin ich hier wieder gelandet!" Schnell – Theaterfans als Schauspieler bekannt, der durch seine Präsenz und Präzision als Jedermann glänzt, oder als Higgins in "Pygmalion".

Dabei fing alles am Neckar an – und nach ein paar Umwegen landet "Cheftrainer" Schnell jetzt wieder in Dettingen. Cheftrainer? "Ja. Ich arbeite seit knapp zehn Jahren für die Sprechakademie. Die haben damals in Österreich angefangen, Radiomoderatoren für das Privatradio auszubilden. Als sie gemerkt haben, dass nicht nur Moderatoren, sondern viele Menschen diese Dienstleistung nachfragen, sind sie auch nach Deutschland expandiert. Dort bin ich inzwischen Cheftrainer für Deutschland!"

Der Start am Neckar: in Tübingen. Schnell hatte hier Germanistik und Geschichte studiert – auf Magister. Schnell: "Weil mir das dann doch nicht so lag, habe ich angefangen, Theater zu spielen. Ich ging in Balingen auf die Schauspielschule. Danach ging ich an eine Schauspielschule in Hamburg. Danach habe ich unter anderem in Emmendingen bei Freiburg gespielt und im Zimmer-Theater in Rottweil. Bis ungefähr zum Jahr 2000."

Dann zog Schnell nach Neumünster um: "Hier habe ich für einen freien Finanzmakler im Außendienst gearbeitet. Doch der ist zu schnell expandiert und leider insolvent gegangen." Doch das Schleswig-Holstein Abenteuer brachte Schnell wieder zur Schauspielerei: "Für eine Weihnachtsfeier sollten wir ›Dinner for One‹ aufführen. Da hat mich das Schauspielfieber wieder gepackt."

Doch wovon leben? Schnells Schwager, der in Luxemburg eine Firma hatte, bot ihm einen Job an. Der Theatermann startete als "kaufmännischer Angestellter". Schnell: "Gott sei Dank hatte mein Schwager auch Tankstellen – wenn ich genug vom Büro hatte, habe ich da ausgeholfen. Als dann die Chefsekretärin wegen einer Risikoschwangerschaft unerwartet ausfiel, musste ich dann einen Teil ihrer Aufgaben übernehmen. Dann war leider keine Zeit mehr für Tankstellen." 

Und weil er in der Firma seines Schwagers war, hatte Schnell immer lange Wochenenden ab Freitag, an denen er sich seiner großen Liebe – dem Theater und dem Wort – widmen konnte. 2006 gründete er eine eigene Theatergruppe in Trier: "Sogar den Macbeth haben wir gespielt." Dann der nächste Zufall. "Vor ungefähr sieben Jahren ging die Sprechakademie, die ursprünglich aus Österreich kommt, nach Deutschland. Erst nach Köln, dann nach Frankfurt. So habe ich am Wochenende als Dozent für das Sprechtraining Kurse gegeben." Bei diesem Pensum – vier Tage Vollgas in der Firma des Schwagers in Luxemburg und danach dann Seminare überall in Deutschland oder Theater – war Schnell die Ein-Zimmer-Wohnung in Trier egal: "Ich war ja ohnehin kaum da. Da störte es mich auch nicht so sehr, dass die Requisiten und die Theatertechnik auch noch neben meinem Schreibtisch standen." 2011 wurde er auch noch Jugendleiter im Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz. 

Dann verkaufte sein Schwager die Firma – und der neue Besitzer wollte natürlich den Familieneinfluss minimieren. Schnell: "Ich habe nach zehn Jahren die Kündigung bekommen. Das war auch in Ordnung, denn so war ich lange genug dabei für die Rente." 2016 in der Arbeitslosigkeit gründete Schnell dann seine eigene Akademie: Die S.U.S. Steht für Schauspiel und Sprache. "Mein eigenes Institut!" Weil er arbeitslos war, konnte er noch vom Existenzgründerzuschuss profitieren. Schnell: "Und das S.U.S lief besser an, sodass ich eher als gedacht auf eigenen Füßen stand."

Einziges Problem: Wie managt man die vielen Sprechtrainings, Coachings, und Lern-Vorträge für den Verein "LVB Lernen – das Lernen lernen", für die Schnell inzwischen auch noch arbeitete, von einer Ein-Zimmer-Wohnung aus? "Das hat mich schon zuletzt genervt. Du kannst dich am Schreibtisch nicht auf die Buchhaltung oder Konzeption konzentrieren, wenn im Blickfeld optisches Chaos herrscht."

Die Horber Theatermacherin Doro Jakubowski bot ihm dann an, nach Dettingen zu ziehen. "Hier habe ich eine richtige Wohnung. Mein Büro ist separat. Ich habe ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und eine Küche. Und die Sprechakademie war auch ganz begeistert von meinem Umzug: Prima, dann können wir jetzt auch Kurse in Stuttgart und der Schweiz anbieten."

Seit 1. Januar diesen Jahres ist Andreas Schnell offiziell Dettinger: "Ich habe sogar eine eigene Mülltonne", sagt er und lacht. "Und die Verkehrsverbindungen von Horb sind viel besser als von Trier. Mit dem Zug bist du in zwei Stunden in Zürich oder in 45 Minuten in Stuttgart. Von Trier gab es nur den Bummelzug! Weil ich auch viele Vorträge hier in der Region halte, spare ich jetzt jede Menge Benzin."

Für den umtriebigen Schnell – "meine Woche könnte acht Tage haben" – die ideale neue Heimat. Die ihn auch beflügelt: "Hier findet man schnell Kontakt zu den Menschen und hat schnelle Wege – du weißt genau, wo was ist." Und das inspiriert ihn auch zu seinem neuesten Projekt: Zusammen mit Jakubowski hat er den Till Eulenspiegel neu geschrieben. "Als Erwachsenenstück. In der Originalfassung des Buches, was um 1500 erschien, ging es richtig derb zu. Und das wollen wir hier in Dettingen draußen mit akrobatischen Einlagen und deftigen Sprüchen auf einem Theaterspaziergang auf die Bühne bringen." Dazu studiert er die Dorfchronik. Schnell: "Ich suche die passenden Geschichten und Sagen, um die in einer Gesamtkompostion zu einem historischen Mahl umzusetzen."

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