
Von Angela Baum Horb. "Musik versteht man in der ganzen Welt" steht auf dem Bus, mit dem die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz nach Horb zu den Musiktagen reiste.
Mit einem fulminanten Konzert mitten in der Gartenschau bewiesen die Musiktage zum 15. Mal, dass dieses Motto der Philharmonie stimmt. Stadtmusikdirektor Sven Gnass dirigierte die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, und das Publikum war begeistert von den virtuosen Leistungen der Philharmoniker und der Solisten.
Eine Pianistin mitunglaublicher Energie
Fulminanter Auftakt der Konzertgala war Peter Tschaikowskys berühmtes Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in b-Moll, bei dem Liza Stepanova aus New York brillierte. Die Pianistin spielte energiegeladen, hämmerte die markanten Läufe mit Elan und glänzte mit absoluter Perfektion und Virtuosität. Doch auch ruhigere, zarte und weiche Passagen spielte sie virtuos mit technischer Versiertheit. Ein fulminantes Crescendo beendete den ersten Satz, ein Allegro molto maestoso.
Perlende Läufe prägten den zweiten Satz des Klavierkonzerts, ein Andantino semplice. Liza Stepanova zauberte am Klavier, und das begeisterte Publikum applaudierte nach jedem Satz, am Ende des Klavierkonzerts gab es dann kein Halten mehr.
Auch beim zweiten Konzertstück konnte man die Pianistin erleben, sie begleitete Dmitri Schostakowitschs "Suite für Varieté-Orchester" am Flügel. Humorvoll interpretierte die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz das siebensätzige Stück, ein absolutes Meisterwerk des Komponisten. Die Pauke setzt Akzente beim ersten Satz, einem Marsch, ebenso das Glockenspiel, welches immer wieder aufscheint. Schon nach dem ersten Satz gab es "Bravo"-Rufe im Publikum, welches die absolute Spitzenklasse der Musiker mit viel Beifall honorierte.
Rasant und in halsbrecherischem Tempo dann der zweite Satz, ein Tanz, bei dem Trompeten immer wieder Akzente setzen. Kurze Pizzicato-Einlagen der Streicher lockern das Stück auf. Im Allegretto scherzando, dem dritten Satz, bewiesen die Musiker auch und gerade bei leisen, gefühlvollen Passagen ihre Virtuosität. Eine kleine Polka gefiel mit Glockenspiel-Einlagen, und zwei Walzerthemen verzauberten die Zuhörer-Musiktage im Dreivierteltakt. Ein Trommelwirbel läutete das Finale ein, im Fortissimo endet das Stück.
Dass die Süddeutsche Philharmonie im Südwesten ganz oben mitspielt, bewies sie mit Maurice Ravels "Bolero" in meisterlicher Interpretation. Das zunächst zarte, dann anschwellende Thema, welches sich aus einem steten Trommeln entwickelt, war wie gemacht für einen lauen Frühlingsabend. Und die Besucher des Neckarblühens nutzten die Gelegenheit, ein Spitzenkonzert auf einem der Parkbänkchen zu belauschen.
Dessislava Keperenova war die Trommelsolistin, sie bestach mit absoluter Präzision. Die anderen Instrumente kamen einzeln dazu, ein Reigen, der etwa eine Flöte oder die Bläser in den Mittelpunkt stellt. Die Streicher unterstreichen den Rhythmus – mal im Pizzicato, mal das Instrument quasi gitarrenmäßig schlagend. Die Trommlerin hatte ihre große Stunde, brillant dirigiert von Sven Gnass.
Schirmherr des Konzertabends war OB Peter Rosenberger, der das "wunderbare Programm" der 15. Musiktage rühmte. Ziel sei es, den Spaß an der Musik mit den Besuchern zu teilen.
Auch Horbs ehemaliger Oberbürgermeister Michael Theurer zählte zu den rund 400 Gästen des Konzertabends, er fand die Leistungen des Orchesters und der Pianisten "klasse".