Horb a. N. Blumen für Lehrerin Christa

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Die Flüchtlinge überreichten Lehrerin Christa Stiegenroth Blumen. Heute ist die letzte Unterrichtsstunde für die ersten Deutschkurse am Hesse-Kolleg. Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Jürgen Lück

Heute ist letzter Schultag für 120 Flüchtlinge im Hermann Hesse-Kolleg. Die "Blitz-Akademie" für die ersten Deutschkurse war bisher ein voller Erfolg.

Horb. Eden Volohonsky, Leiter des Hermann Hesse-Kollegs: "Am Donnerstag ist die Abschlussprüfung auf dem Sprachlevel A1. Wir haben ungefähr 120 Anmeldungen. Ich bin froh, dass so viele der Schüler ausgeharrt haben."

Denn: Die "Blitz-Akademie" im Hermann Hesse-Kolleg stand innerhalb knapp einer Woche. Die Idee: Für die vielen Flüchtlinge in der Raumschaft einen Einführungskurs Deutsch anzubieten. Volohonsky: "Im Gegensatz zum Integrationskurs war das ein offenes Unterrichtsangebot, damit die vielen Flüchtlinge gleich Deutsch lernen können. Wir haben 160 offene Einladungen verschickt und sind angenehm überrascht, wie viele mitgemacht haben." Der Leiter versteht, dass die Schülerzahl in der Zwischenzeit etwas gesunken ist: "Einige sind weggezogen, anderen hatten Kummer und Probleme."

Ein Gebäude an der Neckarstraße. Hier macht Christa Stiegenroth gerade Pause – die letzte Unterrichtsstunde. Die Deutsch-Lehrerin, die über 25 Jahre Deutsch als Fremdsprache in Frankreich unterrichtet hatte, sagt: "Es sind fast alle da. Nur drei fehlen – die müssen was im Rathaus erledigen."

Ihre gut ein Dutzend Schüler sind voll motiviert

Volohonsky hat ihr die schwierigste Aufgabe anvertraut. Er sagt: "Weil sie eine ausgebildete Lehrerin ist und sehr fantasievoll auch im Theater und Gesang unterrichtet, habe ich ihr den Alphabetisierungskurs anvertraut. Ihre Schüler können teilweise nicht mal arabisch sprechen oder schreiben."

Und ihre gut ein Dutzend Schüler sind voll motiviert. Muhamed erzählt auf Deutsch sein Leid: "Wir haben so viele Sorgen. Wir können kaum lernen."

Er ist in Bittelbronn untergekommen und klagt darüber, dass er immer noch keine Papiere von der BAMF (Bundesanstalt für Migration und Flüchtlinge) bekommen hat: "Immer wieder gibt es Befragungen und Tests. Doch es passiert nichts. Langsam, langsam, langsam, das ist nicht gut. Es kommt einfach keine Post nach Bittelbronn."

Dann schaut er zu Mounaf rüber. Er hat ein christliches Kreuz auf seiner Hand tätowiert. Muhamed sagt: "Ich habe noch meine Familie in Syrien. Ich weine immer um meine Frau und meine Kinder. Das ist nicht gut."

Die Lehrerin lächelt: "Ich habe das Gefühl, dass meine Schüler jetzt zu einer guten Gemeinschaft zusammengewachsen sind. Am Anfang war es nicht einfach, dass sie meine Rolle als Frau richtig gesehen haben. Aber inzwischen klappt das. Und das führt dazu, dass auch ich unheimlich viel von ihnen gelernt habe, weil wir gegenseitig Respekt voreinander haben." Dann zeigt sie auf Ali. Er schaut etwas zurückhaltend. Christa sagt: "Wenn der sein Shirt hochzieht, siehst du die Einschusslöcher."

Das Sekretariat ist auch Anlaufstelle für Flüchtlinge geworden

Das Sekretariat im Hermann Hesse-Kolleg ist inzwischen auch Anlaufstelle für die Flüchtlinge geworden, um ihnen Behördendeutsch und den Ablauf zu erklären, wie Leiter Volohonsky erzählt: "Die Betreuung geht über den Unterricht hinaus." Aber die wenigen gläubigen Christen wie Mounaf fühlen sich alleingelassen, wie Lehrerin Stiegenroth erzählt: "Es ist sehr Schade, dass sich die Kirche nicht um ihn kümmert. Die Christen unter den Flüchtlingen brauchen mehr Betreuung."

Plötzlich wird es wieder laut. Die fehlenden Schüler sind wieder da – und haben Blumen für die Lehrerin! Hoschenk grinst: "Wir waren im Kaufland." Die Schüler skandieren: "Christa, Christa, Christa!" Dann schnell noch das Gruppenfoto – und die Lehrerin besteht auf ein Extra-Foto mit Hoschenk allein: "Ich bin richtig gerührt. Auf Hoschenk bin ich besonders stolz. Als er anfing, konnte er keinen Buchstaben schreiben – weder auf Arabisch noch auf Latein. Jetzt hat er das gelernt."

Und Muhamed aus Bittelbronn sagt: "Dass der Unterricht hier jetzt zu Ende ist, ist nicht gut. Jeder hier möchte in die Schule und sprechen lernen."

Doch es gibt Hoffnung für die Schüler. Hermann Hesse-Kolleg Leiter Volohonsky: "Wir sind gerade in guten und konstruktiven Verhandlungen mit dem Landratsamt. Dazu führen wir sehr aktive Gespräche mit dem VHS-Abteilungsleiter Marc Vogt. Wir sind extrem froh, in ihm einen flexiblen und unbürokratischen Partner zu haben." Und das heißt: Muhamed, Mounaf und all die anderen könnten schon ab Mai – wenn die nächsten Kurse starten sollen – wieder bei Christa in der Klasse sitzen.

  
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