Horb a. N. Bittersüße Dialoge mit dem Piano

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Mut zur puren Melancholie: Patty Moon spielte im Horber Kloster. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Peter Morlok

Um es gleich vorwegzunehmen – die Frau, die am Aschermittwoch im Kloster allein mit ihrem Klavier den Fasnetsblues aus den Köpfen einer größeren Anzahl Horber Narren spielen wollte, heißt nicht Patty Moon, sondern Judith Heusch.

Horb. Sie ist Mitbegründerin der Band, die unter dem Namen Patty Moon mehr als nur Achtungserfolge in der deutschen Singer/Songwriter-Szene erzielte, ohne jedoch ständig in den Medien aufzutauchen. Drei Alben und ein Longplayer, alle englischsprachig, sind in den 16 Jahren der Zusammenarbeit von Judith Heusch und Multiinstrumentalist Tobias Schwab entstanden, doch Schwab verließ 2014 das Duo Patty Moon, um sich fortan anderen und eigenen Projekten zu widmen. Und nun gibt es eben Judith Heusch solo, pur und unplugged, allein mit Stimme und Piano.

Vorschusslorbeeren bezogen sich mehr auf das künstlerische Gestern und nicht auf das Hier und Jetzt

Vi elen ist die Dame auch als Kitty König aus der Sonntagvorabendserie "Lindenstraße" bekannt, in der sie in einigen Episoden das spielte, was sie am besten kann: Eine klavierspielende Sängerin, die in einer Jazzbar auftritt.

Am Mittwochabend fand sie nun den Weg nach Horb. Mit im Gepäck hatte sie eine Zusammenstellung der Songs, die sie unter dem alten Bandnamen aufgenommen hatte, und eine nicht zu überhörende Halsentzündung. Hartmut Denn-Neubert, beim Projekt Zukunft mitverantwortlich für die Musikauswahl, zeigte sich, nachdem auch noch die letzten Besucher, teils noch mit ihrem Essen unterm Arm, den Weg von der Gaststätte in den Konzertsaal fanden, überwältigt vom Besucheransturm, den man so eigentlich nicht erwartet hatte. Stühle waren mal wieder knapp, und das Hin und Her, bis jeder Besucher dann doch auf dem Platz saß, den er vorher mit Mantel, Schal oder Jacke reserviert hatte, erinnerte an einen belebten Marktplatz.

Irgendwann saßen dann alle – auch Frau Heusch. Sie hinter dem klostereigenen Klavier, das sie mit einem Bild ihres Kindes und einer handgeschriebenen Setliste ausstaffiert hatte, und das ihr Ansprechpartner, ihr Fix- und Haltpunkt für den ganzen Abend blieb. Kaum Blickkontakt mit dem Publikum, sparsame Informationen zum Lied und, falls überhaupt vorhanden, recht gut versteckte Fröhlichkeit in den Songs. Nahezu ideal zur leicht depressiven Stimmung am Aschermittwoch.

Sie kam, spielte und sang. Viel mehr war es nicht, obwohl man ganz am Anfang des Konzertes, zu dessen Auftakt sie das 2004 geschrieben Lied "Humming" wählte, glauben durfte, dass so etwas wie ein interaktives Miteinander entstehen könnte. Im diesem Lied konnte man immer mal wieder Textfragmente wie "Heimat" oder "ich bin heimgekommen" hören und ihre dazugehörige Geschichte, in der sie erzählte, dass sie hier im Schwäbischen aufgewachsen sei und nun irgendwo im badischen Breisgau lebt und sich die Dörfer nicht in Vielem unterschieden würden, klang mehr als bekannt. Überall muss man sein Auto vernünftig parken und vor allem was Ordentliches schaffen. Als ein ältere Mitbewohnerin hörte, dass sie Musikerin sei, stellte die klar fest: "Joh, dann schafft die joh garnentz". So kann man das nun wirklich nicht sagen. Einen Konzertabend mit angeschlagener Stimme durchzustehen, das ist schon eine ordentliche Leistung. Und dies vor dem Anspruch, die Songs wenigstens annähernd so zu bringen, wie man sie einst auf CD eingesungen hat. Tja, nur Anspruch und Wirklichkeit liegen manchmal weit auseinander. Für die im katholischen Horb fast körperlich spürbare Traurigkeit am Aschermittwoch war "Patty Moon-Heusch" jedoch geradezu die Idealbesetzung, auch wenn die Vorschusslorbeeren, mit der die Sängerin und Pianistin angekündigt wurde, sich mehr auf das künstlerische Gestern und nicht auf das Hier und Jetzt bezogen.

  
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