Horb - Es klingt wie ein Scherz, ist aber Wahrheit: Für den Bau einer "Higschool" der US Army in der Panzerkaserne in Böblingen werden fünf Hektar Wald auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Horb aufgeforstet. Die Stadtverwaltung wusste bisher nichts davon.

Erst durch die Anfrage von Stadtrat Thomas Mattes (SPD) im städtebaulichen Ausschuss der Stadt am Dienstagabend wurde diese Ausgleichsmaßnahme bekannt.

Dieser hatte einen Artikel in der Böblinger Zeitung gelesen, die über die Aufforstung in Horb berichtete. Für Bürgermeister Jan Zeitler, der die Sitzung leitete, und Stadtplaner Peter Klein war das absolutes Neuland, im wahrsten Sinne des Wortes.

Verantwortlich für diese "Kasernenflächen-Rochade" ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die US-Streitkräfte wollen ihren Standort Panzerkaserne in Böblingen ausbauen (siehe Info).

Nun kommt Horb ins Spiel: Denn für den Schulneubau in der Panzerkaserne wird eine Ausgleichsfläche benötigt. Der Bund kann diese im "Naturraum Gäuplatten/Neckartal" suchen, wozu sowohl Böblingen als auch Horber Gemarkung gehört. So kommt es dazu, dass der Bund aus seinen vorhandenen, brach liegenden Flächen nach dem Abzug der Bundeswehr aus der Hohenberg-Kaserne in Horb schöpft."Da können wir nichts machen", sagte Bürgermeister Zeitler in der Sitzung. Denn bei der Flächennutzung hat die Stadt kein Mitspracherecht.

Joachim Patig, Fachbereichsleiter Steuerungsdienste, warf in der Sitzung aber ein, dass der ehemalige Truppenübungsplatz von der Stadt schon als Ausgleichsfläche für den Bau der Hochbrücke und der Ortsumfahrung Bildechingen ins Gespräch gebracht worden sei. Denn auch hier handelt es sich um Maßnahmen des Bundes.

Hat die aktuelle BIMA-Entscheidung nun Auswirkungen für die Hochbrücke? Insgesamt ist das Gelände deutlich größer, so Stadtplaner Peter Klein im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Truppenübungsplatz habe eine Größe von 43 Hektar.

In welchem Bereich sich die Aufforstung genau abspielen wird, wisse man nicht. Der Aufforstung müsse noch die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes zustimmen.

Die Stadtverwaltung will nun noch einmal das Gespräch mit der BIMA suchen, und auf die Ausgleichsfläche für die Hochbrücke hinweisen – vielleicht auch, um weitere Flächennutzung zu verhindern. "Mehr als nachfragen können wir aber nicht", so Zeitler.

Die Panzerkaserne ist fast schon eine eigene Stadt der US Army neben der Stadt Böblingen. Es ist amerikanisches Hoheitsgebiet, es wird mit Dollar bezahlt, die Military Police sorgt für Recht und Ordnung – die Flächennutzung läuft über den Bund. Das neueste Projekt in "US-Army-City": Es soll eine Grundschule und eine "Highschool" für insgesamt rund 1000 Schüler entstehen, wie die Böblinger Zeitung berichtete.