
Von Ina Armbruster Horb. Fisch und Kartoffelsalat genossen die Besucher am letzten Tag der Vesperkirche. Rund 1800 Gäste nutzen das Mittagsangebot in den vergangenen zwei Wochen.Georg Straub sitzt am Ende des Tisches und unterhält sich angeregt mit seiner Tischnachbarin. Die hat er gerade erst kennengelernt. Kontakte knüpfen – kein Problem für den 75-Jährigen. Er freut sich, dass er sich von seinem Bekannten Joachim Koschewski hat überreden lassen, mit zur Vesperkirche zu kommen. "Ich wollte zuerst gar nicht kommen. Ich dachte ›Was soll ich denn bei den Armen?‹", gibt er zu. Er dachte, die Vesperkirche sei nur für Bedürftige. "Nicht nur. Da kommen viele Leute hin, auch Arbeiter oder Bank-Mitarbeiter", klärte Koschewski ihn auf.
Denn genau das ist das Konzept der Vesperkirche: Möglichst viele, unterschiedliche Menschen an einen Tisch zu bringen. Darunter selbstverständlich auch Bedürftige – aber wer dazu gehört, fällt durch das neue Zahlungskonzept gar nicht mehr auf. Statt einer Kasse stehen Spenden-Behälter auf den Tischen. "So achtet niemand darauf, wer wie viel Geld für das Mittagessen bezahlt. Wer kein Geld hat, brauchte gar nichts zu geben", erklärt Dekanatsreferent Achim Wicker. "Dadurch haben sich auch mehr Bedürftige getraut, zu kommen", freut er sich. 1800 Besucher seien es insgesamt gewesen – 300 mehr als im vergangenen Jahr. Allein gestern, am letzten Vesper-Tag, kamen 170 Gäste.
Eine logistische Leistung, die ein eingespieltes Team erbringt: Anton Maier, Margarete Peters und Peter Keller, die für die Koordination des Essens zuständig waren, hatten alle Hände voll zu tun, aber auch die Mitarbeiter in der Küche und die vielen ehrenamtlichen Helfer. Elisabeth Steimle spielte Klavier und sorgte somit für eine schöne Atmosphäre beim Essen im Steinhaus.
Georg Straub ärgert sich ein bisschen, dass er erst am letzten Tag zum ersten Mal gekommen ist. Vor zwei Jahren starb seine Frau überraschend, seitdem kocht er eigentlich jeden Tag für sich alleine. An diesem Tag lässt er sich gerne bekochen. "Alles einwandfrei. Und die Leute sind sehr freundlich", sein Fazit. Er will nächstes Jahr wiederkommen – und das nicht erst am letzten Tag.