Höfen/Pforzheim. Zugegeben, die Produkte der Adler AG in Höfen sind auf den ersten Blick "nicht wirklich sexy", räumt Vorstandschef Lutz Adler ein.

"Unser Know-how liegt in der Beratung, Entwicklung, Produktion, Fertigung und Systemintegration von Blechbaugruppen", erklärt der gebürtige Pforzheimer. Blechbaugruppen – tatsächlich nicht besonders sexy. Aber eben nur auf den ersten Blick. "Wir lasern, stanzen, biegen, schweißen und fräsen", sagt Lutz Adler.

In der Adler-Gruppe vereinen sich neben der Namensgeber-Firma die Unternehmen NDT Display Technology sowie Graf Werkzeugsysteme. Diese Kombination aus moderner Metallverarbeitung und hochwertiger Elektronik bringt Produkte hervor, die in vielen Bereichen der Industrie als sogenannte Systemkomponenten benötigt werden. Sie begegnen dem gemeinen Bürger vielfach in seinem Alltag. Beispiel: Wer mit seinem Auto das nächste Drive-in-Restaurant ansteuert und vom Fahrzeug aus an der Em­pfangssäule mit Display und Bildschirm die Fleischklopsbrötchen mit Limonade bestellt, der nutzt Adler-Technologie – Gehäuse und Flatscreen. Weiteres Beispiel: Wer sich beim Orthopäden mit dem Stoßwellengerät behandeln lässt, der nutzt Adler-Produkte – Monitor und Elek­tronik. Oder: Wer an einem öffentlichen Automaten einen koffeinhaltigen Muntermacher ausgießen lassen will, der tippt seine Bestellung auf ein Display aus der Technologieschmiede der Adler-Tochter NDT ein.

Der Konkurrenz einen Schritt voraus sein

"Hier ist Innovation Programm. Das Thema Ressourcen-Effizienz und damit die Nachhaltigkeit haben einen hohen Stellenwert", lobt Burkhard Thost, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald, beim Ideen- und Inspirationsnachmittag des Unternehmens in Höfen. Thost weist auf den international agierenden, "brutalen Wettbewerb hin". Für deutsche Firmen bedeute dies, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein und unentwegt neue Ideen hervorzubringen. Das Höfener Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben dieser Herausforderung gestellt, was der Firmenslogan ausdrücken soll: "Adler-Ideen fliegen höher."

An den kreativen Höhenflügen beim Adler-Inspirationsnachmittag, moderiert von Marketingfachfrau Karin Martini, nahmen neben Firmenkunden unter anderem Vertreter der Volksbank Pforzheim, der Hochschule Pforzheim und verschiedener Verbände teil. Auch der 85-jährige Firmengründer Gustav Adler und Ehefrau Lotte waren dabei. Lutz Adler über seinen Vater: "Er war vor allem in der Zeit des Firmenübergangs mein Sparringspartner." Die beiden Pforzheimer Professoren Ralph Schieschke und Jürgen Goos betreiben neben ihrer Hochschultätigkeit die Firma "cognito – Design und Engineering" in Karlsruhe. Ihr Thema bei Adler: "Wie viel Design verträgt die Industrie?" Antwort: Es könne gar nicht genug sein, glauben Maschinenbau-Ingenieur Schieschke und Industrie-Designer Goos. Aber: "Funktion und Design sollten sich ergänzen." Technologie und Funktionsweise der Produkte seien heutzutage oftmals gleich. Unterscheiden könnten sie sich meist nur durch bessere Handhabung und besseres Aussehen.

"Die emotionale Bindung zu einem Produkt ist wichtig", sagt Schieschke. Das könne so weit führen, dass selbst die Industrie-Maschine in einer großen Fabrikhalle durch entsprechende Gestaltung einen höheren Produktionsausstoß haben könne, weil die daran arbeitenden Mitarbeiter durch die ansprechende Optik und verbesserte Bedienung mehr Freude an ihrem Arbeitsplatz hätten.

Und auch das müsse Design leisten, macht Goos deutlich: "Es darf nicht nur Umhüllungsform sein, sondern muss die Eigenart des Produkts zum Ausdruck bringen." Beispiel: "Hätte ein Porsche die Form des Dacia Logan, würde niemand ein PS-starkes, sportliches Innenleben dahinter vermuten." Was muss gute Gestaltung also leisten? "Den neuesten Stand der Entwicklung transparent machen, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit vermitteln", sagt Goos.