Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute. Eine anschließende Therapie ist notwendig.

Der akute Herzinfarkt ist neben dem Schlaganfall die häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung. In Deutschland erleiden jährlich etwa 400.000 Menschen einen Herzinfarkt. Wenngleich die meisten Infarkte bei älteren Personen (über 65 Jahre) auftreten, sind insbesondere Männer manchmal schon im jungen Alter (ab 35 Jahre) gefährdet. Der Herzinfarkt entsteht auf dem Boden der Ablagerungen („Plaques“), die sich bei Einwirkung der Risikofaktoren in den Herzgefäßen ausbilden. Früher glaubte man, das kontinuierliche Wachstum der Ablagerungen führe zu einer zunehmenden Verengung bis hin zum Gefäßverschluss, der dann den Herzinfarkt auslöse. Dieses Konzept trifft aber, wie man heute weiß, nur selten zu. Vielmehr entstehen und wachsen die Ablagerungen schubweise. Einzelne Ablagerungen sind besonders durch Komplikationen gefährlich: Sie können plötzlich aufbrechen („Ruptur“). Die Inhalte der Plaques stehen dann in direktem Kontakt mit dem Blutstrom, was zur Ausbildung eines Blutgerinnsels führen kann. Bleibt das Blutgerinnsel klein, merkt die betroffene Person unter Umständen nichts. Das Gerinnsel wird durch Heilungsprozesse in Bindegewebe umorganisiert, und die Ablagerung erfährt einen Wachstumsschub.

Von „Ablagerung“ bis „Zelltod“ – ab wann wird es gefährlich?

Wenn die nun dickeren Ablagerungen im Gefäß erneut aufbrechen und ein größeres Gerinnsel entsteht, dann ist die Durchblutung des Herzmuskels bereits massiv gestört. Schon in diesem Stadium der Erkrankung (Angina Pectoris) können starke Brustschmerzen auftreten. Sie sind immer ein Alarmzeichen. Wenn das Gerinnsel einen großen Teil des Gefäßes verlegt oder es komplett verschließt, kommt es je nach Schwere und Dauer der Durchblutungsstörung zum Herzinfarkt, zu Herzrhythmusstörungen oder sogar zum plötzlichen Herztod. Durch das unvermittelte Versiegen des Blutflusses geraten die Herzmuskelzellen in eine Art Schockzustand. Wird die Durchblutung rasch wiederhergestellt, so können sich die Zellen wieder erholen. Anderenfalls sterben sie ab, und es entsteht eine Narbe. Das Nebeneinander von gesunden und geschädigten Zellen im Herzmuskel führt häufig zu Herzrhythmusstörungen beim akuten Herzinfarkt. Wenn diese sehr stark ausgeprägt sind, wird die Pumpfunktion des Herzens aufgehoben: Der normale Herzschlag weicht ungeordneten Zuckungen. Es resultiert ein Herz-Kreislauf-Stillstand, der innerhalb von wenigen Minuten zum Tode führt.

Herzinfarkt - Symptome / Diagnose

Bei Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt sind sofort lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen. Deshalb sollte bereits bei den ersten Anzeichen eines Herzinfarkts der Rettungsdienst über die bundesweite Notrufnummer 112 gerufen werden. Hinweise auf einen Herzinfarkt sind beispielsweise folgende Symptome:

  •     schwere, lang andauernde, nicht selten brennende Schmerzen im Brustkorb, die in beide Arme, Bauch, zwischen die Schulterblätter und in den Unterkiefer ausstrahlen,
  •     Schmerzen im Hals oder Oberbauch,
  •     starkes Engegefühl im Brustkorb,
  •     Übelkeit, Erbrechen,
  •     plötzlicher Kreislaufzusammenbruch (Kollaps mit und ohne Bewusstlosigkeit),
  •     zum plötzlichen Hinsetzen oder Hinlegen zwingende Luftnot,
  •     blasse, fahle Gesichtsfarbe und kalter Schweiß,
  •     Gesichtsausdruck unmittelbarer Bedrohung, oft bis zur Fremdheit verändert,
  •     zunehmende Unruhe bis hin zu Todesangst.

Bei Frauen sind Luftnot, Übelkeit und Erbrechen oft alleinige Alarmzeichen. In einzelnen Fällen – etwa bei Menschen, die an der Zuckerkrankheit (Diabetes) leiden – kann es auch zu einem „stummen“ Infarkt kommen, den der Patient selbst nicht bemerkt oder nicht als solchen erkennt.

Herzinfarkt - Behandlungsmöglichkeiten


Je früher ein Patient in die Klinik eingeliefert und behandelt wird, desto besser sind seine Überlebenschancen. Die Behandlung des akuten Herzinfarkts zielt darauf ab, das verschlossene Gefäß möglichst rasch wieder zu eröffnen. Durch eine rasche Gerinnselauflösung mit Medikamenten (Lysetherapie) oder, besser noch, mit einer Herzkatheterbehandlung kann der Schaden am Herzmuskel klein gehalten werden, und das Risiko von Herzrhythmusstörungen verringert sich. Weil in kurzer Zeit immer mehr Herzmuskelzellen absterben und sich gefährliche Herzrhythmusstörungen ausbilden können, zählt jede Minute. Patienten, bei denen bereits ein Herz-Kreislauf-Stillstand vorliegt, können durch die umgehende Abgabe eines elektrischen Schocks (Defibrillation) gerettet werden. Bis dahin lässt sich durch Herzdruckmassage im Rahmen der Wiederbelebung noch eine kurze Zeitspanne überbrücken. Bei sofortiger Behandlung – und falls das Herz nicht bereits schwer vorgeschädigt ist – kann fast jeder Herzinfarkt einem günstigen Verlauf zugeführt werden. Leider sieht die Realität anders aus: In der Bundesrepublik Deutschland versterben etwa 40 Prozent aller Herzinfarktpatienten innerhalb von 28 Tagen. Die wichtigste Ursache für diese erschreckende Zahl liegt darin, dass bis zur Behandlung des Infarkts zu viel Zeit verstreicht.
 

 
          0