Hechingen Tiefe Einblicke in Beginn der Judenverfolgung

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Norbert Kirchmann,Ulrich Schwarz, Ursula Wiedmann und Rudolf Guckelsberger gestalteten die Gedenkveranstaltung an den Beginn der Judendeportationen vor 70 Jahren. Foto: Schwager Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Karl Schwager

Hechingen. 2500 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden zwischen 1941 und 1945 aus Hohenzollern und Württemberg in Konzentrationslager verschleppt. Daran wurde am Mittwoch in der Alten Synagoge in Hechingen erinnert.

Fünf "Schlichte Weisen" des deutschen Komponisten Max Reger erklangen zum Auftakt der Gedenkfeier, die daran erinnerte, dass die Deportationen jüdischer Bürger Württembergs und Hohenzollern, der Auftakt eines Massenmords, vor genau 70 Jahren begann. Die Synagoge war zu dieser Veranstaltung sehr gut besucht.

Im Geleit von Norbert Kirchmann am Konzertflügel und Ulrich Schwarz am Cello sorgte die Hechinger Sopranistin Ursula Wiedmann mit ihrer wunderschönen Stimme für besonders stimmungsvolle musikalische Akzente, bevor Rudolf Guckelsberger mit dem noch druckfrischen neuen Buch von Otto Werner ans Podium trat. Was er daraus vorlas, bewegte zutiefst. An drei Orten unterm Zoller lebten bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten Deutsche jüdischen Glaubens. Hundert in Hechingen, 188 in Haigerloch und zwei in Dettensee. Viele von ihnen ahnten die Gefahr durch das Terrorregime Hitlers. Sie emigrierten oder flüchteten ins Ausland – unter ihnen auch der jüdische Kaufmann Joseph Julius Walther Ende 1938. Der Inhaber eines Konfektionsgeschäfts verkaufte sein Haus wie auch seinen Laden am Hechinger Marktplatz und siedelte mit seiner Familie in die USA um, um der zunehmenden Hetze und Schikane des Dritten Reichs zu entkommen. "Der Hechinger Marktplatz ist nunmehr judenfrei" kommentierten die "Hohenzollerischen Blätter" dieses Ereignis mit hämischer Freude, so beschreibt Werner die damalige Stimmungslage in seinem neuen Buch "Deportation und Vernichtung hohenzollerischer Juden", aus dem Rudolf Guckelsberger an diesem Abend einige Kapitel und kleinere Textpassagen erstmalig zu Gehör brachte.

Nur am Rande prägten hierbei statistische Fakten und Zahlen über die letzten Jahre der jüdischen Gemeinden unterm Zoller Guckelsbergers Ausführungen. In der Bündelung seiner jahrelangen Recherchen widmet Werner das Hauptaugenmerk den Opfern, ihrem Leben und ihrer Leidensgeschichte bis zu ihrer Ermordung in einem fernen Konzentrationslager.

Sichtlich berührt lauschten etwa 80 Zuhörer Guckelsberger und ebenso den unter die Haut gehenden Klängen aus der Feder des Hechinger Lehrers und Rabbinatsverwesers Leon Schmalzbach, bevor Kirchmann und Schwarz mit dem melancholisch- getragenen "Kol nidrei" von Max Bruch am Ende des Abends noch einen ganz besonderen musikalischen Höhepunkt bescherten.

Zollernalbkreis

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