Hechingen Schlatt will Bürgerinitiative gründen

Schwarzwälder-Bote, 11.05.2012 19:02 Uhr

Von Karl Schwager

Hechingen-Schlatt. Schlatt will eine Bürgerinitiative gegen das Pumpspeicher-Projekt gründen. Das ist das Ergebnis der Sitzung des Ortschaftsrats am Donnerstag.

Die Räte sondierten im Rahmen eines Ortstermins im Heiligenbachtal die Stimmungslage im Dorf. Sie sammelten überwiegend kritische Stimmen. Etwa 30 Schlatter waren gekommen, und fast alle waren gegen das Projekt.

Am Ende könnte die zu erwartende Gewerbesteuer den Ausschlag geben für das Votum des Hechinger Gemeinderats, befürchtete Ortsvorsteher Jürgen Schuler nach einer diesbezüglichen Frage. Aber auch im Falle einer Ablehnung durch Hechingen sei das Großprojekt vielleicht nicht vom Tisch. Unter Umständen könnten das Land oder der Bund mit einem Raumordnungsverfahren das Pumpspeicher-Projekt auch gegen den Willen der Stadt in Angriff nehmen.

Bis zum Jahr 2020 wolle die Bundesregierung den Anteil der erneuerbaren Energien auf 40 Prozent des Strombedarfs steigern. Diese Vorgabe sei nur mit dem Bau zahlreicher Pumpspeicher-Kraftwerke im Land zu erfüllen, erklärte Schuler.

Enttäuscht zeigte er sich über den Verlauf des Informationsabend am Dienstag in der Festhalle Boll. Auf wesentliche Fragen habe man von den Experten des Regionalverbands keine umfassenden und schlüssigen und zum Teil sogar ausweichende Antworten erhalten – etwa über die Risiken im Falle eines Erdbebens oder die Beeinträchtigungen während der Bauphase und nach Inbetriebnahme des Speicherkraftwerks, sagte Schuler.

Der Ortsvorsteher blickte auf fünf bunte Luftballons mit Helium-Füllung, die Ortschaftsrat Hans Votteler an einer 30 Meter langen Drachenschnur fliegen ließ, um die gewaltigen Ausmaße der Staumauer vor Auge zu führen. Fast alle in der Runde fanden die Aussicht alles andere als erfreulich. Einwände und Bedenken gegen das Pumpspeicher-Projekt hagelte es von allen Seiten – etwa von German Bieger und Markus Schuler. "Ich hoffe, Ihr lehnt das Projekt ab", sagte German Bieger mit ernstem Blick. Beide schlugen für Schlatt die Gründung einer Bürgerinitiative gegen das Projekt vor und ernteten von allen Seiten Zustimmung.

Dann wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Verabredet wurde das erste Treffen für den kommenden Montag. 19 Uhr, Rathaus Schlatt.

 
 
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