Hechingen - In den Prozess um die Raubüberfälle auf zwei Schrotthändler in Hechingen und Weilstetten kommt Bewegung. Drei der vier Angeklagten legten am Freitag Geständnisse ab. Die Frage ist, wie viel sie wert sind.

Drei Männer im Alter von 18, 22 und 30 Jahren übernahmen die Verantwortung für die beiden Raubüberfälle, bei denen sie ihre Opfer nachts zu Hause überfallen, im ersten Fall gefesselt und geknebelt und im zweiten Fall mit Schreckschuss-Pistolen bedroht hatten. Sie erbeuteten rund 80 000 Euro, hatten aber gehofft, weitere 250 000 Euro zu bekommen. Geständnisse legten die Beteiligten ab, die in die Häuser eingedrungen waren. Sie belasteten außerdem ihren mutmaßlichen Komplizen – einen 44-Jährigen, der die Opfer kennt und als mutmaßlicher Drahtzieher der Überfälle gilt. Der 44-Jährige hüllt sich bislang aber weiter in Schweigen.

Damit nahm der Prozess im zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Hechingen zumindest teilweise die Wende, die erwartet worden war. Richter Herbert Anderer hatte schon zum Prozessauftakt erklärt, dass die Kammer genug belastendes Material gegen das Quartett habe. Es sähe »schwarz« für die Angeklagten aus, die Lage könnte nur ein »ehrliches Geständnis etwas rosiger« machen. Zweimal hatten Kammer, Staatsanwalt und Verteidiger hinter verschlossenen Türen die Möglichkeit ausgelotet, eine »Verständigung« zu erreichen – Geständnisse mit der Aussicht auf mildere Strafen.

Die jungen Männer lenkten ein. Der 18-Jährige erklärte, wie es zu den Überfällen kam. Den 44-Jährigen hatten er und sein 22-jähriger Kumpel in einer Spielothek in Neukirch kennengelernt. Alle hätten über die Zeit »sehr viel Geld« verspielt und nun echte Finanzprobleme. Dann habe ihnen der 44-Jährige unterbreitet, wie sie die Geldsorgen »auf einen Schlag loswerden« könnten. Er erzählte vom Schrotthändler in Hechingen, der 60 000 Euro in bar zu Hause habe, die man nur zu holen brauche. Der Mann sei nachts »sowieso besoffen«, es handele sich ohnehin um Schwarzgeld, so dass keine Polizei eingeschaltet werde. Und dem Hund im Haus könne man ja den Hals umdrehen.

Opfer gefesselt und geknebelt

»Erst wollte ich nicht. Aber die Idee hat sich in meinen Kopf gefressen«, sagte der 18-Jährige. Nachts seien er und der 22-Jährige dann eingestiegen. Dass aus dem Einbruch ein Raub wurde, bei dem das Opfer und eine weitere Frau gefesselt und geknebelt wurde, sei nicht geplant gewesen. »Die Frau hat plötzlich geschrien«, sagte er. So sei die Lage außer Kontrolle geraten. Kabelbinder, Klebeband und Eisenrohr hätten sie nur »zur Sicherheit« mitgenommen. Die Beute hätten sie später im Haus des 44-Jährigen aufgeteilt. Der mutmaßliche Anstifter habe die Einbruchs-Kleidung, darunter Strumpfmasken und Handschuhe, verbrannt. Das Geld wurde wieder verspielt.

Bei der zweiten Tat in Weilstetten war der 18-Jährige wieder mit dabei, als es darum ging, den Tatort auszukundschaften. Vor dem Einbruch sei er dann aber ausgestiegen. »Ich hatte ein schlechtes Gefühl, und die Bilder der schreienden Frau tauchten immer wieder in meinem Kopf auf auf«, sagte er.

Der 22-Jährige bestätigte den Tatablauf im Wesentlichen. Er erklärte, er hätte seinen Bruder um »Hilfe« gebeten und die Tat dann mit ihm begangen, weil der 44-Jährige Schrotthändler »Druck« gemacht habe, jetzt zuzuschlagen, solange das Geld im Haus ist, und nicht erst später, wenn »Gras über die Sache in Hechingen« gewachsen sei. Beim zweiten Überfall gingen die Täter aber leer aus, die gehofft hatten, nochmals 250 000 Euro zu erbeuten. Der 30-Jährige schloss sich dem Geständnis seines Bruders an. Die Tat tue ihm leid, ließ er über seinen Anwalt erklären.

Die Kammer hatte Zweifel, ob den 18-Jährigen vor der zweiten Tat doch noch die Reue gepackt und der 30-Jährige nur deshalb zum Räuber wurde, um seinem Bruder zu helfen. Die Polizei hatte den SMS-Verkehr zwischen den Angeklagten sichergestellt. Richter Anderer sah darin Anzeichen dafür, dass der 30-Jährigen beim großen Coup einfach dabei sein wollte und die Brüder die Sache einfach ohne den 18-Jährigen »durchzogen«. Schützen sich die drei Männer gegenseitig?

Erneut verfolgten rund 70 Zuhörer die Verhandlung. Ein amüsantes Duell lieferten sich Richter Anderer und der Anwalt des 44-jährigen Angeklagten. »Schön, dass Sie uns die Arbeit abnehmen«, sagte der Richter zum Verteidiger, der den 18-jährigen Mitangeklagten mit Detailfragen förmlich eindeckte. Ob die Strategie aufgegangen ist, seinen Mandanten damit zu entlasten, erscheint fraglich: »Bislang war die Mittäterschaft des 44-Jährigen nicht so eindeutig. Jetzt ist sie für mich klar«, so Anderer. Der Prozess wird am Donnerstag, 20. September, fortgesetzt. Im Prozess sollen auch noch die Opfer vernommen werden.