Hechingen Mühsame Reise für Schwerkranke

Klaus Stopper, 29.06.2012 09:37 Uhr

Hechingen - Das Ende ist generalstabsmäßig organisiert. In einer Großaktion wurden gestern die letzten 30 Patienten der Hechinger Kreisklinik ins neue Krankenhaus nach Balingen verlegt. Die Hechin ger Klinik ist seit gestern geschlossen.

Es sind schwer kranke Menschen, die sich gestern auf die etwa 20-minütige Reise nach Balingen machten. Darunter zwei Patienten der Intensivstation. Das DRK-Zollernalbkreis hat 13 Krankentransportfahrzeuge und 32 Sanitäter im Einsatz. Im Einsatz ist auch der mit Kommunikationselektronik vollgestopfte DRK-Kommandowagen. Jeder Patient wird einzeln transportiert, erhält feste Ansprechpartner, der ganze Transportweg wird lückenlos begleitet.

Zurück in Hechingen bleibt das Pflegepersonal, das noch die Stationen aufräumt. "Heute ist es mir schon schwer ums Herz", sagt Anna Heck, die vor 34 Jahren in der Hechinger Klinik anfing und heute in der onkologischen Tagespflege arbeitet. Viel Zeit habe sie in diesem Gebäude verbracht, vieles erlebt. Schlimmes und Schönes. Abends wollen die Beschäftigten zum Abschied im Klinik-Innenhof grillen, "das wird schon emotional". Sie freue sich aber auch auf die Arbeit in den neuen Räumen in Balingen, die optimal eingerichtet seien.

Vor dem Eingang der Klinik sitzt Sylvio Reisig und raucht nach dem Frühstück ein Zigarettchen, während eine Infusion in seinen Arm tropft. Zwei Wochen wird er noch stationär behandelt, "mindestens", glaubt er und schluckt trocken. "Schade, dass Hechingen zumacht". Man habe ihn gut betreut in der Klinik. Für die Nachsorgebehandlung nach Balingen zu reisen, werde mühsam. Andererseits: "Ich freue mich schon auf die modernen Räume in der neuen Klinik, das wird sicher schön". Umzugsstress? "Ach was", winkt er ab.

Mehr Komfort am neuen Standort

Dass das neue Balinger Krankenhaus mehr Komfort und Behandlungsqualität bietet, betont auch Klinik-Geschäftsführer Josef Weiss bereits morgens um 8 Uhr in ersten Rundfunkinterviews. Das Medieninteresse ist groß. Ein TV-Team setzt sogar einen Minihubschrauber ein, um Luftaufnahmen zu machen.

Acht Jahre hat sich in Hechingen der Todeskampf der Einrichtung hingezogen. 2004 wurden Pläne bekannt, dass der Zollernalbkreis die Hechinger Kreisklinik schließen will. Die frisch renovierte Klinik in Albstadt, der größten Stadt im Landkreis, blieb erhalten, in Balingen wurde das alte Krankenhaus durch einen Neubau ersetzt.

Modernisierung, Zentralisierung, Einsparung lauteten die Schlagworte der Debatte. Es gab einen kommunalpolitischen Aufruhr in Hechingen, hohenzollerisch und früher selbst Mittelpunkt eines Landkreises. Der Groll gegenüber der Kreisstadt Balingen ist bis heute noch zu spüren. Im Windfang der Hechinger Klinik hängt ein Plakat: "Deutschlands Krankenhäuser, hier tun Kürzungen richtig weh."

 
 
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