Hechingen - Dem nächtlichen Brand in der Hechinger Rabengasse ist nicht nur ein Haus zum Opfer gefallen. In benachbarten Häusern fiel der Strom aus, die halbe Altstadt war für den Verkehr gesperrt und die Nachbarn musste erst einmal den Schock verdauen. "Wegen Stromausfall bleibt der Laden heute leider geschlossen" steht auf einem kleinen Plakat an der Tür zum Orient-Imbiss in der Turmstraße. Die Leitung zu diesem Gebäude führte über das abgebrannte Haus, sie ist in der Hitze einfach weggeschmolzen. Hier muss ein Elektriker nun einen Anschluss an das Erdkabel installieren.

Auch die anderen Häuser in der Umgebung hatten in der Brandnacht keinen Strom. Um 1.57 Uhr wurden die Rettungskräfte alarmiert, sofort wurde auch ein Monteur der EnBW in Marsch gesetzt. Um 2.15 Uhr drehte er in der ganzen Straße den Strom ab, damit die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter gefahrlos agieren konnte. Wer frühmorgens raus musste in der Rabengasse, musste auf den heißen Kaffee verzichten. Erst um 8.30 Uhr wurde der Strom wieder angeknipst.

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In der Kaufhausstraße wundert sich ein Anwohner, wieso alle Parkplätze frei sind. Die Erklärung ist einfach. Die Polizei hat die gesamte nördliche Altstadthälfte konsequent für Autos gesperrt, um den Rettungskräften den Rücken frei zu halten. Wohl auch eine Erfahrung des verheerenden Altstadtbrands vor etwa einem Jahr in der Marktstraße.

Rückblick: Brand letztes Jahr

Den Brand vor einem Jahr hatten wohl alle Feuerwehrleute vor Augen, als sie nachts gegen 2 Uhr in ihren Einsatzfahrzeugen zum Brandort fuhren. Nicht ohne Grund forderte Gesamtkommandant Maik Bulach unter anderem sofort die Balinger Kollegen mit ihrer Drehleiter zur Verstärkung an und weitere Feuerwehren. Er hat erlebt, wie sich ein Feuer durch Hauswände einfach von Haus zu Haus weiterfrisst, wie in den engen Gassen die Beweglichkeit der Feuerwehrkräfte beschränkt wird.

Diesmal will er von Anfang an die maximale Schlagkraft für die Lösch- und Rettungsarbeiten. Vor Ort zeigt sich aber bald, dass niemand in dem Gebäude ist und dass es alleine steht. Das Feuer ist schnell unter Kontrolle, für die Nachbarn kann Entwarnung gegeben werden.

Am Ende ist nur das Haus in der Rabengasse 2 zerstört. Eigentlich ein schönes, altes Fachwerkgebäude, das lange als Scheune und Stall genutzt wurde. Von 1896 an wurde dort auch Mehl und Getreide gelagert, 1936 wurde es schließlich zum Wohnhaus umgebaut. Die alte Bausub­stanz ist aber nicht mehr zu retten. Die schwarz verkohlten Balken des Dachstuhls werden von der Feuerwehr im Lauf des Tages abgesägt, damit keine Trümmer auf die Straße fallen können. Was aus der Brandruine werden soll, da hat der Eigentümer Ionut Reichard noch keine Pläne. Fassungslos steht er neben der Ruine und sagt: "Ich wollte es ausbauen und die Wohnungen vermieten, das hat sich wohl erledigt".