Hechingen Gesang zart wie eine Vogelstimme
Schwarzwälder-Bote, 19.06.2012 23:00 Uhr
Das Ärzteochester und Solisten gaben ein beeindruckendes Frühjahrskonzert in der Stadthalle. Foto: BeyerFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Willy Beyer
Hechingen. In gewohnter Frische zeigte sich das Tübinger Ärzteorchester im 28. Jahr ihres Bestehens beim Frühjahrskonzert in der Hechinger Stadthalle Museum.
Trotz Bilderbuchwetter und parallel laufenden Fußballspielen bekundeten Stammpublikum und auswärtige Gäste dem Orchester und seinem Gründer, dem Hechinger Nervenarzt Norbert Kirchmann, ihre Treue. Kirchmann leitet das Orchester auch als Dirigent.
Das Programm war eine Art solistisches Feuerwerk, das zudem – ganz der Tradition des Orchesters verpflichtet – wieder mit musikalischen Raritäten des 19. und diesmal auch des 20. Jahrhunderts aufwartete. Ob Accelerando, Ritenuto, Crescendo oder Decrescendo: Das Ärzteorchester präsentierte sich als spielfreudig homogener Klangkörper und bot der Solistenparade.
Als Solistin zog die Sopranistin Julia Küsswetter gleich zu Beginn das Publikum im Walzertakt auf ihre Seite. Im hellen Timbre und makellos in der Artikulation schien sie seit ihrem letzten Auftritt mit dem Orchester noch an Reife dazu gewonnen zu haben und gefiel mit "Frühlingsstimmen" von Johann Strauß und später als Koloratursopran im Konzert von Reinhold Glière.
Dieses Werk wird als Vokalise eingestuft, was bedeutet, dass es keinen Text gibt. Nur die Stimme wird eindrucksvoll eingesetzt. Elegisch und dann wieder schwärmerisch in der Formgebung, wurden im zweiten Satz auch Vogelrufe imitiert, die dann teils von einer Klarinette genauso wiederholt wurden. Das Publikum war sich einig: Die Interpretin war eine Bereicherung für das Konzert.
Für Christina Altmann war der Auftritt als Sologitarristin ihr Debüt in der Zollerstadt. Andalusisch und dann wieder hispano-arabisch im berühmten Adagio ging es im "Concierto de Aranjuez" von Joaqin Rodrigo zu. Die variable Metrik, teil polyrhythmisch verschlungen, stellt hohe Ansprüche an die Musiker.
Ideal aufeinander abgestimmt präsentierten sich Orchester und Solist im "Konzert für Violine und Orchester Nr. 2" in d-moll von Henryk Wieniawski. Hier brillierte als Solist mit Jochen Brusch ein in Hechingen bekannter Virtuose. Und er spielte ein Stück, das trotz der Fülle tänzerischer Einlagen dennoch ganz und gar romantisches Odeur atmet.


