Hechingen - Kommt das schwedische Medizintechnikunternehmen Gambro und damit das Werk in Hechingen in neue Hände? Über diese Frage wird seit einigen Tagen öffentlich diskutiert.

Das Wall Street Journal in New York und die Financial Times in London haben die Meldung vor einer Woche nahezu gleichzeitig verbreitet. Danach soll der US-amerikanische Pharma-Riese Baxter International Inc. am Erwerb der schwedischen Gambro-Gruppe interessiert und bereit sein, vier Milliarden US-Dollar oder drei Milliarden Euro auf den Tisch zu legen. Beide Berichte berufen sich ohne nähere Angaben auf informierte Quellen, nach deren Angaben die Übernahmeverhandlungen kurz vor dem Abschluss stehen – aber ebenso gut auch noch scheitern können. Sowohl Baxter als auch Gambro haben allerdings abgelehnt, zu den Berichten Stellung zu nehmen. Im Hechinger Gambro-Werk werden die Berichte als »Gerüchte« charakterisiert.

Baxter ist ein weltweit tätiger Konzern, der von seinem Sitz in Deerfield in Illinois aus in den Bereichen Pharmaindustrie und Medizintechnik operiert. Er beschäftigte im vorigen Jahr 48 500 Mitarbeiter und machte einen Umsatz von 13,9 Milliarden Dollar. Wichtigster Standort von Baxter in Europa ist Österreich. In Deutschland ist der Konzern bisher kaum vertreten.

Baxter wirbt mit seinem Engagement für Nachhaltigkeit und ist eins von nur wenigen Healthcare-Unternehmen, das in der jährlichen Rangliste der 100 Nachhaltigkeits-Unternehmen für das Weltwirtschaftsforum in Davos aufgeführt wird. Allerdings war der Konzern in den 1980ern in den Skandal um HIV-kontaminierte Blutprodukte verwickelt und musste 2008 verunreinigte Heparin-Präparate vom Markt zurückziehen.

Gambro, 1964 von Holger Crafoord in Lund in Schweden gegründet und seit 1983 börsennotiert, ist ein multinationaler Konzern mit mehr als 7000 Mitarbeitern. Er befindet sich seit 2006 im Besitz der schwedischen Investorengruppe Indap AB, die wieder­um von den Finanzgruppen EQT und Investor AB beherrscht wird.

Das Hechinger Gambro-Werk wurde 1973 gegründet und beschäftigt heute rund 1400 Mitarbeiter. Geschäftsführer ist Heiko Zimmermann. Gambro hat in den vergangenen Jahren seine Produktionskapazitäten in He-chingen mehrmals erweitert. Die neue Produktionsstätte auf dem früheren Bundeswehrareal in Stetten soll im nächsten Jahr eingeweiht werden.