Hechingen Erhabene Musik in kleiner Dorfkirche
Schwarzwälder-Bote, 23.04.2012 18:04 Uhr
Gabriele Merz, Ursula Widmann, Holle Doltmer und Hans-Peter Merz in der Sickinger Kirche. Foto: BeyerFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Willy Beyer
Hechingen-Sickingen. Die Kunst der schönen Frauenstimme im Schutz des heiligen Antonius: In einem Konzert mit sakralen Werken boten Ursula Wiedmann und Gabriele Merz am Samstag in Sickingen Kostproben ihres Könnens. Dass in der Antonius-Kirche mal ein Konzert stattfindet, ist eine eher seltene Begebenheit. Die geistliche Literatur passte vorzüglich in den geweihten Sakralraum. Durch die Lesungen von Holle Doltmer erhielt das Konzert zudem eine frei-lockere, aber durchaus liturgische Qualität. Die beiden Sängerinnen konnten sich zur Orgelbegleitung von Hans-Peter Merz bestens entfalten. Der Ehemann der Mezzo-Sopranistin dokumentierte mit dem Solovorspiel eines Bachpräludiums und der Méditation C-Dur von Camille Saint-Saëns ebenfalls seinen hohen Leistungsstand. Mit dem Kirchenmusiker und seiner Frau aus Albstadt sowie der Hechinger Sopranistin Ursula Wiedmann präsentierte sich ein eingespieltes Trio auf der Empore des Sickinger Kirchleins. Sie führten Werke von zwölf Komponisten und fünf Stilepochen auf. So wurde ein von den jeweils eigenen kompositorischen Merkmalen der verschiedenen Stile geprägter Bogen von der Barock- bis zur Neuzeit hin gespannt. Duette, Soli und wieder Duette. In deutscher, lateinischer und englischer Sprache. Über Psalme wie Texte aus der Bibel und der katholischen Liturgie oder zur Marienverehrung.
Auffallend dabei waren die symbiotisch aufeinander abgestimmten Stimmen der Frauen in den Duetten und eine fein subtile Ausgewogenheit im jeweiligen Intonationsvermögen. Etwa in den Crescendi, der stetigen Steigerung des Stimmvolumens von ganz leise bis zur Vollbeschallung des kleinen Kirchenschiffs. Neben weniger oft aufgeführten Stücken wie Francesco Zagattis "Domine ad adiuvandum", den marianischen Duetten von Saint-Saëns und Rheinberger gefielen besonders die bekannteren "Dauerbrenner". Dazu zählte das immer wieder gern gehörte "Ave verum" von Mozart, das das Potential hat, die Vorstellung von Zeit für eine Weile außer Kraft setzen zu können.


