Von Klaus Stopper

Hechingen. So ein Friedhof ist ungewöhnlich. Noch. Aber der Trend könnte sich durchsetzen. Am 9. Mai kommenden Jahres soll im Wald hinter dem Schloss Lindich der Ruheforst Zollerblick eingeweiht werden. Die entscheidenden Verträge dazu wurden gestern unterzeichnet.

Es klingt idyllisch, wenn Raimund Friderichs, Chef der fürstlichen Forstverwaltung, über diese letzte Ruhestätte spricht. Der Anfang wird auf einer Fläche mit jungen Bäumen gemacht, die in den nächsten 99 Jahren – so lange reichen die Planungen voraus – zu einem kleinen Urwald heranwachsen werden. An ausgesuchten Stellen, rund um bestimmte Bäume, an Quellen oder an markanten Steinen und Wurzelstöcken, werden Begräbnisflächen eingerichtet, wo die Urnen aus zersetzbarem Material 80 Zentimeter tief eingegraben werden. Wer möchte, kann Täfelchen mit den Daten des Verstorbenen an den Bäumen anbringen.

Die einfachste Variante für ein Begräbnis kostet 500 Euro netto

Und wer nach einem Grabbesuch wieder aus dem Wald heraustritt, wird direkt vom Lindich aus den weiten Blick auf die Burg genießen können. "Das war ein wichtiges Argument für diesen Standort", erklärt Friderichs. Den Zoller habe man ganz bewusst auch als werbewirksames Alleinstellungsmerkmal für den Ruheforst verwendet.

Denn dieses Projekt hat für die fürstliche Forstverwaltung durchaus auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Dem Fürst von Sigmaringen gehören riesige Waldflächen, "aber es wird immer schwerer, diese gewinnbringend zu bewirtschaften", macht Friderichs deutlich. Sollte der Ruheforst Zollerblick gut angenommen werden, habe man am Bodensee bereits ein weiteres Gelände im Blick.

Er weist aber auch auf die ökologischen Vorteile hin, die der Allgemeinheit zugute kommen. "Der Wald wird hier 99 Jahre in Ruhe gelassen, hier wird kein Vollernter durchfahren", erläutert er. Ein weiterer Vorteil für die Allgemeinheit seien die niedrigen Gebühren.

Die einfachste Version eines Grabes wird 500 Euro netto kosten. Weitaus günstiger als eine Bestattung auf normalen Friedhöfen. Die fürstliche Verwaltung hat sich zudem entschieden, die Körper von verstorbenen Früh- und Totgeburten kostenlos im Ruheforst zu beerdigen.

Mit etwa drei bis fünf Beerdigungen pro Woche rechnet Friderichs. Er wisse von zwei Urnen, die in einem Hechinger Beerdigungsinstitut bereits für eine Beisetzung im Ruheforst gelagert würden. Wie die Feiern gestaltet werden, ist den Friedhofsnutzern überlassen, ein Förster wird allerdings immer zugegen sein und auch darauf achten, dass ein pietätvolles Verhalten gewahrt wird. Die Betreuung des Ruheforstbetriebs wird Elias Hettler übernehmen, der als Förster für den Sigmaringer Fürsten arbeitet.

Die Stadt Hechingen hat nur indirekt mit dem Ruheforst-Projekt zu tun. Da nur Kommunen und bestimmte Glaubensgemeinschaften Beerdigungsstätten betreiben dürfen, übernimmt sie das Waldgelände von der fürstlichen Verwaltung, um es dieser anschließend für Beerdigungszwecke wieder zu übergeben.

Dazu wurden gestern auf der Burg die Verträge unterzeichnet. Sie gelten zunächst auf 99 Jahre. Und was geschieht danach? Raimund Friderichs weiß es auch noch nicht, "aber ich gehe davon aus, dass man dort nicht einfach wieder normale Forstwirtschaft betreiben wird."

u Der Ruheforst Zollerblick wird von der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern betrieben und organisiert. Außergewöhnlich sind die Gestaltungsmöglichkeiten für Bestattungsplätze. So können Grabstellen im Voraus für bestimmte Plätze gekauft werden. Eine Familie kann sich etwa die Plätze rund um einen großen Baum kaufen, aber auch ein Freundeskreis könnte sich einen gemeinsamen Begräbnisort reservieren. Wer möchte kann sich auch eine riesige Eiche ganz für sich alleine kaufen. Die einfachste Beerdigungsart ist in einer fortlaufenden Grabreihe, die ab 500 Euro netto zu kaufen sein wird. Ein Rücktritt vom Kauf einer Begräbnisstätte oder eine Übertragung auf andere Personen wird nicht möglich sein. Im Friedwald wird ein kleiner Parkplatz angelegt, von dem aus Pfade zu den Begräbnisstellen führen werden.