Von Andrea Maute

Hechingen. "Die Mundart liegt den Dingen näher", sagt der Dichter Egon Rieble. Mit einer Lesung in der Villa Eugenia machte er seinen Zuhörern am Sonntag ein literarisches Weihnachtsgeschenk.

In der Rotunde der ehemaligen Fürstenresidenz gab Rieble am dritten Advent eine Kostprobe seines literarischen Schaffens. Im Mittelpunkt standen dabei Winter- und Adventsgedichte, Auszüge aus seinem Kinderbuch "Heraus aus der Spielzeugkiste" sowie die von den Zuhörern sehnsüchtig erwarteten mundartlichen Beiträge, unter anderem aus dem Buch "Em Jesule isch es langweilig".

Doch der 86-Jährige ist nicht nur Dichter, sondern auch Erzähler, der sein Publikum an seinen Erinnerungen und persönlichen Erlebnisse teilhaben lässt. "Hinter uns im Schnee erkennen wir unsere eigene Kinderspur", heißt es etwa im Zyklus "Winter".

Der 86-jährige Schriftsteller und Dichter aus Rottweil hat zahlreiche Preise und Ehrungen erhalten. Viele wurden ihm für seine Verdienste um die Bewahrung des Dialektes verliehen. Doch Egon Rieble schreibt nicht nur Mundart. Auch in der hochsprachlichen Dichtung ist der Literat, der in Tübingen Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie studiert hat, bewandert.

Seine Begegnung mit einer Blumenfrau hat Rieble im Gedicht "Großstadtwinter" verarbeitet und die in einer "Winternacht" aufgescheuchten Vögel stehen sinnbildlich für seine große Leidenschaft: die Fliegerei. "Wenn man den Dichter Rieble verstehen will, muss man seine fliegerische Vergangenheit verstehen", betonte der Referent.

Bereits mit 17 Jahren kam er als Soldat zur Luftwaffe und wurde Jagdflieger – ein Wunsch, der bereits in früher Jugend in ihm erwacht war. Als Rieble noch Schüler war, nahm er an einem Aufsatz-Wettbewerb zum Thema "So stelle ich mir das Fliegen vor" teil. Egon Rieble holte den ersten Preis und gewann einen Rundflug. "Danach war mir klar: Ich werde Flieger", erzählte der 86-Jährige.

Einen Unfall, bei dem ein anderes Flugzeug seine Maschine rammte, überlebte er wie durch ein Wunder. "Ich hatte dabei einen Schutzengel", so Rieble. Die himmlischen Wesen haben ihn zu zahlreichen Gedichten inspiriert.

Eines davon ist der Engel Gabriel, dem der Referent mit "Guck au dr Gabriel – Heilige amol anderscht", ein unterhaltsames Buch gewidmet hat. Umrahmt wurde die Lesung von Bernhard Schmidbauer, der auf dem Klavier Weihnachtslieder vortrug.