Von Andrea Maute

Hechingen. Hunger, Gewalt und Tod sind ihre ständigen Begleiter, ein besseres Leben bleibt ihre Hoffnung: Dem Schicksal der Bootsflüchtlinge ist die neue Ausstellung der Hechinger Gruppe von Amnesty International im Rathaus gewidmet.

"Den Menschen, die keine Lobby haben, ein Gesicht geben": Was Bürgermeisterin Dorothea Bachmann bei der Eröffnung am Freitag ansprach, ist ein Ziel, für das die Menschenrechtsorganisation Amnesty International seit 50 Jahren kämpft. Seit ihrer Gründung 1976 setzt sich auch die Ortsgruppe Hechingen für Gerechtigkeit und Menschenwürde ein.

Bei einem von Amnesty initiierten Briefmarathon kann sich jeder für Menschen einsetzen, die sich in Gefahr befinden. "Im vorigen Jahr konnten 28 000 Appelle verschickt werden, in diesem Jahr streben wir 30 000 an", betonte die Ortsgruppen-Vorsitzende Françoise Schenkel.

Das Bewusstsein der Menschen für Ungerechtigkeit und Not in der Welt zu schärfen, sei wichtig, meinte auch Dorothea Bachmann.

Wie Françoise Schenkel erläuterte, vermitteln die Plakate der Ausstellung, die erschütternde Bilder mit Informationen mischen, einen komplexen Eindruck. Gemeinsam mit Wiebke Schünemann trug sie Gedichte und Texte vor, die das Schicksal der Flüchtlinge thematisieren. Die Unruhe und die Angst, die quälende Enge im Boot und der drohende Tod auf der Überfahrt dokumentieren auf eindringliche Weise die Erlebnisse einer 29-jährigen Frau aus Äthiopien, die von der gefährlichen Fahrt über das Mittelmeer berichtet. Allein zwischen 1988 und 2010 mussten mindestens 14 700 Personen auf der Überfahrt ihr Leben lassen. Wer die Odyssee übersteht, ist keineswegs auf der sicheren Seite, wie das Beispiel eines Jungen aus Afghanistan zeigt. Nach der waghalsigen Passage nach Griechenland wurde er verprügelt, im Schlauchboot wieder ausgesetzt und in der Türkei festgenommen.

Europa sei dabei, sich abzuschotten und die Flüchtlinge ihrem Schicksal zu überlassen. Moral und Menschenrechte würden dabei vergessen, hieß es. Amnesty wolle sich dieser Entwicklung mit viel Engagement entgegenstellen und gebe die Hoffnung nicht auf, etwas ändern zu können. Musikalisch untermalt wurde die Lesung von Lavinia Mautner (Violine), Katharina Erber (Viola) und Frieda Kruse (Cello).

u Zu sehen ist die Ausstellung im Rathaus bis Freitag, 18. Januar, montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie donnerstags zusätzlich von 14 bis 18 Uhr.