Von Arwen Möller Hausach. Die Umbenennung der Wilhelm-Zangen-Straße ist Thema der nächsten Gemeinderatssitzung, die am Montag, 14. Januar, um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses beginnt. Ein Rückblick auf die Geschichte der Straße und die Kritik der Graf-Heinrich-Schülern, deren Erkenntnisse zu Wilhelm Zangen im Dritten Reich nun ein Historiker bestätigt hat.Zangen war "einer der einflussreichsten Manager" im Nationalsozialismus, war "wie wenige andere über das gesamte Ausmaß und die unmenschlichen Folgen des Einsatzes von Millionen ausländischer Arbeitskräfte in der deutschen Kriegsindustrie informiert", an den "Erfolgen" der Rüstungspolitik "federführend beteiligt" und "stieg zu einem der einflussreichsten Vertreter der deutschen Industrie im NS-Herrschaftssystem auf".

So lauten einige der Forschungsergebnisse, die Dr. Heinrich Schwendemann vom Historischen Seminar der Universität Freiburg in seiner Abhandlung zu "Wilhelm Zangen im Dritten Reich" aufgeschrieben hat. Die Stadt Hausach hatte Schwendemann als "neutralen Betrachter" beauftragt, nachdem bereits am 24. Januar 2011 damalige Schüler der Klasse 10a im Gemeinderat die symbolische Aberkennung der Ehrenbürgerwürde von Adolf Hitler und die Umbenennung der Wilhelm-Zangen-Straße gefordert hatten. Die nachvollziehbaren Argumente für ihre Forderungen hatten sie in dem zweijährigen Schülerprojekt "Hausach im Nationalsozialismus" recherchiert.

"Viel Schriftverkehr war das", erinnern sich der heute 18-jährige Matthias Lehmann und fünf seiner damaligen Klassenkameraden im Gespräch mit unserer Zeitung. Damals gingen die Schüler Hinweisen aus verschiedenen Archiven nach, die sie beispielsweise in Kontakt mit dem Dekan der Universität Münster oder dem damaligen Bundespräsidenten brachten. Denn Wilhelm Zangen hatte nach dem Krieg die Ehrendoktorwürde von besagter Fakultät und 1956 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen.

Letztere Auszeichnung wird auch in der nun abgeschlossenen Abhandlung von Historiker Schwendemann aufgeführt. Genauso wie die Existenz einer Liste in der britischen Zone "mit Namen von 32 Unternehmern und Managern, darunter auch Zangen, denen der Prozess gemacht werden sollte". Dass es zu diesem Prozess nicht kam, Zangen 1948 wieder als Vorstandsvorsitzender den Mannesmannkonzern übernahm und Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank wurde, begründet Schwendemann damit, dass die "Entnazifizierungsverfahren" mit der Verschärfung des Ost-West-Gegensatzes immer mehr in den Hintergrund traten.

Zangen macht im Nachkriegsdeutschland Karriere, obwohl Schwendemanns Abhandlung auch auflistet, dass er unter Hitler "Wehrwirtschaftsführer", Vorsitzender der Reichsgruppe Industrie und ab 1942 Leiter des Hauptausschusses V im Speerschen Rüstungsministerium war. Die Gründe dafür erklärt der Historiker so: "›Wirtschaftswunder‹ und Kalter Krieg bildeten den Rahmen für eine nahezu ungebrochene Kontinuität der wirtschaftlichen Eliten vom Dritten Reich in die Bundesrepublik."

Auch die Umbenennung der Rosenstraße (wir berichteten) fiel in die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs: Am 13. Dezember 1954 beschloss der Hausacher Stadtrat deren Umbenennung in Wilhelm-Zangen-Straße. "Das war quasi eine Entscheidung von heute auf morgen", weiß Katharina Ratke. Die heute 19-jährige Wirtschaftsgymnasiastin und ihre ehemaligen Mitschüler erinnern sich noch genau an die Details, die sie bei ihrem Projekt herausgefunden haben. Gustav Rivinius, damals Mannesmann-Werksleiter in Hausach, machten sich bei der Stadt für einen Straßennamen für Wilhelm Zangen stark. Der Rat stimmte dafür. Wegen Zangens "bedeutenden Aufbaus" des Hausacher Werks" und den "vielen Neueinstelllungen", wie aus dem Schreiben hervorgeht, mit dem Bürgermeister Heizmann Zangen über die Straßenbenennung mit dessen Namen informiert.

"Wir würden eine Umbenennung begrüßen", sagt Werkleiter Jörg Stoffels.

Die Bewohner der damaligen Rosenstraße erfuhren aus der Zeitung von ihrer neuen Anschrift und protestierten. Eine Kopie der dazugehörigen Unterschriftenliste ist in den Recherche-Ordnern der Graf-Heinrich-Schüler säuberlich abgeheftet.

Und so wurde aus der einstigen Rosenstraße, in der sich bereits ab 1953 immer mehr Industriebetriebe wie die zwei Firmen von Richard und Erich Neumayer niedergelassen hatten, 1955 die Wilhelm-Zangen-Straße. Die Firma Mannesmann hatte bereits nach dem Krieg in östlicher Richtung bis zur Firma Hengstler erweitert. Hengstler hatte 1938 in der Schätzle­straße gebaut. Ab Mitte der 50er Jahre wurde das Industriegebiet immer weiter erschlossen, dort fast alle alten Bahnbedienstetenhäuser in den 80-er Jahren abgerissen.

Heute sind rund zehn Betriebe und Unternehmen in der Wilhelm-Zangen-Straße angesiedelt. Für rund 2000 Arbeitnehmer führt der Weg zur Arbeit durch diese Straße. Bei einer Umbenennung würden auf die dort ansässigen Unternehmen zusätzliche Kosten zukommen. Darüber ist sich die Stadt klar und hat mit Firmenvertretern Gespräche geführt. Einige haben wohl eine Umbenennung gutgeheißen, andere sehen keine Änderungsnotwendigkeit. Das haben auch Schwabo-Anfragen ergeben.

"Wir würden eine Umbenennung begrüßen", sagte Jörg Stoffels, Werkleiter von Neumayer Tekfor in Hausach, unserer Zeitung. Er findet die "ausgefeilte Arbeit von zwei Jahren" dieser Schülerprojektgruppe gut. Und die jungen Erwachsenen treten immer noch für die Umbenennung ein. Am Montag im Rat werden sie dabei sein.