
Von Helmut Selter Hausach. Vor genau 30 Jahren, 1982, trat die Entwicklung des Industriegebiets Hausach-Ost in eine entscheidende Phase. Durch Umsiedlung von Privatanwohnern konnten damals die Betriebe beträchtlich erweitern.Seit 1967 gab es, bedingt durch die industrielle Erweiterung, Probleme zwischen den Betrieben und den Anliegern des dortigen Wohngebiets – vorwiegend Mitarbeiter der Bahn, die in unmittelbarer Nähe ihres Arbeitsplatzes einst gebaut hatten. Die planerische Abstufung vom Industrie-/Gewerbe- zum Mischgebiet, in dem ihre Häuser standen, war schwierig; Knackpunkt waren vor allem die einzuhaltenden Abstände der Industriegebäude.
1982 gelang es dann Bürgermeister Manfred Kienzle, in die Förderung des Landes die Umsiedlung der Anwohner aus Häusern des Mischgebiets aufzunehmen; bis dahin waren nur Aussiedlungen von Gewerbebetrieben bezuschusst worden. So konnten dann im Lauf der Jahre die Hausbesitzer der Schätzle-, Wilhelm-Zangen-, und Wäldestraße ausgesiedelt werden und erhielten Bauplätze im neuen Wohngebiet Hinterhof.
Dadurch kamen neue Firmenflächen hinzu, womit für die Entwicklung des Industriegebiets Hausach-Ost die ersten positiven Weichen gestellt waren. Zehn Jahre später, im Jahr 1992, kam es dann zum großen Durchbruch: Albert Neumayer, Inhaber des Familienbetriebs Richard Neumayer, konnte im Gutacher Ortsteil Turm einen Hof erwerben, zu dem beträchtliche Geländeflächen im Osten Hausachs gehörten. Durch diesen Kauf wurde es möglich, das gesamte Industrie-/Gewerbegebiet bis zur Gutacher Gemarkungsgrenze für Betriebe zu nutzen.
Die Firma Binder und Wöhrle konnte dadurch am heutigen Standort neu bauen, die am alten Ort frei werdenden Flächen kamen dem heutigen Unternehmen Neumayer Tekfor zugute, das in der Folge rund 33 Millionen D-Mark in die Erweiterung investierte. Auch die Firma Richard Neumayer konnte expandieren. Östlich davon siedelte sich Hermann Schmid mit seinem Baugeschäft und der Tennishalle an – beides gehört heute Ditter-Plastic, im ehemaligen Baugeschäft war zwischenzeitlich die Diskothek "Milieu" untergebracht. Später zog auch die Firma Wolber & Pfaff vom heutigen Klosterplatz nach Hausach-Ost; nach ihrer Insolvenz ging ihr Areal an die Firma Ditter über, die seitdem ständig erweiterte.
Darüber hinaus wurden die Wilhelm-Zangen-Straße damals ausgebaut sowie Wasser- und Abwasserleitung verlegt vom Gasthaus Eiche bis zur Gemarkungsgrenze, runde 1200 Meter, sodass die derzeit vorgesehene Erschließung des interkommunalen Gewerbegebiets "In der Aspen" gesichert ist. Der Schwerpunkt der produzierenden Unternehmen – Ucon, die bisherige Firma Hengstler, jetzt Weber, sowie die beiden Neumayer-Firmen – liegt weiterhin in der Metallverarbeitung, das Industriegebiet hat aber mit der in der Kunststoffbranche tätigen Firma Ditter auch ein neues Standbein erhalten.
Es war ein langer Weg der Entwicklung seit 1967 – mit vielen Verhandlungen seitens der Stadt wie der Unternehmen. Zwischendurch gab es immer wieder Unwägbarkeiten; etwa stand 1982 der Verkauf von Hengstler an, was deren Mitarbeitern schwere Zeiten brachte und zum ersten Streik überhaupt im Kinzigtal führte. Die Gesamtentwicklung des Gebiets führte jedoch zum heutigen optimalen Zustand. Hausach besitzt mit ihm das einzige Gebiet der Region, das – in Teilen – offiziell "Industriegebiet" heißt. Hausach-Ost verfügt unter den Gemeinden der Region auch über die größte Gewerbe-/Industriegebiets-Fläche sowie mittlerweile über die meisten Stellen und bietet vielen Einpendlern eine Arbeitsstätte.