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Hausach Von Geiz und Restdeutschen

Alexander Gehringer, vom 06.02.2012 00:00 Uhr
Was der Schwabe von Erotik und "Dauersolidaritätszuschlagsempfängern" hält: Holger Hommel tischte es auf. Foto: Gehringer
Was der Schwabe von Erotik und "Dauersolidaritätszuschlagsempfängern" hält: Holger Hommel tischte es auf. Foto: Gehringer

Hausach - "Ein volles Haus, und das im Feindesland!", so kommentierte Holger Hommel spontan sein stattliches Publikum im Einbacher "Hirsch". Von wegen Feindesland: Mit der Lesung aus seinem Schwaben-Buch hat sich der "rei­gschmeck­te" Württemberger sicherlich neue Freunde gemacht."Schwabenland – Wo einem der Marsch gekocht und nicht geblasen wird" lautet der Titel seiner liebevoll-schonungslosen Betrachtung. Passend dazu wartete das Gasthaus mit schwäbischer Speisekarte auf; die besagte Spezialität aus Gaisburg durfte natürlich nicht fehlen.

Zwar liegen Hommels Wurzeln in Salzgitter – mit eineinhalb Jahren nach Schwaben gelangt, beherrscht er die Klischees seiner heutigen Heimat dennoch rauf und runter. So durfte sich das Publikum über altbekannte und neue selbstironische Spitzen freuen. Zum Beispiel beim Thema Weltoffenheit: "Wir bauen nicht nur die besten Autos, sondern auch die dicksten Mauern", machte Hommel klar. Entsprechende Vorbehalte hege der Schwabe gegen "die da oben", auch "Nordrandrestdeutsche" genannt, und gegen "die da oben rechts – nennen wir sie einfach Dauersolidaritätszuschlagsempfänger": Vor Hommels spitzer Feder sind "fremde Kulturen" so wenig sicher wie seine eigenen Landsleute.

Der Schwabe hingegen besitze selbst genug Geld – er praktiziere lediglich "eine gewisse Zurückhaltung im Ausgeben". "Lieber zehn Minuten geschämt als zu viel gegeben", laute etwa die Devise, wenn der Caritas-Mitarbeiter die Sammelbüchse hinhält. Und die Skiläufer-Gruppe in der Gletscherspalte beantworte den Zuruf des Roten Kreuzes ohnehin mit: "Mir gäbet nix!"

Reich sein und es niemanden wissen lassen, sei einer der schwäbischen Grundsätze, so Hommel. Oder: "Wir reden nicht gern über die Wirtschaft, sondern schwätzen gern in der Wirtschaft." Ebenso fremd wie gepflegtes Hochdeutsch am dortigen Stammtisch – "ein barbarischer Überfall der übelsten Sorte" – sei im Leben des Schwaben die körperliche Lust: "›Die kann schaffe‹ ist für ihn das höchste erotische Kompliment!"

Freilich ließ Hommel die guten Seiten seiner Heimat nicht unerwähnt; verdanke ihr die Welt doch Erfindungen wie das Auto, den Teddybär oder den BH: "Er basiert auf unserer 30 000 Jahre alten Mona Lisa aus Mammut-Elfenbein von der Schwäbischen Alb", erklärte der Autor. Die Mode sei im Land des "Auftragens" zwar nicht erfunden worden; der Fortschritt indes kehre allmählich auch östlich des Schwarzwalds ein – weg von der Kehrwoche, hin zum Wertstoffhof. Nur mit der Frau am Steuer habe der Schwabe nach wie vor Probleme: "Das geht nur, wenn sieben Viertele Trollinger es unvermeidlich machen!"

Die schwäbische Schimpfwort- und Weisheiten-Hitliste schloss Holger Hommels Lesung ab – angereichert, wie fast alle Bonmots des Abends, mit schriftdeutscher Übersetzung "für den Düsseldorfer Zuhörer".

Beim Füllen des Spendenhuts zeigte das Publikum übrigens keine schwäbische Mentalität – sehr zur Freude der DRK-Hospizgruppe, für die der Buchautor den Erlös bestimmt hatte. So durfte sich das ehrenamtliche Team über eine großzügige Unterstützung für seine ambulanten Dienste an schwer kranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen im Gutach- und Kinzigtal freuen.

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